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«Ich verstehe nicht, wieso die Stadt die Notbremse ziehen sollte»
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Das Rote Haus inmitten des grösstenteils brachliegenden EWL-Areals. (Bild: jal)

EWL-Areal: So reagiert Stadtrat Borgula auf Kritik «Ich verstehe nicht, wieso die Stadt die Notbremse ziehen sollte»

5 min Lesezeit 2 Kommentare 15.07.2019, 11:49 Uhr

Die geplanten Neubauten auf dem Luzerner EWL-Areal stossen auf Widerstand. Die IG Industriestrasse sowie die IG Stadtentwicklung kritisieren das Siegerprojekt. Stadt und EWL reagieren wenig erfreut.

Die IG Industriestrasse (IGI) übt massive Kritik am Siegerprojekt für das EWL-Areal in Luzern. Man habe die Entwicklungspläne «mit Befremden» zur Kenntnis genommen, schreibt sie am Montag in einer Mitteilung.

Die Verantwortlichen von EWL, der Stadt Luzern sowie der Allgemeinen Baugenossenschaft haben kürzlich die Pläne für das Gebiet präsentiert (zentralplus berichtete). Auf dem Areal sollen rund um das bestehende Rote Haus drei Neubauten entstehen. Darin werden nebst EWL, städtischen Dienststellen und Wohnungen auch die Feuerwehr sowie der Zivilschutz untergebracht.

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«Das Projekt Rotpol genügt in seiner jetzigen Form den Ansprüchen einer modernen Siedlungsgestaltung nicht», schreibt die IGI. Sie kritisiert den «baulichen Riegel gegenüber den Nachbarn» sowie das «überladene Raumprogramm». «Das Projekt Rotpol kehrt dem Leuchtturmprojekt auf dem Industriestrassenareal demonstrativ den Rücken und zeigt damit einer nachhaltigen Stadtplanung die kalte Schulter», so das deutliche Fazit.

Stadt soll Notbremse ziehen

Die IG beruft sich dabei auf ihre Volksinitiative «Für eine lebendige Industriestrasse», die ein offen und durchlässig gestaltetes Quartier vorsieht. Das klare Resultat mache es unverständlich, wieso die Stadt Hand biete zu einem Projekt, das «als eigentliche Antithese zu einer lebendigen Industriestrasse» daherkomme. «Statt massstäblich auf das umliegende Quartier einzugehen, wird zum einen geklotzt, zum anderen bleiben öffentliche Erdgeschossnutzungen die Ausnahme.» Der im «Rotpol» geplante Quartierplatz vor dem Roten Haus ist laut der IG Industriestrasse zu stark abgeriegelt.

«Wir haben das Gefühl, wir blicken in der Industriestrasse an eine starre Wand mit lauter Parkplätzen davor.»

Marlon Heinrich, IG Industriestrasse

«Wir kämpfen seit Jahren für eine lebendige, autoarme Industriestrasse  – nun haben wir das Gefühl, wir blicken in der Industriestrasse an eine starre Wand mit lauter Parkplätzen davor», sagt Marlon Heinrich von der IG Industriestrasse. Die Erdgeschosse der ganzen Überbauung müssen gegen die Strasse hin durchlässiger werden, publikumsfreundlicher, einladender. «Sonst bleibt für Passanten nur das freigelegte Bächli in der Industriestrasse, an dem sie sich erfreuen können oder eventuell das Rote Haus im Inneren und der Platz davor – wenn beides als öffentliche Orte tatsächlich funktionieren – das ist uns zu wenig.» 

Mit der Kritik zum jetzigen Zeitpunkt wolle man verhindern, dass die Planung hinter verschlossenen Türen weitergehe. «Uns ist ganz wichtig, dass ein Dialog stattfindet», sagt Heinrich weiter. «Obwohl wir die wichtigsten Anwohner des Areals sind, hat es mit uns bislang keinen Austausch gegeben.» 

