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Gegner zerzausen die Luzerner Metro-Idee
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Zerlegen die Metro in ihre Einzelteile: Vertreter des Nein-Kommitees. (Bild: zvg)

Illusorisch, zu teuer und nur für Touristen Gegner zerzausen die Luzerner Metro-Idee

3 min Lesezeit 5 Kommentare 16.01.2020, 17:23 Uhr

Das Komitee «Nein zur Metro-Initiative», bestehend aus SP, Grünen, CVP, VCS startete am Donnerstag so richtig in den Abstimmungskampf. Zu teuer, isoliert und unrealistisch und nur für Touristinnen und Autofahrer sei das Projekt gedacht, so die wenig zimperliche Kritik.

«Die eigentliche Forderung der Metro-Initiative besteht aus einer zwei Kilometer kurzen Verbindung von Ibach zum Schwanenplatz. Diese ist völlig losgelöst von allen anderen Linien des öffentlichen Verkehrs», schreiben die Gegner in einer Mitteilung. Die U-Bahn diene einzig dem Transport der Touristinnen und allfälligen Autofahrern, die von der Autobahn mit der Metro in der Altstadt Luzern einkaufen gehen.

Martin Abele, Parteipräsident der Grünen Stadt Luzern, spricht denn auch von einem Etikettenschwindel: «Das ist keine Metro, sondern ein Shuttle für Cartouristen», sagt er. Die so genannte Metro ist kein ÖV-Projekt und sie ist in kein Gesamtkonzept eingebunden. Abele bezeichnet das Projekt zudem als unökologisch, weil mit dem geplanten Parkhaus für 2500 Autos der motorisierte Verkehr gefördert wird, was der Klimapolitik der Stadt Luzern völlig zuwiderlaufe.

Fehlende Einbindung in ein Gesamtverkehrskonzept

«Die fehlende Einbindung in ein grösseres öV-Netz haben auch die Initianten mittlerweile als Mangel erkannt», schreiben die Metro-Gegner. «Sie haben flugs das Netz erweitert und weitere Linien durch die Agglomeration gezogen.» Michael Töngi, Präsident des VCS Luzern, kritisiert diese Szenarien: «Die grossmundig versprochenen weiteren Metro-Linien sind bloss eine Skizze. Es bestehen grosse Zweifel, ob die gewünschte Weiter­führung möglich ist.»

Metro gefährdet Planungen für den Durchgangsbahnhof

Die Planungen für eine Verbindung von Ibach zum Schwanenplatz würden zudem grosse Ressourcen der Stadt binden, die anderswo fehlen. Gemäss Yannick Gauch, Grossstadtrat der SP, gefährdet dies andere, wichtige Projekte: Viele bereits gestartete Prozesse müssten zurückgestellt werden.

«Wir sind überzeugt, dass die Bevölkerung nicht bereit ist, noch Jahrzehnte zu warten, bis der Anschluss zum Spital verbessert ist und bis andere dringend nötige Verkehrsprobleme gelöst sind. Insbesondere darf die Umsetzung des Tiefbahnhofs nicht gefährdet werden, der einen Quantensprung für das ÖV-System in der Agglomeration Luzern bringt», so der Tenor der Gegner.

Unrealistischer Zeitplan

Auch am vorgesehenen Zeitplan lassen sie kein gutes Haar. Denn laut Zeitplan der Initianten für die erste Etappe würde es nur sechs Jahre dauern, bis die Metro gebaut wird. Für Peter Gmür, Grossstadtrat der CVP, ist dies illusorisch: «Wie die Erfahrung bei vergleichbaren Projekten zeigt, dauert eine seriöse Machbarkeitsstudie allein schon mehrere Jahre. Bis ein Projekt baureif wäre, müssten auch noch geologische Abklärungen und Verhandlungen mit Landbesitzern durchgeführt werden.

Ein Baustart wäre somit frühestens im Jahr 2030 realistisch und würde dann zeitgleich mit dem Durchgangsbahnhof erfolgen.“ Es sei undenkbar, dass in der Stadt Luzern gleich zwei Verkehrs-Grossbaustellen gleichzeitig in Angriff genommen werden. «Der Durchgangsbahnhof darf nicht konkurrenziert werden,» sagen die Gegner der Initiative unisono.

Bis zu einer Milliarde Kosten

Ein grosser Kritikpunkt sind auch die erwarteten Kosten. Die Initianten geben die Kosten für die erste Etappe mit 400 Millionen Franken. an. Wie Erfahrungen aus anderen vergleichbaren Projekten zeigen, sei bei einer seriösen Planung jedoch von Kosten von mindestens 800 Millionen auszugehen, wobei die Kosten für notwendige Landkäufe sowie anschliessende Betriebskosten noch nicht einberechnet seien, so das Nein-Kommitee.

«Es macht keinen Sinn, Planungen für ein derart teures, unrealistisches und isoliertes Projekt aufzunehmen, das keine Lösung für aktuelle Probleme bietet.»

