Gemäss einer Studie jagen Schweizer Katzen in den Frühlingsmonaten zwischen 1,2 und 2,4 Millionen Säugetiere.
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Gemäss einer Studie jagen Schweizer Katzen in den Frühlingsmonaten zwischen 1,2 und 2,4 Millionen Säugetiere. (Bild: Unsplash/@szamanm)

Stadtrat schiebt Verantwortung auf Bund Gefährdete Eidechsen in Luzern: Sind Katzen schuld?

3 min Lesezeit 21.10.2021, 16:00 Uhr

Hauskatzen treiben lokale Kleintierpopulationen immer mehr an den Rand des Aussterbens, befürchten zwei Luzerner Politiker. Sie haben deshalb den Stadtrat per Interpellation gebeten, diese Vermutung zu überprüfen. Und allenfalls Massnahmen wie eine Chippflicht zu erwägen.

Katzen sind neben Hunden die wohl beliebtesten Gefährten der Luzernerinnen. Während einige der Vierbeiner nie das Haus des Herrchens verlassen, wandern andere frei in der Umgebung herum. Dabei bedrohen sie die lokale Artenvielfalt, wie die zwei Interpellanten Lukas Bäurle der Grünen und Michael Zeier-Rast der Mitte vermuten.

Mittels Interpellation möchten die beiden Grosstadträte die negativen Auswirkungen der felinen Kumpanen auf die Luzerner Biodiversität beziffern. Weiter schlagen sie Ansätze vor, um dagegen vorzugehen.

Genaue Zahlen sind nicht vorhanden

Früh in der Antwort des Luzerner Stadtrats wird klar: Eine genaue Bezifferung sowohl der Katzenpopulation als auch der Auswirkungen deren Jagdtriebs ist kaum möglich. Im Gegensatz zu Hundehalterinnen müssen Katzen-Besitzer ihre Lieblinge weder chippen noch registrieren. Der Stadtrat erachte jedoch die von den Interpellanten geschätzten rund 16’000 Katzen für die Stadt Luzern als realistisch, wie er schreibt.

Auch die Anzahl getöteter Kleintiere kann die Luzerner Regierung nicht bestimmen. Deshalb bezieht man sich auf zwei Studien, um sich dem Wert anzunähern. Vor zehn Jahren hat beispielsweise die unabhängige Forschungs- und Beratungsgemeinschaft Swild eine Schätzung dazu abgegeben: Schweizweit würden pro Frühlingsmonat zwischen 1,2 und 2,4 Millionen Säugetiere und 0,1 bis 0,3 Millionen Vögel von Katzen gefangen werden. Eine Studie aus den USA hat zudem gezeigt, dass verwilderte Hauskatzen rund zehnmal mehr Kleintiere erbeuten als normale Hauskatzen.

Lokal geschützte Arten gefährdet

Dabei jagen Katzen auch gefährdete oder geschützte Arten. Als Beispiel nennt die Stadt Luzern folgende Arten: «Zauneidechse, Ringelnatter, Zwergmaus, Geldhalsmaus, Haselmaus, Eichhörnchen, Felshase und alle kleineren Singvögel.» Teilweise können Katzen gar «zum lokalen Aussterben von Reptilien- und Vogelarten beitragen können», wie der Stadtrat schreibt. Ein direkter Zusammenhang ist jedoch bisher nicht wissenschaftlich belegt worden.

Trotzdem scheint beispielsweise die lokale Eidechsenpopulation unter den flauschigen Haustieren zu leiden. Der Luzerner Stadtrat bestätigt, was zentralplus-Leser «Rudolf 1» im Vorgänger-Artikel dazu vermutet hat (zentralplus berichtete): «Es ist beispielsweise davon auszugehen, dass der Einfluss von Hauskatzen ein entscheidender Faktor für den Rückgang der Zauneidechse aus vielen Teilen des Stadtgebietes ist», so die Stadt. Auf der Allmend könne beispielsweise beobachtet werden, dass Katzen gezielt vor Strukturen zur Reptilienförderung auf der Lauer liegen.

Weiter scheinen Hauskatzen auch in Naturschutzgebieten der Jagd nachzugehen. Schutzgebietsbetreuerinnen (beispielsweise der Allmend, Wauwilermoos und Eschenbacher Moos) würden eine permanente Präsenz von Katzen beobachten.

Stadt begrüsst Massnahmen, verweist aber auf Bund

Bezüglich Empfehlungen für Katzenhalter verweist die Stadt auf die Massnahmenempfehlungen von Natur- und Umweltschutzorganisationen wie BirdLife Schweiz und Forschungseinrichtungen wie der Vogelwarte Sempach. Für den Schutz bedrohter Arten setze der Luzerner Stadtrat zudem gezielte Massnahmen zur Förderung der betroffenen Arten um.

Zur Ergänzung schlägt die Stadt Sensibilisierungs- und Informationskampagnen im näheren Umfeld von Naturschutzgebieten vor. Weiter wäre es gesetzlich im Kanton Luzern möglich, im Wald herumstreunende Katzen als Schutzmassnahme abzuschiessen.

Für die von den Interpellanten vorgeschlagene Kastrations- oder Registrierungspflicht sieht der Luzerner Stadtrat die Pflicht eher auf Bundesebene. Die Einführung der Registrierpflicht würde die Stadt zwar begrüssen, da damit Katzenhalterinnen gezielter informiert werden können. Jedoch nicht auf städtischer Ebene. Auch die Kastrationspflicht wäre «sinnvollerweise auf Bundesebene anzusiedeln».

Da hat das Anliegen jedoch einen schweren Stand. Fast vor einem Jahr, am 29. Oktober 2020, hat der Nationalrat eine entsprechende Motion mit 151 zu 19 Stimmen abgelehnt. Begründet wurde der Entscheid unter anderem damit, dass das Problem mit streunenden Hauskatzen dadurch nicht gelöst werde.

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