Geld & Steuern
Luzerner Finanz-Bloggerin zeigt, wie's geht

Anlegen für Dummies: Ein paar Tipps für den Start

Angela Mygind hat vor zwei Jahren über Finanzen zu bloggen begonnen. Ihre Zielgruppe: Frauen. (Bild: zvg)

Frauen sparen eher, als Geld zu investieren. Anders als Männer. Wir haben die Luzerner «Miss Finance» Angela Mygind, gefragt, weshalb gerade Frauen anlegen sollten – und wo man im komplizierten Börsendschungel am besten beginnt.

Geld sparen ist wichtig. Oft genug hat die Bankberaterin schliesslich gesagt, dass im Minimum drei Monatslöhne auf dem Sparkonto angehäuft sein sollen. Aber Geld investieren? Das ist doch nur etwas für Reiche. So die Annahme.

Zudem scheint es (noch) eher eine Männersache zu sein: Frauen sparen eher, statt es anzulegen. Das untermauert eine neue Studie des Forschungsinstituts Sotomo. Während 53 Prozent der befragten Frauen angeben, «rein sicherheitsorientiert» zu sparen, legen 32 Prozent renditeorientiert an. Bei den Männern sparen 43 Prozent. Die Mehrheit, nämlich 48 Prozent, investiert ihr Geld.

«Miss Finance» behält den Überblick

Eine, die sich mit dem Thema bestens auskennt ist die Luzernerin Angela Mygind. Als «Miss Finance» bloggt sie seit mehr als zwei Jahren über Finanzthemen und gibt explizit Frauen Tipps.

Lange Zeit habe sie sich nicht mit ihren Finanzen auseinandergesetzt. Schliesslich realisierte die junge Frau: Sie darf ihr Geld nicht einfach einer Bank überlassen (zentralplus berichtete).

Weil sie sich zuerst aber gar nicht mit der Finanzwelt auskannte und sich auch nicht sonderlich dafür interessierte, las sich Mygind ins Thema ein. Heute ist die 34-Jährige eine gefragte Finanzbloggerin. Und: Das Investieren macht ihr sogar richtig Spass.

Doch beginnen wir bei null. Wir haben Mygind gefragt, warum wir überhaupt investieren sollten – und wo man eigentlich genau beginnt. Hier die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Anlegen: Was ist das überhaupt?

Nein, in Schuhe oder ein neues Auto kannst du nicht investieren. Ein Auto kostet dich nur, du musst laufend neues Geld für Benzin, Versicherungen und Parkplatz bezahlen. Zudem verliert das Auto mit zunehmendem Gebrauch an Wert. Wie die abgelatschten Schuhe. «Beim Anlegen ist die Idee, dass das investierte Geld in seinem Wert wächst», sagt Mygind. «Du legst also dein Geld an, um es zu vermehren.»

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sein Geld anzulegen. Beispielsweise kannst du in Fonds, Aktien, ETFs oder Kryptos investieren – aber auch in Sachanlagen wie Uhren oder Whisky.

Hier eine kurze Erklärung: Aktien sind Anteilsscheine an einem Unternehmen, das an der Börse gelistet ist. Kaufst du eine Aktie, gehört dir ein kleiner Teil dieses Unternehmens. Steigt der Kurs dieser Aktie, hat sie einen höheren Preis als den, denn du einmal bezahlt hast. Du hast also einen Gewinn gemacht. Viele Unternehmen schütten zudem ihren Gewinn in Form einer Dividende aus.

Investierst du in einen Fonds, legst du dein Geld nicht in ein Unternehmen an, sondern gleichzeitig in mehrere Unternehmen. Ein Fonds wird üblicherweise von Bankberaterinnen angepasst und umfasst eine grössere Anzahl an Aktien. Ein Fondsmanager managt diesen Fonds und kauft und verkauft regelmässig Aktien.

Und dann gibt es noch sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Das sind Fonds, die an der Börse gehandelt werden. Damit lässt sich einfach und günstig in ganze Märkte und nicht nur in einzelne Unternehmen investieren.

