Geht ein Serientäter um?
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Auf diesem Wegstück in Emmen wurde die Frau vom Velo gerissen und vergewaltigt. (Bild: azi)

Ähnlicher Vergewaltigungs-Fall in Salzburg Geht ein Serientäter um?

5 min Lesezeit 3 Kommentare 14.08.2015, 19:00 Uhr

Der Vergewaltiger von Emmen läuft immer noch frei herum. Schlug derselbe Täter vielleicht auch in Salzburg zu? Und gibt es sogar einen Zusammenhang mit dem Prostituiertenmord im Ibach vom letzten Herbst?

Knapp einen Monat nach dem tragischen Vorfall vom 21. Juli in Emmen ist der Täter immer noch nicht gefasst, wie die Luzerner Polizei auf Anfrage bestätigt. «Die Ermittlungen laufen nach wie vor auf Hochtouren», sagt Mediensprecher Kurt Graf.

Zufall oder nicht? Eine Meldung aus dem österreichischen Salzburg macht stutzig: Dort ist am 8. August eine junge Velofahrerin, die abends auf einem Weg am Fluss unterwegs war, ebenfalls brutal vom Fahrrad gezerrt und vergewaltigt worden. Das Opfer ist eine 17-jährige Jugendliche. Sie fuhr mit dem Fahrrad entlang des Treppelwegs am Fluss Salzach entlang von Hallein Richtung Salzburg. Ein unbekannter Radfahrer überholte die junge Frau, gab ihr beim Vorbeifahren einen Stoss, worauf beide umfielen. Der Mann zerrte die junge Frau darauf in ein Gebüsch und vergewaltigte sie. Das Opfer konnte in diesem Fall befragt werden. Aufgrund der Befragung der jungen Frau erstellten Ermittler des Landeskriminalamts Salzburg ein Phantombild (Bild weiter unten im Text). Am Tatort wurden Spuren gesichert, die nun ausgewertet werden.

Tätersignalement der Vergewaltigers aus Salzburg

Die Salzburger Behörden haben auch ein Tätersignalement geliefert. Danach soll es sich um einen 30 bis 40 Jahre alten Mann südländischer oder arabischer Abstammung handeln. Er sei zirka 175 Zentimeter gross und habe eine schlanke, aber sportliche Statur, kurze schwarze Haare und eine Stirnglatze. Der Mann habe zudem eine rechts gebogene Hakennase und eine kaum wahrnehmbare zirka einen Zentimeter lange Narbe am Nasenrücken.

Die Behörden in Salzburg wollten sich zur Ähnlichkeit oder Parallelen der beiden Fälle zurzeit nicht äussern. «Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes Salzburg sind im Laufen. Die eingelangten Informationen und Hinweise sowie die gesicherten Spuren werden zur Zeit ausgewertet», schreibt die Landespolizeidirektion Salzburg zentral+. «Unsere Ermittler hatten mit den österreichischen Kollegen bereits Kontakt«, sagt Kurt Graf von der Luzerner Polizei. Über den Inhalt der Abklärungen kann er wegen des Amtsgeheimnisses momentan keine Auskunft geben.

Das Phantombild des Vergewaltigers aus Salzburg.

Das Phantombild des Vergewaltigers aus Salzburg.

(Bild: Landeskriminalamt Salzburg)

Erste Kontaktnahme war möglich

Trotz Sondereinsatzkommando und öffentlicher Fahndung tappt die Luzerner Polizei bis zur Stunde also noch immer im Dunkeln. «In wesentlichen Punkten fehlen uns wichtige Informationen», sagt Kurt Graf zu zentral+. Über den genauen Tathergang habe man bisher mangels Zeugen nur spekulieren können. «Hier würden uns die Aussagen des Opfers sicher weiterhelfen, insbesondere die Angaben zum Täter.» Graf bestätigt, dass man die junge Frau kürzlich habe sprechen können. «Es handelte sich um eine kurze Kontaktaufnahme. Wir sprechen in solchen Fällen von einer informellen Befragung.» Weitere Aufschlüsse erhofft sich die Polizei von einer ausführlicheren Einvernahme. «Eine solche ist aufgrund des aktuellen Gesundheitszustands des Opfers aber noch nicht möglich», so Graf. 

