«Gegner haben keine Argumente»

4 min Lesezeit 04.05.2015, 16:07 Uhr

Die Kostenvergleiche von Rolf Köpke zum Stadttunnel seien fehlerhaft, kritisiert Henry Bachmann in seinem Leserbrief. Der von Köpke gemachte Vergleich habe daher keinerlei Aussagekraft und sei lediglich ein Versuch, unter dem Deckmantel der Kosten wichtige Investitionen für die kommenden Generationen das Zentrum plus zu verhindern.

Leserbrief von Henry Bachmann:

Auf seiner Website zum Stadttunnel (www.j-a-zuger-tunnel.ch) vergleicht Herr Köpke die Kosten von Tunnels und ermittelt den absoluten Kilometer- Preis. Nebstdem, dass seine Zahlen grossen Erklärungsbedarf benötigen, hat er bei seinen Überlegungen einige wichtige Parameter unterschlagen wie: die Grösse des Tunnelquerschnittes und die Länge, die Geologie und somit die Art des Vortriebes des Tunnels! Der von ihm gemachte Vergleich ist daher in keiner Weise relevant und hat keinerlei Aussagekraft!

Ein weiterer grosser Fehler in seinen Gedanken ist der reine Vergleich mit den Tunnelkosten. Der Stadttunnel, sprich Zentrum Zug ist ein Gesamtprojekt. Die Kosten einer Umfahrung von Punkt A nach B, beinhalten neben Tunnels, Brücken und anderen Kunstbauten noch Trassees und Anpassungen an die bestehenden Strassen, wie die von ihm erwähnten Umfahrungen Klosters, Saas und Küblis im Prättigau. Die Kosten der drei Projekte sind unterschiedlich, was bei den ungleichen Bauten auch verständlich ist.

Bei den fragwürdigen Vergleichszahlen von Herr Köpke kosten alle Tunnels aber gleich viel und seltsamer Weise auch die Tunnels der Brünigstrasse, nämlich 67 Mio./km Tunnel. Sie können es selber verifizieren am Beispiel des Umfahrung Giswil. Die Zahlen des Kantons Obwalden sind sehr übersichtlich und transparent dargestellt.

Ein weiterer grober Fehler in seinen Vergleichen ist der fehlende Zeitraum der Ausführung. Die Bauzeit für die Entlastung der drei Dörfer im Prättigau wird nach Bauende 19 Jahre in Anspruch genommen haben. Wenn Tunnels in den Jahren 1997 bis 2016 gebaut werden, ist der Unterschied der Kostenstruktur für die Bauausführung je nach Teuerung beträchtlich. Auch die Auslastung der Bauindustrie spielt dabei eine wesentliche Rolle. Diese Tatsachen fehlen in seinen Überlegungen komplett.

Was aber bestimmt gesagt und verglichen werden darf ist die Frage, was leistet ein Verkehrssystem für ein Dorf, eine Stadt und somit für deren Bewohner und wie viele Fahrten durch die Strassen dieser Stadt und der damit verbundenen Emissionen damit verhindert werden können.
Ja, und auf diese Frage ist der Nutzen des Stadttunnels im Vergleich zur Brünigstrasse, welche mit einem vergleichbar niedrigen Verkehrsaufkommen als Romanticroute bezeichnet werden darf, viel besser!

Der Vergleich zum Axentunnel ist ähnlich. Weshalb für den projektierten, bewilligten und zur Ausführung bereiten Tunnel fast eine Milliarde ausgegeben werden soll, ist störend, insbesondere weil es diese Strasse bereits gibt! Beide Strassen haben ihre Wichtigkeit als Transitaxen längst verloren.

Selbst der Nutzungsvergleich des Stadttunnels mit den Verkehrsentlastungen im Prättigau braucht sich nicht zu scheuen. Die Kosten belaufen sich nach Fertigstellung gemäss Kanton Graubünden insgesamt 818 Millionen, übrigens 182 Millionen weniger als vorgesehen. Die Wirkung der Umfahrungen Klosters, Küblis und Saas, welche den Durchgangsverkehr durch diese Dörfer für insgesamt ca. 5‘500 Menschen verhindert, um die Touristen während der Saison nach Davos oder ins Unterengadin zu bringen, ist 4.91-mal weniger gut als der Stadttunnel.

Die früheren Belastungen dieser Dörfer in den Spitzentagen (für Küblis erst ab 2016) betrugen 14’000 Fahrzeuge/Tag. Zum Vergleich die heutigen durchschnittlichen Belastungen betragen für die Grabenstrasse 15‘000 und für die enge Neugasse 18’000 Fahrzeuge/Tag. Was wird diesen Bewohnern und Läden von den Gegnern zugemutet. Durch den Stadttunnel werden täglich 84‘000 Fahrten von der Oberfläche im Kern der Stadt Zug genommen. Die Wirkung des Zuger Stadttunnels ist einfach super. Die Stadt bekommt endlich ein freundliches Zentrum und diese Tatsache kann von den Gegnern nicht widerlegt werden!

Wir können nicht bis in Ewigkeit warten und denken, der Verkehr lasse sich in Zukunft mit Vernunft und geeigneten Massnahmen verhindern. Wer am letzten Freitagabend in der Stadt unterwegs war konnte sich von der Dringlichkeit des Stadttunnels überzeugen. Die Gegner des Projektes können keine konkreten Vorschläge zur Verbesserung der Situation in der Stadt Zug machen, die gesetzeskonform, realistisch, umsetzbar und auch mehrheitsfähig sind. Sie versuchen unter dem Deckmantel der Kosten, wichtigeren Investitionen und den anfallenden Belastungen für die kommenden Generationen unser Zentrum plus zu verhindern.

Durchschauen sie die Vorgehensweise der Gegner. Argumente haben sie keine, aber sie behaupten viel und wenn das Behauptete hinterfragt und analysiert wird, fällt es in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Henry Bachmann, Dipl. Bauingenieur HTL

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

War dieser Artikel nützlich für Dich?
Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Wie viel ist Dir unabhängiger Journalismus wert?

Schön besuchst Du zentralplus. Für Dich gehen wir vor Ort, sind mitten drin und nahe dran. Doch ganz gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Um die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben, benötigen wir Deine Unterstützung. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

Schön besuchst Du zentralplus. Du verwendest einen Adblocker. Werbung ist für eine wichtige Einnahmequelle, die uns hilft, die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben. Denn gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

CHF