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Geht’s den Cars im Stadtzentrum jetzt endgültig an den Kragen?
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Verhärtete Fronten: Das Stadtparlament bestimmt, wie es mit den Carparkplätzen in Luzern weitergeht. (Bild: Montage zentralplus)

Wichtigste Antworten vor der Luzerner Cardebatte Geht’s den Cars im Stadtzentrum jetzt endgültig an den Kragen?

6 min Lesezeit 2 Kommentare 27.06.2018, 15:26 Uhr

Wieso erregen Cars dermassen die Gemüter? Welche Lösungen liegen auf dem Tisch? Und welche Szenarien sind jetzt möglich? Vor der grossen Cardebatte am Donnerstag im Stadtparlament gibt es etliche Fragezeichen – wir haben die Antworten.

Wohin mit den Touristencars? Über diese Frage entscheidet am Donnerstag das Stadtparlament, und es dürfte eine kontroverse und wegweisende Debatte werden. zentralplus wird dabei sein und Sie auf dem Laufenden halten.

Die Zeichen stehen auf Sturm, gleichzeitig ist die Verwirrung vor lauter Studien, Berichten und Initiativen gross. Bevor’s so weit ist, hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur immer unübersichtlicheren Causa Carverkehr.

1. Was plant der Luzerner Stadtrat überhaupt?

Die Cars werden vom Inseli verbannt, über 80 Carparkplätze auf Stadtboden fehlen – und nun plant der Stadtrat auch, den Schwanen- und Löwenplatz aufzuwerten. Kurzum: Die Cars müssen aus dem Zentrum weichen, als Ersatz will die Stadtregierung einen Parkplatz auf der Allmend prüfen mit schneller Anbindung ins Zentrum über die bestehende S-Bahn-Linie.

So sieht es der Bericht und Antrag vor, der am Donnerstag ins Parlament kommt. Es sind die Pläne, die der Stadtrat der Initiative zur Rettung des «Parkhauses Musegg» gegenüberstellt. Teil davon sind auch diverse Massnahmen zur Aufwertung der Innenstadt (zentralplus berichtete).

So könnte der Schwanenplatz ohne Cars aussehen.

So könnte der Schwanenplatz ohne Cars aussehen.

(Bild: Visualisierung zvg)

2. Schliesst der Stadtrat also ein neues Parkhaus aus?

Nein, er will die zwei aussichtsreichsten Parkhausprojekte weiter prüfen: Jenes im Musegghügel mit Platz für 36 Cars – sowie das Seeparking unter dem Schweizerhofquai für 40 Reisebusse. Über das erste stimmt im September das Volk ab, zum anderen haben die Promotoren kürzlich eine Machbarkeitsstudie präsentiert. Als reine Carparkplätze, aber ohne Autos, bleiben sie als mögliche Ergänzung zur Allmend-Lösung im Rennen.

Bevor aber Millionen in teures Beton verbaut werden, will der Stadtrat prüfen, ob die Allmend-Idee überhaupt etwas taugt und Touristengruppen den Weg zum Schwanenplatz finden. Ein Testbetrieb ist schnell und ohne grosse bauliche Massnahmen möglich und soll Klärung bringen.

So sähe die Ausfahrt des unterirdischen Seeparkings bei der Hofkirche aus.

So sähe die Ausfahrt des unterirdischen Seeparkings bei der Hofkirche aus.

(Bild: Visualisierung/zvg)

3. Wie sind die Reaktionen auf die Pläne des Stadtrates?

Es gab und gibt viel Kritik, vor allem vonseiten der bürgerlichen Parteien, von Wirtschaft und Tourismus. Sie fürchten, dass die Gruppentouristen künftig einen Bogen um Luzern machen, wenn sie nicht mehr direkt ins Zentrum vor den Bucherer fahren können. Musegg-Parking-Initiant Fritz Studer sagte zu zentralplus: «So kommen Touristen schlicht nicht mehr nach Luzern.» Und selbst der Tourismusexperte Jürg Stettler warnte gegenüber der «Luzerner Zeitung»: «Gut möglich, dass viele nach Interlaken ausweichen würden.»

Auch die knapp bürgerlich dominierte Baukommission hat den Bericht und Antrag des Stadtrates abgelehnt – vergeblich, der Stadtrat bringt das Geschäft am Donnerstag trotzdem ins Parlament. Mit gutem Grund: Dort sind die Kräfteverhältnisse anders, Links-Grün dominiert und will die Cars aus dem Zentrum raushaben.

4. Erhält der Stadtrat auch Support?

Jein, bei den Linken stösst zwar die Allmend-Lösung verbunden mit der Aufwertung der Innenstadt auf offene Ohren – jedoch dürften SP, Grüne und GLP selbst ein abgespecktes Parkhaus für Cars in der Innenstadt ablehnen. Die GLP favorisiert die Metro-Idee (siehe nächste Frage). Man kann es also kurz machen: Die Positionen sind festgefahren: Für die Bürgerlichen ist ein zentrales Carparkhaus zwingend, für die Linken Tabu. Nur ein Volksentscheid wird wohl in dieser Frage Klärung bringen.

5. Immer wieder hört man von der Metro-Idee. Was ist damit?

Das Projekt eines grossen Parkhauses im Gebiet Ibach mit einer Metro-Verbindung an den Schwanenplatz wurde oft totgesagt, hält sich aber seit 2013 hartnäckig und geniesst Sympathien. Der Stadtrat verfolgt die Idee nicht mehr weiter, er erachtet die Kosten als zu hoch und den Nutzen als zu gering.