Die junge Frau, die vorletzte Woche von einem Unbekannten vom Velo gerissen und vergewaltigt wurde, ist nach wie vor im Schweizerischen Paraplegiker-Zentrum SPZ in Nottwil in Behandlung. Über die Gründe, warum die Patientin offenbar noch nicht vernehmungsfähig ist, darüber schweigt sich das SPZ im Moment aus. Erst in zwei bis drei Monaten könne der Gesundheitszustand und die Heilungsaussichten beurteilt werden, teilt das SPZ auf Anfrage mit. Bis dahin mache man ausser an die Direktbetroffenen keine weiteren Angaben.

Prostituiertenmord ebenfalls ungeklärt

Der Emmer Vergewaltigungsfall ist nicht das einzige brutale Verbrechen der letzten Zeit im Grossraum Luzern, das ungeklärt ist. Im September 2014 wurde die 36-jährige Sexarbeiterin Emilia, die im Luzerner Ibach-Quartier auf den Strich ging, tot im Vierwaldstättersee bei Stansstad gefunden. Seither geht die Angst um in der Luzerner Prostituiertenszene. Ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Vergewaltigung in Emmen und dem Mordfall aus Ibach und Stansstad? Die Nidwaldner Staatsanwältin Erika von Rotz leitet die Untersuchung des Prostituiertenmords, will sich aber zu einem allfälligen Zusammenhang nicht äussern, solange in keinem Fall ein Täter feststeht. «Unsere Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben noch keinen Täter gefunden», sagt von Rotz.

Ob man DNA-Spuren des Täters hat (die man allenfalls mit denjenigen der Luzerner Untersuchung vergleichen könnte) will sie aus ermittlungstaktischen Gründen ebenfalls nicht bekannt geben. Die Nidwaldner Behörden hatten im letzten Herbst mehrere Zeugenaufrufe publiziert. Zwei Spuren verfolgte man 2014: Ein Anwohner hatte im Ibach-Quartier einen Poncho gefunden. «Er gehörte aber nicht der Frau», sagt die Staatsanwältin. Auch die beobachteten Streitigkeiten mehrerer Personen in der mutmasslichen Todesnacht der Prostituierten hätten nichts Brauchbares ergeben. Man tappt also auch dort nach wie vor im Dunkeln.

Der Stand der Dinge im Luzerner Vergewaltigungsfall

Zurück zum Luzerner Vergewaltigungsfall. Dank der öffentlichen Fahndung seien in der Zwischenzeit weitere Hinweise eingegangen, sagt Mediensprecher Kurt Graf. Immer wieder erhalte man neue Meldungen aus der Bevölkerung, auch wenn diese zum Teil nicht verwertbar seien, so Graf. «Natürlich sind die Schilderungen sehr persönlich gefärbt. Nicht jeder als auffällig empfundene und beschriebene Hundehalter oder Velofahrer bringt die Ermittler weiter.» Dennoch sei man für jeden noch so kleinen Hinweis dankbar, betont Graf. «Jede noch so unscheinbare Spur kann uns zum Täter führen.» Für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, ist Belohnung von bis zu 10’000 Franken ausgesetzt.

Eine Sonderkommission arbeitet an dem Fall – bis zu einem Dutzend Leute seien involviert. «Wir ermitteln in alle Richtungen.» Dabei greift die Luzerner Polizei auch auf die Unterstützung aus andern Kantonen zurück. Sogar international tausche man sich über den Fall aus, sagt Graf zur Arbeit der Ermittler. «Es gibt eine enge Zusammenarbeit zwischen Strafuntersuchung, Polizei und Experten», so Graf. Externe Fachspezialisten etwa im Bereich der Informatik, der Spurensicherung oder der Rechtsmedizin seien in solchen Fällen unerlässlich. Aufwand und Kosten würden dabei keine gescheut, wie Graf auf Nachfrage klar stellt. «Die Luzerner Polizei hat sich bei schweren Delikten das Ziel einer hundertprozentigen Aufklärungsquote gesetzt.»

