So blicken Medien auf das «Crypto Valley»

Zug: Vom «Dorf» zum «Mekka für Krypto-Jünger»

Zug hat viel mehr als nur Kirschtorte zu bieten. (Bild: Andreas Busslinger)

Vor elf Jahren fühlte sich der Zuger Finanzdirektor in der Bitcoin-Welt noch als Alien. Heute ist die 30’000-Einwohner-Stadt Zug als «Crypto Valley» weltbekannt und zieht internationale Medienaufmerksamkeit auf sich. zentralplus hat sich durchgeklickt.

Vor rund elf Jahren soll der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler das erste Mal von Bitcoin gehört haben. Das war 2013, als Vitalik Buterin, ein Star aus der Krypto-Szene und Mitbegründer des Blockchain-Netzwerks Ethereum, nach Zug gekommen ist – um es 2015 hier zu gründen.

«Ein neunzehnjähriger ‹Schnösel› kam her und erzählte über Blockchain und Bitcoin. Da habe ich auch gestaunt. Ich dachte, ein Halbwahnsinniger sei in Zug gelandet wie ein Ufo», resümiert Tännler vor einigen Jahren in «finews.ch» –einer Newsplattform über Neuigkeiten aus der Finanzwelt.

Das «Wunderkind», das jahrelang in Zug gelebt hat, ist zwar längst wieder abgereist (zentralplus berichtete). Doch er blieb nicht der einzige, der Zug zur Bitcoin-Hauptstadt aufbaute.

Denn in den letzten zehn Jahren hat sich die 30’000-Einwohner-Stadt zum Crypto Valley gemausert (zentralplus berichtete). Zum «Bitcoin-Hotspot». Seit Jahren führt Zug die Rangliste der Bitcoin-Städte an und ziert regelmässig die Frontseiten internationaler Medien. Zug wird als «Welthauptstadt für Fans von Bitcoin» betitelt, oder als «Mekka der Krypto-Jünger».

zentralplus hat sich durch internationale Medien geklickt und in den Tiefen von sozialen Netzwerken wie X nachgeforscht: So blickt die Welt auf das Zuger Crypto Valley.

Wo ist denn nun dieses «innovative Crypto Valley»?

«Wieso ein Dorf mitten in Europa zum Mekka der Krypto-Jünger geworden ist», titelte «Focus Online», deren Redaktion aus Berlin schreibt, kürzlich. Da habe sich «zwischen Kirschkuchen und Bergpanorama» ein Ort etabliert, der als Crypto Valley bekannt wurde. Bei einem Augenschein der Journalistin vor Ort habe sich ein «Gefühl von idyllischer Kleinstadt» breitgemacht, von einem «innovativen Crypto Valley» sei nichts zu sehen gewesen.

Wer Passantinnen frage, wo denn das Crypto Valley liege, blicke nur in fragende Gesichter. Auch kein «hochglanzpolierter Gebäudekomplex» sei ersichtlich oder Wegweiser, die zu diesem mysteriösen Ort führen.

Doch in Zug haben sich hunderte Krypto-Unternehmen eingenistet. Gemäss Medienberichten sollen es rund 1000 Firmen sein, die in der Blockchain-Technologie tätig sind und ihren Sitz im Kanton haben.

Zudem haben die Behörden schon relativ früh den Bitcoin als führende Krypto-Währung akzeptiert: 2017 beschloss der Stadtrat, Bitcoins für Leistungen bis 200 Franken als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Seither können Zugerinnen Gebühren direkt am Schalter der Einwohnerkontrolle im Stadthaus etwa mit Bitcoin begleichen. Und seit 2021 können Zuger ihre Steuern mit Krypto-Währungen bezahlen (zentralplus berichtete). Das wird auch in den internationalen Medien gefeiert – oder auf sozialen Netzwerken als «lustige Fakten» gestreut.

Keine Bars, keine «Krypto-Bros» – und «langweilig»

Zahlreiche andere Medien sprechen ebenso von einem «kryptofreundlichen Umfeld» in Zug. So auch «Coin Desk», das den Hauptsitz in New York hat. Allerdings gebe es eine «kleine Einschränkung», berichtete die News-Seite, die sich auf Bitcoin und digitale Währungen spezialisiert hat. «Zug selbst ist nicht voll von Bars und Krypto-Bros. Es ist eine kleine Stadt», schreibt der Journalist. Oder wie Alexander E. Brunner, Krypto-Spezialist aus Zürich, zitiert wird: «Es ist langweilig.» Deswegen würde Zug als Krypto-Drehscheibe auch grössere Städte wie Zürich, Bern und Genf miteinbeziehen. «Es hat sich sozusagen über die ganze Schweiz ausgebreitet.»

Mehrere ausländische Medien berichten verzückt darüber, dass sich Zug, das vor allem für die Kirschtorte, welche selbst Hollywood-Schauspielerin Audrey Hepburn geliebt haben soll, bekannt sei, zum Blockchain-Start-up-Zentrum gemausert hat. «Dort können Sie Ihren Kaffee vielleicht noch nicht in Bitcoin bezahlen, aber Sie werden sich inmitten von Leuten wiederfinden, die in Krypto arbeiten – und die ihre Steuern tatsächlich in Bitcoin bezahlen können», schreibt «euronews.next».

Das «Zentrum der Welt»

Auch auf dem sozialen Netzwerk X gibt das Zuger Crypto Valley ordentlich zu reden. So schreibt ein User im Januar 2024: «Endlich wird die #Schweiz und das #Schweizer #CryptoValley in #Zug zum Zentrum der Welt (d. h. #Eden).»

Das Zuger Cypto Valley erhält nun auch ein Blockchain-Institut, wie seit diesem Mai definitiv bekannt ist. Darin steckt der Kanton nicht weniger als 39 Millionen Franken (zentralplus berichtete).

So schreibt ein Nutzer auf X, anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Crypto Valley in Zug, dass «inmitten der jüngsten Turbulenzen ein robustes Comeback erwartet» werde, «angeführt von einer 40-Millionen-Franken-Infusion in die Blockchain-Forschung».

Finanzdirektor Heinz Tännler liess verkünden, dass mit Blockchain Zug «ein innovatives Leuchtturmprojekt mit internationaler Strahlkraft lanciert» werde. Und: «Wir glauben, dass die Blockchain-Technologie das Potenzial hat, viele Bereiche unseres Lebens zu verändern, und wir wollen sicherstellen, dass wir an der Spitze dieser Entwicklung stehen.»

Spitzentechnologien in Zug – «und dann das …»

Hie und da kommt unter den Krypto-Kennern auch der Humor nicht zu kurz. So meint ein User mit einem lachenden Smiley, dass das Zuger Crypto Valley an Spitzentechnologien arbeitet … «und dann ist da noch das»:

Da müsse er doch gleich mal prüfen, ob es das Gefährt auch auf dem Fahrdienst Uber gebe, schreibt er in einem weiteren Kommentar.

Verwendete Quellen
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