Gastronomie
Wo es doch etwas zu essen gibt

Sonntags in Luzern: Darum bleiben viele Restaurants zu

Corinna und Ralf Thomas vom Restaurant «Reussbad chez Thomas» haben sonntags zu – aus gutem Grund. (Bild: Reussbad chez Thomas)

Im Sommer lockt das Wochenende viele Leute nach draussen. Eigentlich ein Garant für volle Restaurants und Gartenterrassen. Trotzdem haben viele Betriebe in Luzern Ruhetag. Warum? zentralplus hat Antworten.

Bei schönem Sommerwetter in einer Gartenwirtschaft oder auf einer hübschen Terrasse sitzen, ein kühles Bier trinken und mit Freunden plaudern. Für viele Luzernerinnen eine ideale Wochenendbeschäftigung. An Samstagen ist das auch kein Problem.

Wer allerdings am Sonntag einen gemütlichen Ausflug in eines der Luzerner Restaurants machen will, hat's schwerer. Viele Betriebe haben nämlich sonntags geschlossen. Und das, obwohl sich – besonders in den Sommermonaten – wahrscheinlich ziemlich viel Umsatz generieren liesse.

Wir haben uns durch zahlreiche Websites von hiesigen Restaurants geackert und mit einigen Stadtluzerner Gastronominnen über Öffnungszeiten und die Sommersituation gesprochen.

Die Lage in Luzern ist entscheidend

Wie uns mehrere angefragte Gastronomen sagen, ist unter anderem die Lage eines Betriebs relevant dafür, ob ein Sonntagsgeschäft Sinn macht oder nicht. «An Sonntagen sind Gartenwirtschaften mit Aussicht auf See, Fluss und Berge am beliebtesten», schreibt Mario Kastner. Er ist Betriebsleiter des «Gartenhaus 1313», das etwas versteckt an der Lindenstrasse zu finden ist und nicht mit solchen Ausblicken punkten kann. Dafür aber mit einer grünen Gartenlaube, die viel Siesta-Feeling verbreitet.

Gemäss Kastner ist die Aussenfläche ein Erfolgsfaktor: «Der gastronomische Aussenbereich ist während der Sommermonate enorm wichtig.» Am Mittag möchten die Gäste ihre Mittagszeit gerne in der Gartenwirtschaft verbringen, bevor sie wieder in ihre Büros zurückmüssen. Und Abends bietet die Laube auch bei drückenden Temperaturen eine angenehme Atmosphäre im Grünen.

Mario Kastner, Betriebsleiter des Gartenhaus 1313 im Aussenbereich des Lokals. (Bild: zvg / Gartenhaus 1313)

Und warum bleibt am Sonntag im «Gartenhaus 1313» die Küche kalt, die nach einer Konzeptumstellung den Fokus auf frisches Gemüse und Kräuter legt? «Wir gönnen unseren Mitarbeitern den freien Sonntag», sagt Kastner. Und spricht damit einen Punkt an, den wir im weiteren Verlauf der Recherche immer wieder zu hören bekommen.

Familienzeit für die Angestellten

«Es ist attraktiver für Arbeitnehmer, wenn man ihnen einen freien Sonntag anbieten kann», sagt Hans Gertsch. Er führt zusammen mit Paolo Toniolatti die «Reussfähre». «Die Arbeitszeiten in der Gastronomie sind sonst schon schwierig genug.» Ausserdem würde ein Sechstage-Betrieb bedeuten, zusätzliches Personal einstellen zu müssen, was eine Kostenfrage ist – und beim gegenwärtigen Personalmangel ein zusätzliches Problem darstellt (zentralplus berichtete).

Ein weiterer entscheidender Faktor in der Sonntags-Frage ist das Wetter. Besonders bei unstetem Sommerwetter, wie es die Schweiz zu bieten hat, kann ein zusätzlicher Tag ein finanzielles Risiko darstellen. «An schönen Tagen hätten wir an Sonntagen das Haus sicher voll. Wenn es aber regnet, käme wohl niemand», ist Gertsch überzeugt. 

Auf seine Pergola und die Aussenbestuhlung direkt an der Reuss kann der Reussfähre-Wirt nicht verzichten. Immerhin bescheren sie ihm 95 zusätzliche Sitzplätze. «Ohne sie würden wir nicht überleben.» An den Sonntagen zu öffnen hat sich Hans Gertsch zwar auch schon überlegt, umsetzen wird er es aber in der kommenden Zeit nicht.

In den Sommermonaten heiss begehrt: Aussenplätze beim Restaurant Reussfähre.
In den Sommermonaten heiss begehrt: Aussenplätze beim Restaurant Reussfähre. (Bild: zvg)

Ähnliche Beweggründe nennt uns Corinna Thomas vom Restaurant «Reussbad chez Thomas», das sie zusammen mit ihrem Mann Ralf führt (hier geht's zum zentralplus-Restaurant-Test): «Mit einem fixen Freitag können die Angestellten besser planen», sagt sie. «Und mit einem freien Sonntag haben sie auch die Möglichkeit, Zeit mit der Familie zu verbringen.»

