Gebühren für die Velostation: Darum sollte Luzern zuwarten
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So soll die Zufahrt zur geplanten Velostation unter der Bahnhofstrasse aussehen. (Bild: Visualisierung zvg)

Nach Preissturz in Zürich Gebühren für die Velostation: Darum sollte Luzern zuwarten

3 min Lesezeit 8 Kommentare 15.03.2021, 05:03 Uhr

In Luzern steht eine Bewirtschaftung der künftigen Velostation unter der Bahnhofstrasse zur Diskussion. In Zürich ist das bereits Realität. Realität ist aber auch, dass die Preise dort nun massiv gesenkt werden – um die Velofahrer endlich in die Stationen zu locken.

In vier Jahren soll unter der Bahnhofstrasse in Luzern eine Velostation mit bis zu 1300 Abstellplätzen eröffnet werden. Bei Baukosten von rund 17 Millionen Franken macht das rund 13’000 Franken pro Abstellplatz. Deshalb fordern GLP und CVP vom Stadtrat, dass für die neue Velostation ein Bewirtschaftungsmodell eingeführt werden soll. Sprich: Velofahrer sollen für einen Parkplatz zahlen. (zentralplus berichtete)

Die Forderung ist angesichts der hohen Investitionskosten nachvollziehbar. Der Blick in andere Städte, insbesondere nach Zürich, zeigt aber auch, dass dieser Schuss nach hinten losgehen kann.

Zürich senkt Abos auf 50 Franken

Die Luzerner Grossstadträte verbinden ihre Forderung einer Bewirtschaftung mit konkreten Beispielen, wie diese aussehen könnten. Sie beziehen sich dabei auf die Spannweiten aus anderen Schweizer Städten. So soll der Einzeleintritt zwischen ein und zwei Franken kosten, das Monatsabo bis zu 20 Franken und das Jahresabo zwischen 60 und 150 Franken.

Die Stadt Zürich verfügt aktuell über vier städtische Abstellanlagen. Eine fünfte Anlage soll bis 2024 realisiert werden. Insgesamt bieten diese Velostationen 2720 Abstellplätze, 1600 davon befinden sich alleine in der Station Europaplatz beim Hauptbahnhof. Das Jahresabo kostet dort 120 Franken.

Das soll sich nun aber radikal ändern. Wie das Magazin «Mobimag» berichtet, plant die Stadt, die Abopreise zu vereinheitlichen und auf gerade noch 50 Franken pro Jahr zu senken. Einzeleintritte (für 24 Stunden) sollen zwei Franken kosten, 10er-Abos 10 Franken, Quartalsabos 25 Franken. Die neuen Preise sollen ab 2023 gelten.

Schlechte Auslastung trotz Preissenkung

Der Grund für diese Senkung ist hinlänglich bekannt. Insbesondere die Velostation am Europaplatz ist seit ihrer Eröffnung vor dreieinhalb Jahren nur schlecht ausgelastet. Erst letztes Jahr wurde der Preis fürs Jahresabo von 180 auf 120 gesenkt.

Offensichtlich ist aber eine dramatischere Senkung notwendig, um die unterirdische Anlage den Velofahrerinnen endlich schmackhaft zu machen. Aktuell nimmt man jedenfalls immer noch lieber die verstopften oberirdischen Abstellplätze in Kauf.

Auf die notorisch tiefe Auslastung in Zürich nahm der Luzerner Stadtrat denn auch schon in der Vergangenheit Bezug. Das Beispiel der Velostation beim Zürcher Europaplatz zeige, dass die Bewirtschaftung von Veloabstellplätzen in der Praxis zu Leerständen in der Station führen könne. Dies ist seiner Stellungnahme auf ein Postulat der CVP zu entnehmen, die im Grossen Stadtrat im Sommer 2020 behandelt und abgelehnt wurde (zentralplus berichtete).

Warten, bis die Station gefüllt ist

Der Stadtrat wollte das genannte Postulat eigentlich entgegennehmen und bot an, ein Betriebskonzept ausarbeiten (zentralplus berichtete). Die Grundstrategie dieses Betriebskonzepts verriet der Stadtrat bei dieser Gelegenheit bereits: Eine Bewirtschaftung soll erst dann diskutiert werden, wenn das Gewohnheitstier Mensch die neue Velostation für sich entdeckt und sich an deren Annehmlichkeiten gewöhnt hat.

