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Geld verdienen mit Asylsuchenden
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Geht es um diese Wiese? In Baar sorgt eine private Bauanfrage für Gesprächsstoff. (Bild: Google Street View)

Baarer Bauanfrage macht Wirbel Geld verdienen mit Asylsuchenden

4 min Lesezeit 3 Kommentare 26.08.2015, 12:25 Uhr

Die Anfrage eines Privaten schlägt in Baar hohe Wellen – eine Asylunterkunft auf privatem Grund, das geht der SVP nicht in den Kopf. Nun wird gemunkelt, von wem die Bauanfrage stammt. Und es stellt sich die Frage, ob es verwerflich ist, mit Asylsuchenden Geld zu verdienen.

Soviel steht fest: Eine Privatperson aus Baar hat eine Bauanfrage an die Gemeinde gerichtet – sie will eine Unterkunft für Asylsuchende bauen. Das hat die Baarer SVP auf den Plan gerufen – eine Interpellation, empörte Leserbriefe und Zeitungsartikel inklusive. Wer die Anfrage gestellt hat, das ist nicht klar. Bauanfragen werden oft mündlich beantwortet, sie müssen von der Gemeinde nicht veröffentlicht werden. «Wenn wir jedesmal damit noch an die Presse und an die Parteien gelangen müssten, das ginge gar nicht», sagt der Baarer Bauchef Paul Langenegger. Trotzdem ist diese Bauanfrage an die Öffentlichkeit gelangt – wo das Leck ist, ist noch nicht klar. «Ich bin sehr enttäuscht», sagt Langenegger, «das waren eigentlich geheime Informationen.» Was die SVP vorhabe, sei klar: «Sie wissen ja, was im Oktober passiert», sagt Langenegger. Im Oktober sind Wahlen.

Nun werden neuerdings auch Informationen über den Absender der Bauanfrage kolportiert. Und die sind brisant. Die Anfrage stamme, so ist durchgesickert, von der Baarer Familienunternehmung Hotz Obermühle AG. Es handle sich um ein Grundstück in der Obermüli, eines der letzten unbebauten Gebiete in Baar.

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«Meine Person ist irrelevant»

Nun ist es nicht grundsätzlich problematisch, wenn Private vorschlagen, Asylunterkünfte zu bauen. Es gibt im Kanton Zug auch andere Beispiele dafür. In diesem Fall gibt es jedoch eine Verwicklung, die im Dorf Anstoss erregt – im Verwaltungsrat der Firma Hotz Obermühle AG sassen bis 2012 die Baarer Schwestern Rosmarie Müller-Hotz und Annemarie Huber-Hotz, die Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes. Rosmarie Müller-Hotz ist die Chefin und Miteigentümerin der NRS-Team GmbH. Die Baarer Firma stellt modulare mobile Bauten her – prominentes Beispiel sind etwa die Zürcher «Sexboxen». Und auch Unterbringungsmöglichkeiten für Asylsuchende, wie etwa in Zürich Altstetten.

«Es ist einfach daneben, dass sie hier noch versucht, zusätzlichen Profit daraus zu schlagen.»

Beni Riedi, SVP Baar

Das geht der Baarer SVP gegen den Strich. «Das geht einfach nicht, dass hier jemand versucht, das Leid dieser Menschen auszunutzen», sagt Beni Riedi. Müller-Hotz wolle doppelt vom Bau von Unterkünften für Asylsuchende profitieren – einerseits als Grundstückseigentümerin, andererseits als Herstellerin der Unterkünfte. «Sie profitiert von der Asylindustrie, und es ist einfach daneben, dass sie hier noch versucht, zusätzlichen Profit daraus zu schlagen.» Dasselbe gelte für Annemarie Huber-Hotz: «Sie hat als Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes gefordert, 80’000 zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen. Und jetzt will sie mit Asylunterkünften von ihnen profitieren.»

Anrüchig oder Normalfall?

Dass es sich bei der Anfragestellerin allerdings tatsächlich um die Hotz Obermühle AG handelt, ist nicht erwiesen. Und der Zusammenhang mit den beiden Schwestern ebenso fraglich. Rosmarie Müller-Hotz sagt dazu: «Zu den Geschäftstätigkeiten der NSR-Team GmbH sage ich prinzipiell nichts. Meine Person ist in dieser Diskussion irrelevant.» Annemarie Huber-Hotz war für ein Statement nicht erreichbar.

«Ist das verwerflich? Ich finde das nicht verwerflich.»