2. Wie findet man das passende Anlageprodukt?

Doch für wen lohnt sich welches Anlageprodukt? «Grundsätzlich braucht es Finanzwissen und die Bereitschaft, sich dieses anzueignen», sagt Mygind. «Schliesslicht triffst du die Entscheidungen für dich und dein Geld – das sollte man nicht auslagern. Nur du alleine musst mit den Konsequenzen leben.»

Wer sich mit der Materie befasst, findet am besten heraus, welches Anlageprodukt am geeignetsten ist. «Man muss sich bewusst sein, mit welchen Risiken die jeweiligen Anlegemöglichkeiten verbunden sind, und welches Risiko man bereit ist, einzugehen.»

Mygind hat dennoch ein paar Tipps: «ETFs unterliegen weniger Schwankungen als beispielsweise Aktien oder Kryptowährungen. Letztere können über Nacht um 50 Prozent einbrechen.» Da ETFs ein passives Investment sind, sind die Gebühren und der Aufwand eher tief. Und das Portfolio ist breit aufgestellt, weil man mit einem ETF gleichzeitig in mehrere hundert oder tausend Unternehmen investiert.

Einzelaktien seien aufwändiger. Und womöglich auch nervenraubender. «Beim Kauf von Einzelaktien muss man es aushalten können, wenn das gewählte Unternehmen Turbulenzen hat.» Wer eher risikofreudig unterwegs sein will, könne ein Anteil «Spielgeld» in Krypto investieren.

3. Warum sollte man denn überhaupt investieren statt sparen?

Dir schwirrt schon der Kopf? Auch uns stellt sich die Frage, warum man sich das Ganze überhaupt antut. Mygind lacht. Auch sie kennt das von früher. Warum ist das Anlegen so wichtig – gerade für Frauen?

«Nicht zu investieren bedeutet nicht, kein Risiko einzugehen. Es bedeutet garantierten Verlust.

«Frauen können durch das Anlegen von Geld die eine oder andere finanzielle Lücke in ihrem Lebenslauf schliessen.» Denn es ist ein Fakt: Frauen arbeiten eher in einem Teilzeitpensum und auch ein Grossteil der unbezahlten Care-Arbeit lastet auf den Schultern von Frauen. Im Alter sind deutlich mehr Frauen von Altersarmut betroffen als Männer.

Für Mygind ist klar: «Nicht zu investieren, bedeutet nicht, kein Risiko einzugehen. Es bedeutet garantierten Verlust. Dies, weil die Inflation unser Geld wegfrisst und man bei den Bankkonten keine Zinsen mehr kriegt, sondern im Gegenteil noch hohe Gebühren dafür bezahlen muss.»

Die Finanz-Bloggerin ermutigt insbesondere Frauen: «Frauen investieren zwar weniger – doch wenn sie es tun, sind sie häufig die erfolgreicheren Anlegerinnen. Sie wollen die Sache verstehen und neigen weniger zu risikohaften Schnellschüssen.»

4. Angst vor dem Börsencrash: Wie baut man Berührungsängste und Sorgen ab?

Ganz einfach: den Sinn und Spass dahinter entdecken. «Man kann mit einem Zinseszinsrechner ausrechnen, was mit angelegtem Geld passiert. Wenn man beispielsweise 10’000 Franken investiert und dabei eine jährliche Rendite von 5 Prozent abgeworfen wird – durchschnittlich waren es in den letzten Jahren sogar 7 Prozent – sieht man, wie sich die ganze Magie entfaltet.»

Wer besonders vorsichtig sein möchte, kann auf einem Demo-Account fiktives Geld anlegen. Dort kann man mitverfolgen, wie sich der Wert der Anlage auf dem realen Markt weiterentwickelt. Solche «Probe-Möglichkeiten» bieten unter anderem Swissquote, Flowbank und Cornertrader an.

5. Was muss ich tun, bevor ich investiere?

Wer Geld investieren will, muss sich zuerst einen Überblick über die finanzielle Lage verschaffen. Die Finanz-Bloggerin rät, für zwei bis drei Monate alle Ausgaben in einem Milchbüechli aufzuführen. Helfen können dabei auch Apps wie «Wallet» oder «SayMoney – Haushaltsbuch».

«Wenn du alle deine Fixkosten kennst, weisst du, wie viel Geld zum Sparen übrig bleibt», so Mygind. Oft würden wir variable Kosten unterschätzen wie das Morgen-Gipfeli, den Kaffe to go oder die Kosten für ein neues T-Shirt.

