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Geht es den Hug-Guetzli an den Kragen?
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Andreas Hug (links) mit Bruder Werner in ihrer Guetzli-Produktionsstätte in Malters. (Bild: E.T. STUDHALTER)

Luzerner Traditionsunternehmen im Gegenwind Geht es den Hug-Guetzli an den Kragen?

4 min Lesezeit 09.07.2015, 05:08 Uhr

Wir essen immer weniger Guetzli, im Export läuft es schlecht und im Tourismus auch: Die Luzerner Guetzli-Familie Hug erlebt keine einfache Zeit. zentral+ wollte von Andreas Hug wissen, warum trotzdem 20 Millionen investiert werden und wie das Guetzli der Zukunft aussehen wird.

Hug-Guetzli – das gehört zu Luzern wie die Kirschtorte zu Zug. Das Traditionsunternehmen aus Malters geschäftet bereits in der fünften Generation mit Backwaren aller Art. Und das ziemlich erfolgreich: Hug beschäftigt fast 400 Mitarbeitende. Doch nun stockt der Motor: Von Stagnation ist die Rede und von Rationalisierungen. Und davon, dass immer weniger Menschen Guetzli essen.

Zu allem Unglück auch noch dies: Wer trotzdem Guetzli essen will, kauft diese immer öfter im Ausland ein. Alles schlechte Nachrichten für die Unternehmer-Familie Hug in Malters. Dort will man aber von Pessimismus nichts wissen. Im Gegenteil.

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zentral+: Wir konsumieren immer weniger Guetzli, der Export ist rückläufig, deshalb stagniert der Umsatz: Müssen wir uns um unsere Luzerner Hug Guetzli Sorgen machen?

Andreas Hug: Lacht laut am Telefon. Nein, nein, machen Sie sich mal keine Sorgen. Wir sind überzeugt, dass es weiter geht mit uns.

zentral+: Aber die Aussage, dass der Umsatz «knapp auf Vorjahr» liege, heisst auf gut Deutsch, dass er zurückging. Das tönt nicht so toll. Hat Hug die Zeichen der Zeit verschlafen?

Hug: Nein, gar nicht. Wir sind umsatzmässig etwas unter dem Vorjahr, das stimmt. Das hat schon gewisse Auswirkungen. Aber es ist der Umsatz, der zurückgeht, nicht unbedingt das Volumen.

zentral+: Warum das?

Andreas Hug

Andreas Hug

(Bild: E.T. STUDHALTER)

Hug: Es sind Margenverluste wegen des teuren Frankens. Wir verkaufen zwar im Ausland etwa gleich viele Biscuits, aber wir müssen Währungsrabatte geben. Wir verkaufen also etwa gleich viel wie letztes Jahr, aber im Export generieren wir weniger Einnahmen.

zentral+: Zudem essen Herr und Frau Schweizer immer weniger Guetzli …

Hug: Das ist so. Der Guetzlimarkt ist in der Schweiz seit Jahren rückläufig. Wir sind dennoch in den letzten Jahren gewachsen. Jetzt stagnieren wir.

zentral+: Sind Guetzli generell ein Auslaufmodell?

Hug: Nein, das glaube ich nicht. Der Rückgang hat auch mit dem Einkaufstourismus zu tun. Die Schweizer geben 9 Milliarden Franken pro Jahr im Ausland aus, davon 2,8 Milliarden im Food-Bereich.

zentral+: Kaufen die Schweizer in Deutschland Ihre Hug-Guetzli zum stark reduzierten Preis?

Hug: Das gibt es auch, aber das Angebot an Biscuits ist riesig. Also kauft man in Deutschland, was dort angeboten wird. Das werden wohl kaum in erster Linie unsere Produkte sein.

zentral+: Sie sagen, dass der starke Franken, der Einkaufstourismus und der Rückgang im Tourismus Schuld sei am schlechteren Geschäftsgang. Ist es nicht etwas zu einfach, die Schuld abzuschieben?

Hug: Es ist klar: Man kann nicht die ganze Verantwortung an die Nationalbank abschieben. Aber dummerweise haben wir jetzt auch noch das Griechenland-Problem. Das alles führt zu einer Unsicherheit in der ganzen Wirtschaft. Und es drückt generell auf die Stimmung – auch auf die der Konsumenten.

zentral+: Und der Tourismus? Was hat der mit Ihren Guetzli zu tun?