Die IG Industriestrasse fordert deshalb, dass «per sofort die Notbremse» gezogen werde und markante Verbesserungen an dem Projekt vorgenommen würden. Besonders die Stadt sieht sie dabei in der Verantwortung.

Offener Brief

Ebenfalls kritisch steht die IG Stadtentwicklung dem Projekt gegenüber, das im Nachgang an die Abstimmung 2012 über die Industriestrasse entstanden ist. «In einer Umgebung von eher kleinteiligen Punktbauten, wie sie auch vom Projekt Industriestrasse vis-à-vis weitergeschrieben wird, wirkt das Siegerprojekt mit dem massiven Volumen als Fremdkörper», heisst es in einem offenen Brief an die Verantwortlichen. Es kämen Zweifel auf, ob bei der Projektentwicklung über die Arealgrenzen hinausgedacht worden sei.

Die IG Stadtentwicklung würdigt zwar auch positive Aspekte, wie etwa die Tatsache, dass die Bedürfnisse und Ansprüche aller Partner erfüllt würden und eine durchmischte Nutzung geplant sei. Auch die geplante Öffnung des Allmendlibaches und der Stellenwert des Roten Hauses kommt gut an.

«Tote Fassaden werden in und um das Areal die räumliche Wahrnehmung dominieren.»

IG Stadtentwicklung

Trotzdem dominiert insgesamt ein negativer Eindruck. Kritisiert werden ebenfalls die öffentlichen Räume sowie die Wirkung auf die Industriestrasse. Mit Ausnahme von Gastronomienutzungen im Roten Haus und möglicherweise darüber hinaus würden die Erdgeschosse auf dieser Seite monoton und statisch ausfallen. «Tote Fassaden mit dahinterliegendem Lager, Anlieferung und Fuhrpark werden in und um das Areal die räumliche Wahrnehmung dominieren.»

Nur abspecken bringe Linderung

Man sei sowohl vom Resultat als auch vom Prozess des Architekturwettbewerbs enttäuscht. Die IG Stadtentwicklung fordert die Streichung von Parkplätzen entlang der Industriestrasse, weniger versiegelte Flächen sowie einen Einbezug der Bevölkerung.

Blick von der Industriestrasse her auf die geplanten Neubauten beim EWL-Areal. (Visualisierung: EWL Areal AG)

Anders als die IG Industriestrasse bezweifelt die IG Stadtentwicklung, dass punktuelle Verbesserungen das Ganze ins Lot zu bringen vermögen. «Vieles deutet darauf hin, dass nur eine Reduktion des Raumprogramms wirklich die wohltuende Linderung verschaffen würde», heisst es im offenen Brief. Das heisst im Klartext: Das Projekt müsste abgespeckt werden und jemand der Involvierten – Sicherheitsorganisationen, Stadt, EWL oder ABL – auf Raum verzichten.

Kein Gehör für grundsätzliche Kritik

Bei den Verantwortlichen reagiert man erstaunt auf den Rüffel. «EWL und auch die Jury sind der Meinung, dass das Siegerprojekt sehr hohe städtebauliche Qualitäten hat und dabei grossen Wert auf Durchlässigkeit legt», sagt EWL-Chef Stephan Marty auf Anfrage. Im Gegensatz zu heute sei das Areal künftig frei begehbar. Die Industriestrasse werde vom Verkehr entlastet und mit dem offengelegten Allmendlibach zur angenehmen Quartierstrasse.

Das Projekt

Auf dem 20’000 Quadratmeter grossen EWL-Areal entsteht zwischen 2022 und 2026 eine neue Überbauung. Dazu gehören Wohnungen sowie ein Sicherheits- und Dienstleistungszentrum. Investiert werden im Dreieck zwischen Geissensteinring, Industrie- und Fruttstrasse rund 200 Millionen Franken.
Realisiert wird das Projekt von Energie Wasser Luzern (EWL), der Stadt Luzern und der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern (ABL). Die drei Partner haben kürzlich das Siegerprojekt Rotpol des Teams ARGE Halter/Eberli Sarnen präsentiert.