Wer weiss, wo er sparen kann, kann auch ausrechnen, wie viel Geld zum Investieren übrig bleibt. Einen Notgroschen für Notfälle sollte man aber dennoch zur Seite legen.

6. Wie lese ich mich als blutige Anfängerin in die Finanzwelt ein?

Wer Geld anlegt, muss langfristig denken. Und klein beginnen. Mygind rät, sich Schritt für Schritt ans Thema heranzutasten. «Geld anzulegen, ist wie eine neue Sprache zu lernen. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen und erfordert viel Geduld von einem selber.»

«Leg nur Geld an, dass du die nächsten 10 bis 15 Jahre nicht benötigst.»

Du musst dich also zu Beginn nicht gleich durchs dickste Finanzbuch ackern. Sich zehn Minuten täglich zu informieren, reiche völlig aus. «Ich habe damit begonnen, beim Joggen oder Autofahren mal einen Finanz- oder Investment-Podcast zu hören», so Mygind. Es lohne sich auch, seinen Instagram-Feed ein wenig neu zu organisieren und einigen Investment-Accounts zu folgen. Sodass das Thema immer wieder aufpoppt.

7. Ist das nur etwas für Reiche? Oder: Mit wie viel Geld ich starten kann

Nein, Anlegen ist nichts, was nur Reiche können. Wichtig aber: «Leg nur Geld an, dass du die nächsten 10 bis 15 Jahre nicht benötigst», sagt Mygind. Deswegen ist es umso wichtiger, den Notgroschen auf der Seite zu haben und allfällige Schulden bezahlt zu haben, bevor man einen Teil seines Einkommens investiert (siehe Punkt 5).

Laut Mygind lohnen sich bereits schon kleine Beiträge – zum Beispiel eine 50er-Note. «Jeder investierte Franken zahlt sich aus. Wichtig ist, dass man beginnt!»

8. Wie minimierst du Risiken?

Die 34-Jährige rät, mit kleinen Beiträgen zu beginnen. Und das verfügbare Geld Step by Step zu investieren. So könne man erst beobachten, wie sich der Markt entwickelt.

«Wer Risiken minimieren möchte, kann seine Anlagen möglichst breit aufstellen.» Wenn man beispielsweise in drei Schweizer Pharma-Unternehmen investiert, besteht ein Klumpenrisiko. Mygind rät, in verschiedene Branchen, Währungen, Länder und verschiedene Anlageklassen zu investieren.

9. Was sind realistische Ziele?

«Grundsätzlich könnte man ausrechnen: Wie viel Geld brauche ich, wenn ich pensioniert bin?» Also ausrechnen, wie viel Geld man im Monat benötigt – multipliziert mal Anzahl der Jahre, die man leben könnte.

Rechnen wir das mal aus: Jemand wird mit 65 Jahren pensioniert und rechnet damit, 95 Jahre alt zu werden. Monatlich braucht er 4’000 Franken – und das 30 Jahre lang. Das sind nicht ganz 1,5 Millionen Franken. Da schluckt wohl jeder erstmal leer. Dann zieht man die voraussichtlichen AHV-, Pensionskassen-Beiträge und Beiträge aus der 3. Säule ab. «Ziel kann es dann sein, das restliche Geld mittels Investment zu gewinnen.»

10. Der Kurs sackt ab – wie behälst du da die Ruhe?

Der Kurs sackt ab – die Laune ist im Keller. «Es ist erwiesen, dass das Verfolgen des Börsengeschehens für die Psyche nicht gut ist», sagt denn auch Mygind. «Es fällt Menschen extrem schwer, Börsen-Schwankungen auszuhalten. Und Verluste werden als viel schmerzhafter empfunden, als dass man sich über Gewinne freut.»

Klar ist: Gewisse Schwankungen sind völlig normal. «Man muss sich immer wieder vor Augen führen: Wer anlegt, der denkt langfristig.» Deswegen: Check den Markt nicht täglich ab, sondern vielleicht nur noch einmal im Monat.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Angela Mygind
  • Website und Blog von «Miss Finance»
  • Studie vom Foschungsinstitut Sotomo
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