Lesen Sie auch: Am 22. August findet eine Solidaritätsvelofahrt zugunsten des Opfers statt.

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3 Kommentare
  1. Pascal Imbach, 17.08.2015, 16:57 Uhr

    Werter Herr Hug. Wenn Sie sich die Mühe nehmen, werden Sie feststellen, dass ich schon viele Beiträge von Zentral+ geliked, geteilt und positiv kommentiert habe. Ich bin wahrlich kein „Zentralplus-Basher“, das werden Ihnen insbesondere diejenigen ihrer Mitarbeiter bestätigen können, die mich persönlich kennen (es sind übrigens ziemlich viele mit NLZ-Vergangenheit – aber das wissen Sie ja selber). Ich glaube, es sollte möglich sein, etwas nicht nur im Positiven, sondern auch im Negativen mal mit einer spitzen Feder und etwas Ironie kommentieren zu dürfen. Vor allem, wenn es begründet ist – und das ist es. Mit der Netiquette hat das insofern nichts zu tun, als dass ich nicht im Geringsten dagegen verstosse mit meinem Beitrag. Macht sich als Begründung aber natürlich gut.

  2. Pascal Imbach, 17.08.2015, 14:59 Uhr

    Nachdem ich mich auf der Facebookseite von Zentralplus kritisch über diesen Beitrag geäussert habe, wurde mein Kommentar kurz darauf gelöscht. Seither bin ich auf der FB-Seite blockiert, kann also weder diesen, noch fortan irgendwelche weiteren Beiträge liken oder kommentieren. Ich stehe zu meiner Meinung: Den Artikel zu Emmen finde ich nach wie vor missglückt – insbesondere aus Sicht eines Journalisten, der das Handwerk (und auch diesen konkreten Fall) bestens kennt. Was ich allerdings schlimmer finde, ist, dass Zentralplus unverblümt Zensur betreibt. Genau jenes Portal also, das kaum eine Gelegenheit auslässt um auf andere etablierte Medien (insbesondere die Luzerner Zeitung) zu schiessen. Jenes Portal, das sich laut eigenem Anspruch der Meinungsvielfalt und dem Communitiy-Gedanken verschrieben hat… Wie war das mit dem Wasser und dem Wein? Das ist schwach, Zentralplus. Und ganz schwach, Christian Hug. Als Chef eines Online-Mediums sollte man über den Dingen stehen. Auch wenn sie vielleicht mal negativ beurteilt werden. #zensur #zentralplus #luzern #emmen

    1. Redaktion Christian Hug, 17.08.2015, 16:29 Uhr

      Wir schätzen den Austausch mit unseren Lesern und nehmen sachliche Kritik sehr ernst. Gleiches gilt für andere Meinungen, die wir respektieren. Dies belegt zentral+ in der täglichen Arbeit zur Genüge. Unnötig finden wir jedoch spöttische Kommentare von redaktionellen Mitarbeitenden der Neuen Luzerner Zeitung auf unseren Seiten. Dies nicht zu dulden liegt sicherlich im Interesse beider Medien und hat meines Erachtens nichts mit Zensur zu tun.
      Gerade weil wir uns der Meinungsvielfalt verschrieben haben, ist es uns wichtig, dass die Beiträge unserer Community gewissen Regeln genügen. Ich lade Sie gerne ein, sich hier so zu äussern, wie dies auch in unserer Netiquette vorgesehen ist. Dann freuen wir uns auch weiterhin über Ihre (kritischen) Beiträge.

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