Gastronomie
«Es stimmt so!»

So halten’s Luzerner Gäste mit Trinkgeld

Trinkgeld ist kein Muss und trotzdem vielerorts Standard. (Bild: cbu)

Nach dem Essen im Restaurant runden viele von uns den Betrag auf. Nette Geste oder Notwendigkeit? zentralplus wirft einen Blick darauf, wie es sich mit dem Geben von Trinkgeld in Luzern verhält.

«Das macht 42 Franke, bitte.» – «Mached Sie 45 drus.» Ein Wortwechsel wie dieser findet wohl täglich in zahlreichen Restaurants statt. Trinkgeld wird in der Schweiz immer wieder gegeben.

Es dient als Zeichen der Anerkennung oder einer besonders guten Bedienung. Obwohl das offiziell nicht nötig wäre. Denn in der Schweiz ist der Service im Restaurant seit 1974 in der Rechnung inbegriffen.

Der Lohn in der Branche steigt

Trotzdem sind die hiesigen Fachkräfte froh um den Zustupf. Dies besonders vor dem Hintergrund, dass die Löhne in der Gastronomiebranche als tief gelten. Gemäss einem Artikel im «Blick» sichert das Trinkgeld einigen Angestellten gar das Überleben, wie ein Barkeeper erzählt. Oder es ermöglicht einen Ferientrip.

Die Problematik mit dem niedrigen Lohn will die Gastro-Branche in den kommenden Jahren angehen und beheben (zentralplus berichtete). Eine weitere Besserung prognostiziert die ETH-Konjunkturforschungsstelle. Fürs nächste Jahr sollte die Branche einen Lohnanstieg von rund 4,4 Prozent verzeichnen. Ob das die Leute zurück ins Gastgewerbe locken wird, wird sich zeigen.

«Viele Mitarbeitende haben, trotz der willkommenen Kurzarbeitsentschädigung, die vielen Monate Lockdown finanziell noch nicht verkraftet.»

Thomas Tellenbach, Gastro Luzern

Für den Regionalverband Gastro Luzern sei die Frage nach dem Trinkgeld sehr situationsbedingt und von den einzelnen Mitarbeiterinnen und deren Leistungsbereitschaft abhängig. Man behandle das Thema mit äusserster Vorsicht, erklärt Thomas Tellenbach, Leiter Geschäftsstelle von Gastro Luzern auf Anfrage. Dies, weil man einzelne Aussagen nicht belegen könne.

Froh seien die Servicekräfte trotzdem um jeden zusätzlichen Franken. «Haben doch viele Mitarbeitende, trotz der willkommenen Kurzarbeitsentschädigung, die vielen Monate Lockdown finanziell noch nicht verkraftet», so Tellenbach.

Schweizweite Studie zeigt: Wir sind spendabel

Die Bank Cler hat im Juni dieses Jahres eine repräsentative Umfrage zum Thema gemacht. Dieser zufolge würden vor allem Personen über 65 Jahren regelmässig Trinkgeld geben. Und Frauen in der Tendenz etwas mehr als Männer.

Auch die Sprache spielt eine Rolle. So sind Deutschschweizer die spendableren Gäste als beispielsweise die Romands. Geht es um Trinkgeld in der Gastronomie, spielt der eigene Lohn kaum eine Rolle.

Denn selbst bei Personen mit einem Einkommen unter 5’000 Franken pro Monat sind über 90 Prozent der Gäste trinkgeldgebewillig. Bei den Bereichen Hotellerie, Kultur, Transport, Beauty und Wellness nimmt deren Bereitschaft verglichen mit höheren Lohnklassen hingegen deutlich ab.

Über alle Branchenfelder gesehen sind es lediglich 2 Prozent der Befragten, die konsequent darauf verzichten, ein Trinkgeld zu bezahlen. Ein gutes Zeichen also, dass in Restaurants und Bars künftig auch ein «Stimmt so» zu hören sein wird – sofern der Service denn stimmt.

Andere Länder, andere Sitten

Die Sache mit dem Trinkgeld ist komplex, da von Land zu Land unterschiedlich. Während Servicekräfte in den USA aufgrund ihres niedrigen Lohnes auf einen «Tip» angewiesen sind (meistens um die 15 bis 20 Prozent der Gesamtrechnung), gilt ein Trinkgeld in gewissen fernöstlichen Ländern wie Japan als verpönt, weil da ein guter Service als Selbstverständlichkeit gilt.

In Luzern wird grundsätzlich immer noch Trinkgeld gegeben. Wenn auch zögerlicher als auch schon. «Wir hören immer wieder, dass die Trinkgelder im Vergleich zu ‹früher› geschrumpft sind», schreibt Thomas Tellenbach. Spürbar sei das bei den Einheimischen wie auch bei ausländischen Gästen, die unterdessen wissen, dass der Service im Preis inbegriffen ist.

Wer letztlich das Trinkgeld bekommt, ist von Betrieb zu Betrieb verschieden. Eine gesetzliche Regelung ist im Landesgesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes nicht vermerkt.

Während in vielen Fällen die bedienende Servicekraft den Batzen bekommt, landet das Geld anderswo gesammelt in einem Teamkässeli und wird dann auf alle verteilt, damit beispielsweise auch Köchinnen etwas davon haben. Eine Partei erhält jedoch ganz bestimmt einen Anteil am Trinkgeld: der Staat. Wenn die Einträge nicht versteuert werden, gilt das als Schwarzarbeit.

Eine kleine Geschichte über das Trinkgeld

Die Geschichte des Trinkgeldes geht bis ins Mittelalter zurück. Eine frühe Erwähnung des Begriffs Trinkgeld findet sich beispielsweise im ersten Knigge «Über den Umgang mit Menschen» von 1788.

Damals war es üblich, Dienstleistungen aller Art mit Trinkgeld zu belohnen. Wirklich in der Gastronomie etabliert war der Zustupf erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Zunahme des Massentourismus.

Bis dahin gab es aber bereits ersten Widerstand. Trinkgeld wurde stellenweise als Bestechungsversuch angesehen. In Deutschland formierte sich um 1900 herum gar eine «Anti-Trinkgeld-Liga», die den gefühlten Zwang des Trinkgeldgebens unterbinden wollte. Jedoch ohne Erfolg.

Heute hat sich mit der Digitalisierung auch das Trinkgeld weiterentwickelt. Sei es bei EC-Geräten, mittels QR-Codes oder speziellen Apps. Mit der Zunahme des bargeldlosen Bezahlens sollen auch in Zukunft Trinkgelder gegeben werden können.

Verwendete Quellen

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