Das Lokal, das sich neben dem Nölliturm an der Brüggligasse befindet, hat einen gemütlichen Aussenbereich mit Kiesboden und viel Grün und Aussicht auf die Reuss. Freitag und Samstag seien die beiden einträglichsten Tage. Corinna Thomas geht jedoch davon aus, dass ihnen ein Sonntagsgeschäft nur wenig nützen würde. «Am Sonntag ist selbst die Altstadt wie ausgestorben», sagt sie. «Die Leute würden wohl kaum den Weg zu uns finden.»

Zwischen Corona-Kater und Ukraine-Krieg

Aber wie läuft der Sommer nach dem Corona-Hammer der vergangenen Jahre generell für die Restaurants? Die krisengebeutelte Branche hat sich den Umständen entsprechend ein wenig erholt. «Wir hatten einen guten Mai und Juni», sagt Hans Gertsch von der «Reussfähre». «Natürlich gab es wetterbedingt Absagen, aber beide Monate waren besser als im Vorjahr.» Und wenn das Wetter mitspiele, so Gertsch, seien sie von Mittwoch bis Samstag eigentlich durchgehend ausgebucht.

Beim «Reussbad chez Thomas» ist hingegen ein Besucherrückgang spürbar: «Wir merken, dass die Leute sparen möchten.» Corona und der gegenwärtige Krieg in der Ukraine sorge für viel Unsicherheit bei der Bevölkerung. Mit der grundlegenden Situation habe man sich aber nach zwei Pandemiejahren mit zahlreichen Einschränkungen arrangiert – notgedrungen.

Gault-Millau-Küche unter freiem Himmel gibt's im «Reussbad chez Thomas». (Bild: Facebook / Reussbad chez Thomas)

Beim «Gartenhaus 1313» kehrt nach einer längeren Schliessung auch wieder Leben ein. «An den klassischen Wochenendtagen Freitag und Samstag läuft es sehr gut und unter der Woche sind die Gästezahlen steigend», sagt Betriebsleiter Mario Kastner. Derzeit wird rund um die Lindenstrasse fleissig gebaut und eine Begegnungszone mit mehr Grünflächen und Spielplatz realisiert. Das dürfte auch dem Restaurant zusätzliche Kundinnen bescheren.

Hier gibt's auch sonntags was zwischen die Zähne

Natürlich gibt es auch zahlreiche Betriebe, die am Sonntag geöffnet haben. Einer von ihnen ist das «Seehaus Grill» bei der Lidostrasse. Mit direktem Seeanschluss, der Nähe zur Badi und der Aussicht über See, Stadt und Berge ist das Grill-Restaurant eine beliebte Destination.

An den Wochenenden laufe es besonders gut – wenn das Wetter mitmache. «An Samstagen noch besser als an Sonntagen», sagt Gastgeberin Sarah Mächler gegenüber zentralplus. Dies, weil am Samstag auch abends viele Leute zum Essen kommen. Am Sonntagabend kommen die Gäste oft etwas früher. Wohl weil der Montag und damit die Arbeit bereits in greifbare Nähe rücken.

Hat über die Sommermonate auch sonntags offen: das Restaurant Seehaus Grill. (Bild: zvg / Seehaus Grill)

Das ganze Jahr hindurch hat aber auch das Restaurant «Seehaus Grill» sonntags nicht offen. Sobald der Sommer vorbei ist und die kühle Jahreszeit vor der Tür steht, verzichtet man auf den Sonntagsbetrieb.

Wer also am Sonntag stadtnah im Grünen etwas zu sich nehmen möchte, wird durchaus fündig. So empfängt so ziemlich jedes Lokal am Reussufer der Altstadt und am Mühlenplatz Gäste. Einige gar durchgehend oder bis Mitternacht. Auch beim Helvetiagärtli kann über das ganze Wochenende gegessen und getrunken werden. Beispielsweise in der frisch eröffneten Weinbar «Glou Glou» (zentralplus berichtete). Eine kleine Übersicht von offenen Lokalen findest du auf unserer Karte:

Haben wir ein Lokal vergessen? Schreib es uns unten in die Kommentare.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Hans Gertsch, Restaurant Reussfähre
  • Schriftlicher Austausch mit Mario Kastner, Betriebsleiter Gartenhaus 1313
  • Telefonat mit Corinna Thomas, Reussbad chez Thomas
  • Schriftlicher Austausch mit Sarah Mächler, Gastgeberin Seehaus Grill
  • Diverse Websites von Stadtluzerner Restaurants
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