Auch Stadtrat Adrian Borgula kann den Vorwurf, man zeige der Stadtentwicklung die kalte Schulter, nicht nachvollziehen. «Das trifft nicht zu. Wir verwandeln ein aktuell unzugängliches Areal in ein gut durchmischtes Quartier mit zahlreichen öffentlichen Nutzungen. Auch was Energieversorgung und Mobilität angeht, sind wir fortschrittlich.»

Dass die Stadt nun eingreifen soll, erachtet Borgula daher als falschen Schritt. «Ich verstehe nicht, wieso die Stadt die Notbremse ziehen sollte. Wir haben das Projekt zweistufig entwickelt und städtebaulich sorgfältig ausgewählt, gerade mit Blick auf die Integration des Nachbarquartiers.» 

Einen Stopp einzulegen, ist seitens EWL auch mit Blick auf den Zeitplan nicht erwünscht. «Eine der grossen Motivationen für alle Partner ist es, der Feuerwehr einen neuen, modernen Standort zu ermöglichen, damit der heutige Feuerwehrstandort Kleinmatt weiterentwickelt werden kann», sagt Stephan Marty. «Eine Notbremse macht aus EWL-Sicht deshalb keinen Sinn.» 

Austausch – ja oder nein?

Auch vom Vorwurf des fehlenden Austauschs distanzieren sich Stadt und EWL. «Die öffentliche Diskussion findet seit längerem statt und über die ABL haben wir einen Partner, der direkt für den Informationsaustausch mit der Industriestrasse sorgt», sagt Borgula. Stephan Marty betont ebenfalls, dass man kontinuierlich mit den Nachbarn im Gespräch sei und sich gegenseitig über die Aktivitäten informiere.

«Modernes, urbanes Bauen heisst eben auch verdichten.»

Adrian Borgula, Stadtrat

Einer Diskussion über einzelne Punkte wollen sich die Verantwortlichen indes keineswegs verschliessen. Zum Beispiel, was die Parkplätze oder die Nutzungen im Erdgeschoss betrifft. Viel Fläche im Parterre werde aber zwangsläufig vom Rettungsdienst und der Feuerwehr beansprucht, sagt Borgula. Was die Dichte der Nutzungen betrifft, verweist er zudem auf die entsprechenden Entscheide des Parlaments. Und hält fest: «Modernes, urbanes Bauen heisst eben auch verdichten.»

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2 Kommentare
  1. Müller, 16.07.2019, 10:27 Uhr

    ich finde dies ist Gelungen, auch ist das mal ein guter Anfang, Durchmischung für jeden was, besser als das Gschtung Mattenhof, ein bisschen Mut mit mer Farben an der Fassade, der Wohnbauten , auch den mut noch 2 Etagen drauf Setzen wir brauchen Wohnungen, die Überbauung Himmelrich ist ja schon Vermietet,also es zeigt es braucht eine Durchmischung Zahlbar für alle und nicht jeder kann Anteilscheine kaufen daran sollte Gedacht werden.

  2. Müller, 15.07.2019, 15:24 Uhr

    Die sind lustig, wir brauchen Wohnungen Dringend aber keine Teure von der Bau Genossenschaft wie die bei der Himmelrichstrasse,, kommt zur Feldbreite Emmen, Grusig, alles gleich Gebaut Quadratisch Praktisch fertig Neunhundert Wohnungen werden hingeklotzt, 600 sind schon da ,Billig Nein, schön nein, vile Leer, Farbige Häuser wurden Abgelehnt, geht in den Schweighof oder Mattenhof, die Regierung interessiert nur die Steuern und das Gebaut wird, man kan ja auch 3,, 12 Stöckige Klötze hinstellen, bringt Ideen nicht nur Reden 3 Sachen, lasst das Volk entscheiden