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5 Kommentare
  1. Beat Murer, 22.01.2020, 16:13 Uhr

    Utopie Metro in Ehren, aber Schildbürgerstreich NEIN

    Da wird das Pferd wirklich am Schwanz aufgezäumt. Es ist nicht einzusehen, warum eine verkehrspolitisch und finanziell völlig fragwürdige Metro das Carproblem am Schwanenplatz lösen sollte. Wegen ein paar Geschäften im Bereich des Schwanenplatzes, welche in erster Linie von Einkaufstouristen aus Fernost frequentiert werden, sollen x-Millionen in Planung, Bau und Betrieb einer Mini-Métro investiert werden. Warum haben die einschlägigen Geschäfte nicht längst ihren Geschäfts-Standort an verkehrsgünstiger Lage ausserhalb der Stadt Luzern in Nähe eines Autobahnschlusses zum Beispiel in einem Hochhaus mit Rundsicht als „House of Swiss Souvenirs“ realisiert?
    Ein Metro-Torso von der Reussegg zum Schwanenplatz wäre völlig abseits der innerstädtischen Verkehrsbedürfnisse der einheimischen Bevölkerung. Wenn schon nachhaltig investiert werden soll, dann wäre wie durch den VBL-Direktor propagiert, ein Bus- und Carterminal über den Geleisen des Bahnhofs Luzern, realistischer. Wer schon die verschiedenen Metros bzw. U-Bahnen in den Grossstädten Europas kennen gelernt hat, sollte sich eigentlich bewusst sein, dass eine Metro nur mit grossen Benützungsfrequenzen überhaupt Sinn macht. Selbst in der Stadt Zürich wurde in den 60-Jahren die Erschliessung des Flughafens Zürichs durch eine U-Bahn durch die Stimmenden abgelehnt und später dieser in die Ost-West Transversale der SBB eingebunden. Inzwischen wurde der Flughafen Zürich auch noch durch eine neue Tramlinie erschlossen.

    Auch der Vergleich mit Lausanne zur Propagierung einer Luzerner Métro ist äusserst fragwürdig, weist doch die U-Bahn Lausanne 14 Stationen auf und ist voll ins ÖV-Netz eingebunden inkl. u.a. Lausanne-Gare (SBB) und Ouchy (CNG-Schifffahrt).

    Die am bevorstehenden Urnengang vom 9. Februar 2020 abstimmenden Stadtluzernerinnen und -Luzerner werden hoffentlich mit einem klaren Nein zur Metro-Initiative den Weg für zeitnahe realistische und wirtschaftlich verantwortbare Verkehrslösungen und Tourismuskonzepte ebnen.

    Beat Murer, ehem. Grossstadtrat Luzern

  2. Pia Maria Brugger Kalfidis, 19.01.2020, 15:15 Uhr

    Verschiedene Systeme sollen zusammen ein sinnvolles Ganzes ergeben. Deshalb ist die Diskussion, was ÖV ist und was nicht, zurzeit nicht zielführend. Möglich ist vieles, auch bei der Weiterentwicklung und Koordination mit dem heutigen ÖV-System. Der Stadtrat hat bei der Car-Parkierung bisher keine vernünftige Idee präsentiert, wie man diese aus der Stadt hinaus bringt und trotzdem touristenfreundlich organisiert ist. Oder sind die Metro-Gegner tatsächlich der Meinung, dass es funktioniert, wenn man die Cars ins Gebiet Hinterschlund in Kriens abstellen lässt? Diese Idee scheint mir wirklich sehr abstrus zu sein. Mir gefällt an der Metro-Lösung, dass neben der Car-Parkierung zugleich auch eine effiziente Erschliessung des Spitals möglich ist. Die Metro-Idee soll deshalb vertieft geprüft werden und ich stimme JA zur Initiative!

  3. Marcel Sigrist, 17.01.2020, 17:07 Uhr

    Bevor Sie Herr Ram Dass Christof Dörig so einen Schmarren vorwerfen, empfehle ich Ihnen, sich einmal in Lausanne umzuschauen. Da gibt es bereits 2 Metrolinien und eine Dritte wird bald auch soweit sein. Und in Lausanne ist die Agglomeration nur etwas grösser als in Luzern, aber noch lange keine Grossstadt. Eine Metro muss auch nicht über das ganze Netz im Untergrund verlaufen. Sie darf sich zwischendurch auch an der Oberfläche bewegen. Die Stadt Luzern braucht Lösungen. Wir warten schon zu lange darauf.

  4. Dörig Christof, 16.01.2020, 20:15 Uhr

    Was die Gegner der Metro Luzern gegen dieselbe vorbringen, ist völliger Unsinn. Selbstverständlich ist die Metro ein ÖV-Projekt. Dass die erste Etappe dieses Zukunft gerichteten Verkehrssystems auch ein Parkhaus erschliesst beweist ja gerade das Gegenteil von dem, was die Kritiker behaupten. Ein ja zur Metro Luzern ist daher ganz klar ein Bekenntnis zu einer lebenswerten Zukunft für Luzern.

    1. Ram Dass, 17.01.2020, 13:06 Uhr

      So ein Schmarrn Herr Dörig. Nennen Sie eine Stadt, in der eine Metro im Untertagebau realisiert wurde in den letzten 50 Jahren! Das ist schlicht nicht finanzierbar. Das Kosten-/Nutzenverhältnis ist mit desolat unterirdisch (passt ja bestens zum Thema!) noch nett bezeichnet. Zudem: Private können die Metro ja bauen und betreiben – da sähen wohl wenige Stimmbürger ein Problem. Geld vom Staat für dieses Projekt können Sie jedenfalls vergessen.