Hug: Das Gastronomie-Geschäft ist für uns sehr wichtig. Wir verkaufen dort nicht nur das obligate Guetzli zum Kaffee, sondern Pastetli, Merengue-Schalen oder Tartelettes. Das macht gut einen Drittel unseres gesamten Umsatzes von 114 Millionen aus. Das ist substanziell. Wenn die Hotels in der Schweiz leer bleiben, dann spüren wir das sehr stark.

zentral+: Nun teilen Sie mit, dass Hug 20 Millionen Franken in Anlagen und Gebäudeerweiterungen investieren will. Ist das zum jetzigen Zeitpunkt nicht ein Risiko?

«Wenn die Hotels in der Schweiz leer bleiben, dann spüren wir das sehr stark. Die Gastronomie macht einen Drittel unseres Umsatzes aus.»

Andreas Hug, Geschäftsleitung Hug AG

Hug: Das ist es sicher, aber wir sind überzeugt, dass wir das Richtige machen. Wir wollen die Kapazität steigern, vor allem beim Vollkorngebäck DarVida – wir glauben daran, dass das Sinn macht.

Luzerner Familienunternehmen seit 1877

Rund 380 Mitarbeitende beschäftig die Hug AG an den drei Standorten Malters, Willisau und Trimbach (Kanton Solothurn). Hug umfasst die drei Marken Hug, Wernli und DarVida. Hug wurde 1877 als Bäckerei in Luzern gegründet und ist heute noch, bereits in der vierten Generation, im Familienbesitz. Die beiden Brüder Andreas (Geschäftsleitung) und Werner Hug (Präsident und Verwaltungsrat) führen das Unternehmen. Bereits ist die fünfte Generation mit dabei: Anna Hug, die Tochter von Werner Hug, wurde neu in die Geschäftsleitung gewählt und übernimmt im Betrieb den Bereich «Entwicklung und Innovation».

zentral+: Auch von Rationalisierungen ist die Rede – das heisst oftmals, dass es zu Personalabbau kommt. Haben die rund 380 Angestellten Grund zur Besorgnis?

Hug: Nein, die Zahl der Angestellten schwankt immer ein wenig. Wenn wir uns jetzt wie angekündigt weiterentwickeln, dann hat das wenig Einfluss auf die Anzahl der Beschäftigten.

zentral+: Was heisst das nun: Stellenabbau oder nicht?

Hug: Es kann zu etwas weniger Temporärstellen führen. Aber substanziell wird es keinen Abbau geben. Es wird wie immer Leute geben, die weggehen, welche man nicht ersetzt. Aber klar, wir müssen immer knapp und vorsichtig kalkulieren.

zentral+: Können Sie selber eigentlich noch Hug-Guetzli essen?

Hug: Auf jeden Fall, ich habe gerade ein offenes Pack vor mir liegen. Ich mag unsere Backwaren immer noch sehr gern.

zentral+: Bereits ist mit Anna Hug eine Vertreterin der fünften Generation am Werk, sie wird im Bereich Innovation tätig sein und womöglich ganz neue Produkte lancieren. Wird es das klassische Hug-Guetzli bald nicht mehr geben?

«Die Guetzli, welche Erfolg haben, sind meist seit 50 bis 60 Jahren auf dem Markt.»

Andreas Hug

Hug: Da müssen Sie keine Angst haben: Wir bleiben im Back-Bereich, das ist ein sehr traditioneller Markt. Was Erfolg hat, ist meist seit 50 bis 60 Jahren auf dem Markt. Die Packungen werden zum Teil kleiner oder anders. Dort gibt es Innovationen. Ab und zu vielleicht eine neue Rezeptur. Aber die bewährten Guetzli werden bleiben – so etwa das Willisauer Ringli.

zentral+: Die DarVida-Produkte von Hug sind stark wachsend. Ist das der Trend? Weg vom fettig-süssen Biscuit, hin zum vollkornig-gesunden, dafür staubtrockenen Knäckebrot?

Hug: Die sind gar nicht so trocken! Es gibt unterdessen diverse Produkte. Sie sind gesünder als die Guetzli, aber das Genusselement kommt trotzdem zum Tragen.

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