Aber auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Eine Initiative ist gerade zustande gekommen, ein Komitee mit Vertretern von GLP, SVP und BDP hat 1’300 Unterschriften eingereicht und will die Metro und ein Parking im Ibach für 170 Reise- und Fernbusse retten.

So soll der Eingang zur Metro am Schwanenplatz aussehen.

So soll der Eingang zur Metro am Schwanenplatz aussehen.

(Bild: zVg)

6. Wieso werden Reisebusse so kontrovers diskutiert?

Eigentlich sind Cars in Luzern ein vernachlässigbares Problem. Sie machen nur gerade 2,6 Prozent des Gesamtverkehrs aus und sind im Vergleich zu Autos recht effiziente Verkehrsmittel. Zudem muss man sagen: Im Moment funktioniert es nicht schlecht. Aber die Blechbolliden sind nun mal an zentralen Plätzen sehr präsent, also sind sie ein gefühlt grösseres Problem.

Zudem wird anhand der Carfrage eine Grundsatzdebatte geführt: Wie viel Tourismus verträgt es in Luzern? Wann ist genug? Und muss man den knappen Platz der Bevölkerung zurückgeben? Das hat man an der äusserst gehässigen Debatte im Vorfeld der Volksabstimmung zur Inseli-Initiative letzten Herbst gesehen, sie war von Drohungen, Anfeindungen und dunklen Szenarien geprägt.

7. Wie geht’s jetzt weiter?

Das hängt vom Entscheid des Stadtparlaments ab, dieses kann die Pläne des Stadtrates abnicken, korrigieren oder zurückweisen. Vorgesehen ist, dass das Volk am 23. September über die Initiative zur Rettung des Museggparkings abstimmt – verschiedene Szenarien sind denkbar.

Wenn das Parlament dem Stadtrat folgt und den Bericht und Antrag unverändert gutheisst, ist die Chance gross, dass die Initianten ihre Initiative zurückziehen. Dies, weil das Museggparking neben dem Seeparking wieder zurück im Spiel wäre. Es kann aber auch sein, dass das Parlament den Bericht und Antrag zum Gegenvorschlag macht, dann hätte das Volk die Wahl zwischen der Initiative «Kein Diskussionsverbot – Parkhaus Musegg vors Volk» und dem Vorschlag des Stadtrates.

Die dritte Möglichkeit und zugleich die brisanteste: Das Parlament heisst den Ansatz für die Carparkplätze auf der Allmend gut, ebenso die Aufwertung der zentralen Plätze, es streicht aber Parkhäuser für Cars aus dem Konzept. Das ist angesichts der links-grünen Mehrheit nicht abwegig. Dann verkäme die Abstimmung im September zur entscheidenden Frage: Fahren in Luzern weiterhin Cars in die Innenstadt oder nicht?

8. Moment, da gibt es doch noch weitere Ideen?

Ja, zum einen war da der Architekt Bruno Ackermann, der die Rettung des Kasernenplatzes als Lebensaufgabe sieht. Jedoch ist sein Plan für ein neues Parkhaus über dieser «städtebaulichen Wunde» aus dem Rennen ausgeschieden (zentralplus berichtete).

Zudem ist schon länger das Carkonzept «C-Netz» auf dem Tisch, ausgedacht von den Architekten Frieder Hiss und Markus Heggli, die mit ihren Ideen für eine Stadt am Wasser immer wieder städtebauliche Debatten anstossen (zentralplus berichtete). Sie fordern nicht ein Parkhaus, sondern eine Vernetzung verschiedener Lösungen. Neben dem zentralen Parkhaus Musegg schlagen sie zwei Carterminals in der Peripherie vor – eines auf der Allmend und eines beim Lido. Sie sehen ihre Lösung als «mehrschichtiges Gesamtkonzept mit unterschiedlichen Parkplatzkategorien und Angeboten». So gesehen wäre die Lösung Allmend in Kombination mit einem Ausweichparkhaus gar nicht weit entfernt vom «C-Netz».

Hiss und Heggli denken weiter und sehen in einem neuen Parkhaus ein Logistikzentrum, über das Lastwagen ihre Waren zentral anliefern – Cargo-Bikes und Elektrowagen würden die Feinverteilung in der Stadt vornehmen. Eine Idee, die je nach Parlamentsentscheid durchaus wieder aktuell werden könnte.

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2 Kommentare
  1. Robert Casagrande, 28.06.2018, 21:13 Uhr

    Fehler bei der Visualisierung Schwanenplatz.
    Dieses Bild von der Stadt vorgestellt gaukelt vor, dass man den ganzen Schwanenplatz möbilieren kann. Dies ist schlicht nicht möglich, denn die Zu- und Wegfahrt zum Parkhaus der CS muss auch in Zukunft jederzeit möglich sein. Ein aktualisiertes Foto wäre dringend nötig. Es weckt (hoffentlich nicht gewollt) falsche Hoffnungen.

    1. Jonas Wydler, 03.07.2018, 07:22 Uhr

      Es handelt sich um eine Visualisierung, wie ein Platz ohne Cars aussehen könnte. Wie er tatsächlich aussehen wird, wird die Zukunft weisen – aber davon haben wir leider noch kein Foto 😉

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