Paul Langenegger, Bauchef Baar

Geld verdienen mit Asylunterkünften, das klingt anrüchig. Aber ist es tatsächlich verwerflich, wenn Private auf ihrem Grundstück den Bau von Unterkünften für Asylsuchende anbieten, und damit etwas verdienen wollen? «Wir sind auf Private angewiesen», sagt Manuela Weichelt, die Direktorin des Inneren. «Im Kanton gibt es 65 Unterkünfte für Asylsuchende und nur 30 Prozent davon gehören dem Kanton. Alle anderen Unterkünfte mieten wir von Privaten. Und natürlich erhalten diese Eigentümerinnen und Eigentümer einen angemessen Mietertrag.»

Und ist es verwerflich, dass sie von den Asylsuchenden profitieren? «Im Gegenteil, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, ist ein solcher Vertragsabschluss doch völlig legitim. Ich zahle ja auch Miete, wenn ich ein Haus oder eine Wohnung miete», sagt die Regierungsrätin. «Wie gesagt, wir sind auf alle diese privaten Anbieter angewiesen.» Sie begrüsse Projekte, die aus Eigeninitiative entstehen. «Wir sind um jede geeignete Unterkunft froh, die wir mieten können, auch wenn sie nur temporär ist.» 

Und auch in Baar sieht man das so. Paul Langenegger sagt: «Was machen Sie, wenn Sie einen Blätz Land haben, und Geld verdienen wollen? Sie bauen ein Haus und vermieten es an irgendjemanden. Und diese Grundeigentümer haben jetzt gesagt, sie würden diese Wohnungen an Asylsuchende vermieten. Ist das verwerflich? Ich finde das nicht verwerflich.»

Die Bauanfrage ist von der Gemeinde beantwortet worden, man habe den Anfragern dargelegt, was alles zu unternehmen sei, um ein entsprechendes Baugesuch zu beantragen. «Was die Eigentümer jetzt damit machen, das wissen wir nicht.»

 

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3 Kommentare
  1. Boris Kerzenmacher, 04.09.2015, 19:51 Uhr

    muss die Flüchtlinge endlich dort ansiedeln, wo sie willkommen sind, wo die Mehrheit der Bevölkerung wohnt, die sich eine bunte Umgebung wünscht und nicht eben dort, wo die Flüchtlinge nun ausgerechnet nicht erwünscht sind. Ebenso wäre dann die leidige Finanzierungsdebatte gelöst. Gemeinden die sich um Flüchtlinge bewerben und dann den Nutzen der kulturellen und kulinarischen Bereicherung für sich einstreichen, sowie über genügend Fachkräfte für den Arbeitsmarkt verfügen, sind mit Sicherheit gern bereit, die Finanzierung für Lebensunterhalt und Unterbringung zu erbringen. Ebenso wird in diesen Gebieten die Hilfsbereitschaft der bunten Einwohner so hoch sein, dass die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge bei Engpässen auch durch Spenden aus der Bevölkerung gewährleistet wäre. Alle anderen Menschen die den ganzen Asylschwachsinn ablehnen hätten endlich ihre Ruhe und könnten in ihrer Buntlosigkeit weiterleben. Es müsste nur einmal bei der nächsten Wahl vom Volk entschieden werden, ob man jeweils bunt oder nicht bunt sein möchte. Und dann könnten sich die jeweils bunten Gemeinden um die Flüchtlinge bewerben. So wäre dieses Thema endlich zu aller Zufriedenheit geklärt.

  2. Anne Mäder Beglinger, 26.08.2015, 23:01 Uhr

    Ja, da staunt man doch sehr über diesen Gesinnungswandel. Plötzlich werden “Wirtschaftsflüchtlinge” zu Menschen mit Leiden.
    Wir hoffen doch sehr, dass dies ganz “echt” ist und von Herzen kommt.
    Und wir sind ebenso froh, glauben zu hören, dass die SVP niemals Geschäfte machen würde mit den Flüchtlingen, seien diese nun “echt oder unecht”!

    Und merke: Jedes Leid macht Verdienende am Leid!

  3. Werner Frei, 26.08.2015, 12:59 Uhr

    “…dass hier jemand versucht, das Leid dieser Menschen auszunutzen», sagt Beni Riedi.” Ja, da staunt der informierte Zeitgenosse aber mächtig. Die lieben SVP Mannen und Frauen lamentieren doch sonst permanent nur von “unechten Flüchtlingen”! Und jetzt plötzlich passt es ganz gut, das “Leid dieser Menschen” ins Feld zu führen. Windfahnen und Wendehälse allesamt, diese Pseudovertreter des Volkes!
    Es wäre übrigens äusserst interessant zu erfahren, welche Beträge den privaten Eigentümern der 70% Asylunterkünfte vom Kanton (vom Volk!) bezahlt werden. Ob da wohl nicht mehrheitlich rechtskonservative Bürgerliche “von der Asylindustrie” ganz ungeniert provitieren?