In den Worten des Stadtrats klingt das dann so: «Um zu erreichen, dass die Velos nicht an der Oberfläche parkiert werden, sondern in der Velostation, sollen die Parkplätze in der Velostation vorerst wie die Oberflächenparkplätze auf öffentlichem Grund gratis zur Verfügung stehen», so der Stadtrat. Und weiter: «Erst wenn sich die Velostationen gefüllt und sich die Abstellplätze etabliert haben, soll die Bewirtschaftung der sehr zentral gelegenen Parkplätze ins Auge gefasst werden.»

Nun also kommt die Forderung einer Bewirtschaftung der Velostation wieder aufs politische Parkett. Angesichts der neusten Entwicklung im urbanen Zürich ist der Luzerner Stadtrat gut beraten, an dieser Strategie festzuhalten.

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8 Kommentare
  1. Peter Estermann, 17.03.2021, 23:20 Uhr

    Wenn man alles was neu im Zürcher 50 Fr Abo inbegriffen ist; Stand Januar 2019 zusammenzählt, wurden die Gebühren innerhalb 2 Jahren um mehr als den Faktor 4 reduziert.
    Die Kosten müssen wohl aus dem Topf der motorisierten Verkehrsteilnehmer getragen werden.
    Die grünen Mitbürger möchten alles haben, aber bitte Gratis.
    Aber das Bike kann nicht teuer genug sein.

  2. eine Stadtluzernerin, 16.03.2021, 16:59 Uhr

    Jede/r Velofahrer/In macht was für die Umwelt und für seine Gesundheit. Ein Velo stinkt und lärmt nicht und braucht weniger als 10% Parkfläche als die Autos.
    Frauen ängstigen sich in unterirdischen Gängen, der Tunnel ist somit total Frauenfeindlich.
    Die Stadt weiss wohl nichts Besseres als das Steuergeld für so ein (verpisstes) 17 Millionen Rattenloch zu verschleudern.

  3. Stefan Ernst, 15.03.2021, 10:41 Uhr

    Ein weiteres – völlig vorhersehbares – Millionengrab der Stadtregierung.

  4. Stadt Luzerner, 15.03.2021, 10:39 Uhr

    Ich gehe fest davon aus, dass man ALLE oberirdischen Velo-Parkplätze um das Bahnhofsgebäude herum aufheben wird und so das Velochaos beseitigt, wenn man schon für 17 Mio. eine unterirdische Luxuslösung bauen will. Sorry, sonst verstehe ich die Welt nicht mehr……..

    1. Rolf Albisser, 15.03.2021, 12:09 Uhr

      Ja, davon sollte man ausgehen. Aber wenn man diese Linksgrüne Velofreunde-Regierung ansschaut, muss man dies bezweifeln.

  5. Tomi E, 15.03.2021, 08:46 Uhr

    Wenn die Polizei konsequent ein halbes Jahr die oberirdisch falschgeparkten Velos entfernen würde, wäre das Veloparkhaus sicher besser gefüllt. Aber klar, wenns vorm Bahnhof und näher am Perron auch gratis geht, wozu dann bezahlen.

  6. Peter Lehmann, 15.03.2021, 08:06 Uhr

    Mal eine rhetorische Frage an die Träumer der Stadt:
    Welches Angebot werde ich wohl eher nutzen: Parkplätze direkt beim Bahnhofsgebäude, oberirdisch gut einsehbar und gratis, aber halt oft gut gefüllt. Oder Parkplätze 150 bis 200 Meter vom relevanten Teil des Bahnhofs entfernt, unterirdisch nicht einsehbar und kostenpflichtig?

    Solange es Gratis-PP direkt beim Bahnhof gibt, wird eine solche Velostation ein Nischenprodukt bleiben und deshalb schlecht genutzt.

  7. toni r, 15.03.2021, 06:40 Uhr

    viel glück mit dieser velostation.
    goldene parplätze am falschen ort für unsere drahtesel.

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