Geld & Steuern
Es winken fette Steuereinnahmen

Das sind die neuen superreichen Bewohner der Stadt Luzern

Die beiden Millionäre, Jens Rugseth (oben) und Rune Syversen, ziehen von Norwegen in die Stadt Luzern. (Bild: PLU / Screenshot Karbon.no)

Die Stadt Luzern kann sich auf neue Zuzüger freuen, welche dicke Bankkontos besitzen. Zwei Norweger ziehen an den Vierwaldstättersee, da ihr Heimatland seine Steuern erhöht hat. Aber wer sind die beiden Neu-Luzerner?

Sie haben sich entschieden und wollen ihren Rentier-Eintopf und die leckere Fischsuppe gegen «Lozärner Chögelipastete» und ein gutes «Kafi Huerenaff» tauschen. Die beiden Investoren Jens Rugseth (60) und Rune Syversen (54) ziehen nach Luzern. Und dies wird wohl auch Freudenschreie bei den Steuerbehörden ausgelöst haben. Denn die beiden gehören zu den 400 reichsten Norwegern.

Steuersystem von Norwegen sei «existenzbedrohend»

Das norwegische Wirtschaftsblatt «Dagens Naeringsliv» berichtet, dass nun beide in die Stadt Luzern ziehen werden. «Wir haben derzeit eine Wohnung gemietet, werden aber wahrscheinlich irgendwann etwas in der Gegend kaufen», sagt Jens Rugseth, welcher schon im November seine Zügelkisten gepackt hatte. Auch sein Geschäftspartner Rune Syversen habe die gleichen Pläne.

Die beiden werden zu Steuerflüchtlingen, da Norwegen in den letzten Jahren die Steuern immer mehr erhöht hat. Nun hat das Land seinen Steuersatz schon wieder erhöht und dies hat das Fass anscheinend zum Überlaufen gebracht. Wie die «Handelszeitung» berichtet, liegt der Steuersatz auf nicht realisierte Gewinne jetzt bei 37,8 Prozent. Innerhalb eines Jahres hat Norwegen die Vermögenssteuer auf Aktien um etwa 70 Prozent erhöht. Auch die Dividendensteuer und der Vermögenssteuersatz sind höher. Die neuen Steuersätze gelten ab dem 1. Januar 2023.

Das Problem bei der Sache: Die nicht realisierten Gewinne existieren oft nur auf dem Papier, werden aber trotzdem besteuert. Das bringt Firmen in eine verzwickte Lage. Sie müssen teilweise Kredite aufnehmen, oder einige Aktien verkaufen, um diese hohen Rechnungen zu begleichen. So erklärt Rugseth im «Wirtschaftsmagazin»: «Mir geht es nicht darum, bei der privaten Vermögenssteuer zu sparen, dafür gibt es günstigere Orte als Luzern. Es geht darum, meine über viele Jahre aufgebauten Firmen nicht in eine finanziell heikle Situation zu bringen.» Pech für Oslo, Finanzglück für Luzern.

Aber wer genau sind die beiden?

So zeigen sich die beiden Geschäftsmänner auf der Firmenseite von «Karbon Invest» (Bild: Screenshot) (Bild: Screenshot Karbon Invest)

Reichtum durch Verkauf von Apple-Computern

Jens Rugseth und Rune Syversen sind beide Eigentümer der Investmentgesellschaft «Karbon Invest AS». Diese Investmentgesellschaft ist eine der wichtigsten an der Osloer Börse. Dass Jens Rugseth einst ein reicher Mann wird, wusste er anscheinend schon früh. So gab er laut «Kapital.no» nach seinem Schulabschluss ein Interview in der Lokalzeitung seiner Heimat in Porsgrunn. Seine Aussage: «Ich werde Millionär.»

Das hat er geschafft. Seine erste Million hat er mit dem Verkauf von Apple-Computern verdient. Die ersten Geräte hat er an seine Mitschüler verkauft. Professionell wurde es, als er die Geräte über seine Firma Høyskoledata an die Käufer brachte. Innerhalb von sechs Jahren hat sich die Firma zum grössten Apple-Händler von Europa gemausert. Sein Vermögen ist unterdessen auf geschätzt 225 Millionen Franken angewachsen.

Sein Geschäftspartner Rune Syversen hat ein geschätztes Vermögen von rund 134 Millionen Franken. Das Fundament zu seinem Erfolg legte er an der Norwegian School of Management. Er hat danach mehrere Unternehmen im Bereich IT und Finanzierung gegründet. Beispielsweise war er 2002 bei der Gründung der Softwarefirma Crayon dabei. Das Unternehmen zählt heute 3,300 Mitarbeitern in über 50 Niederlassungen und knapp 40 Länder. Bei Crayon ist Syversen heute noch beteiligt. Der 54-jährige Norweger lebt im Moment noch in Oslo.

Profitiert Luzern vom norwegischen Geldsegen?

Auch wenn das Vermögen der beiden durch die Pandemie ein bisschen verkleinert wurde, finanziell bleiben die Millionäre für Luzern trotzdem ein Segen. Und da stellt sich die Frage, was diese Zuzüge für den Kanton Luzern bedeuten. zentralplus hat beim Kanton Luzern nachgefragt. Yasmin Kunz, die Sprecherin des Finanzdepartements, sagt: «Wir freuen uns über Neuzuzüger in den Kanton Luzern. Über Details zu den Personen oder die Auswirkungen auf die Steuererträge geben wir grundsätzlich aus Datenschutzgründen keine Auskunft.»

Die Freude ist auch bei der Stadt Luzern zu spüren. Allerdings relativiert die Finanzdirektion die norwegischen Millionen. So schreibt uns die Stadt: «Aufgrund der Grösse der Stadt haben einzelne Zuzüge beziehungsweise Wegzüge in aller Regel keine entscheidenden Effekte auf die Steuereinnahmen, zumal bei mehr als 80'000 Einwohnerinnen und Einwohnern jedes Jahr zahlreiche Personen in die Stadt zuziehen und aus der Stadt wegziehen.»

Es sei nur im Ausnahmefall so, dass einzelne Personen einen spürbaren Effekt auf die Steuereinnahmen haben. Zum Beispiel 2021, als eine einzelne Erbschaft der Stadt Luzern dank der Erbschaftssteuer Steuereinnahmen in der Höhe von rund 12 Millionen Franken bescherte (zentralplus berichtete). Und klar ist auch, dass die beiden Neuzuzüger mit ihren Vermögen zu den reichsten Luzernern gehören und es nächstes Jahr wohl auf die «Bilanz»-Liste der 300 reichsten Schweizerinnen schaffen werden. Doch ob die beiden «Steuerflüchtlinge» die Steuereinnahmen der Stadt wesentlich beeinflussen, wird die Zukunft zeigen.

Laut Stadt Luzern haben aber andere Faktoren einen grösseren Einfluss auf die Steuerrechnung. Dazu gehört unter anderem die wirtschaftliche Entwicklung oder auch die allgemeine Bevölkerungsentwicklung. So oder so: in der Stadt Luzern kann die Bevölkerung auch ohne den norwegischen Geldsegen im kommenden Jahr über eine Steuersenkung abstimmen (zentralplus berichtete).

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