Corona-Nachwirkungen

So drastisch ist die Gastro-Konkurswelle in Luzern und Zug

David Kohler von Gastroconsult erwartet eine Verbesserung der Lage – allerdings nicht in allen Kantonen gleich schnell. (Bild: Gastroconsult / Unsplash)

Zahlreiche Restaurants haben in den letzten Jahren ihre Türen geschlossen. Im Kanton Zug sind es vergleichsweise besonders viele. In Luzern bleibt die Angst vor weiteren Schliessungen hoch.

Die Corona-Pandemie ist für viele bloss noch eine unangenehme Erinnerung. In wirtschaftlichen Kreisen ist das Thema jedoch noch immer aktuell. Wie etwa in der Gastronomie. Im Kanton Luzern sind die Fronten zwischen dem Verband Gastro Luzern und dem Kanton seit einiger Zeit verhärtet.

Grund dafür ist eine Kurskorrektur des Kantons in Bezug auf die Härtefallgelder, die während der Pandemie an Restaurantbetriebe ausbezahlt wurden, um Ausfälle durch die behördlichen Schliessungen zu kompensieren. Gab der Kanton zu Beginn an, die Gelder «à fonds perdu» zu sprechen – also ohne Rückzahlungspflicht –, änderte sich diese Einstellung später. Sehr zum Verdruss der Luzerner Gastronomie. Nun sollen einzelne, exemplarische Gerichtsfälle für Klärung sorgen (zentralplus berichtete).

Konkurse nehmen zu

Mit der Pandemie rollte auch eine Konkurswelle durch die Wirtschaft, die auch die Gastronomie stark betraf – und es immer noch tut. Und im Hinblick auf die Rückzahlungen im Kanton Luzern ist die Angst vor weiteren Schliessungen noch immer gross. So sagt Thomas Tellenbach vom Verband Gastro Luzern zu zentralplus: «Sollte der Kanton Luzern nicht zu Gesprächen bereit sein, würden wir wohl eine signifikante Anzahl Betriebe verlieren. Inklusive Arbeits- und Ausbildungsplätzen.»

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Zürcher Wirtschaftsauskunftei Crif zeigt, dass sich die Lage in der Luzerner Gastronomie 2023 im Vergleich zum Vorjahr nur marginal verbessert hat. So kam es im letzten Jahr im Kanton Luzern zu 32 Konkurseröffnungen (38 im Jahr 2022) und 60 Firmenlöschungen im Handelsregister (63 im Jahr 2022).

Eine Normalisierung werde in Luzern aufgrund des Härtefall-Disputs wohl erst in einigen Jahren eintreten, so vermutet David Kohler, Fachbereichsleiter Treuhand und Finanzen beim Treuhandunternehmen Gastroconsult AG, das auf Gastronomie und Hotellerie spezialisiert ist.

Die Zahlen in der Statistik zeichnen jedoch kein abschliessendes Bild. So sind weder Lokale mitgerechnet, die ihr Geschäft regulär beendet haben, noch jene Wirte, die aufgehört, den Betrieb aber an eine neue Wirtin übergeben haben. Damit dürfte die Anzahl geschlossener Betriebe insgesamt höher ausfallen. Statistisch erfasst werden aber lediglich Konkurse.

Crif hat für die Auswertung Zahlen aus dem Handelsregister analysiert und nach Branchen aufgedröselt. Denn die Kantone erfassen zwar die Konkurse, schlüsseln sie jedoch nicht nach Branchen auf, wie Nachfragen bei den beiden Kantonen Luzern und Zug ergeben haben.

Konkurseröffnungen betreffen Lokale, die sich noch im Konkursverfahren befinden. Hier ist es je nachdem möglich, dass die Betriebe den Konkurs noch abwenden und weiter wirten können. Aufschlussreicher ist hingegen die Spalte Firmenlöschungen. Eine Firmenlöschung erfolgt zum Beispiel bei der Auflösung von Amtes wegen, bei der Einstellung des Konkursverfahrens, beim Ende der Liquiditätsfrist, bei Fusionen oder bei der Schliessung eines Unternehmens wegen fehlender Nachfolgeregelung.

Zug blickt auf ein konkursreiches Jahr zurück

Auch im Kanton Zug haben zahlreiche Betriebe Konkurs anmelden müssen. Was hier auffällt – während in Luzern vor allem das Jahr 2022 für ein regelrechtes Beizensterben gesorgt hat, war es in Zug das Jahr 2023, das eine Rekordzahl vorzuweisen hat.

Den Konkursanstieg in den Jahren 2022 und 2023 erklärt sich David Kohler von Gastroconsult mit dem Wegfall der staatlichen Unterstützung nach der Pandemie. Betriebe, die schon vor der Pandemie finanziell angeschlagen gewesen seien, hätten zwar von den Härtefallgeldern noch profitiert, das habe die Schliessung letztlich aber bloss herausgezögert.

Immerhin: Für Zug und die restliche Zentralschweiz – abgesehen von Luzern – rechnet David Kohler mit einer Beruhigung und Normalisierung der Lage ab diesem Jahr.

Nebst Konkursen und Betriebsschliessungen gibt es aber auch jedes Jahr Leute, die den Schritt einer Neueröffnung wagen. Wie Zahlen des Bundesamts für Statistik und von Crif zeigen, hat vor allem im Kanton Zug in den letzten Jahren die Zahl der neu eröffneten Gastrobetriebe zugenommen – selbst während der Pandemie. Der Kanton verzeichnete im Jahr 2021 mit 55 Neueröffnungen innerhalb der vergangenen fünf Jahre einen Rekord. Einer, der im Folgejahr zwar um rund die Hälfte einbrach, sich seither aber langsam erholt.

Eine «Bereinigung der Branche»

Natürlich sind Betriebsschliessungen in den meisten Fällen ein herber Rückschlag für Beizer und Gastronominnen. Für die Gastronomie selbst seien wegfallende Betriebe jedoch nicht nur schlecht. David Kohler spricht von einer «Bereinigung der Branche», die vielleicht auch mal nötig war.

Ähnlich klang es im Vorjahr beim Arbeitnehmerverband Hotel & Gastro Union mit Sitz in Luzern. Dieser sprach sich ebenfalls für eine «Strukturbereinigung» aus. Das gastronomische Angebot sei grösser als die Nachfrage, was den Druck auf die einzelnen Betriebe erhöhe, innovativ zu bleiben und hohe Qualität zu bieten.

Verwendete Quellen
  • Informationen von «HTR»
  • Schriftlicher Austausch mit Heidi Hug, Crif
  • Telefongespräch mit Thomas Tellenbach, Gastro Luzern
  • Information des Bundesamts für Statistik zu Neugründungen
  • Schriftlicher Austausch mit Nicolas Vallon, BfS – Statistik der Unternehmensdemografie (UDEMO)
  • Telefongespräch mit David Kohler, Gastroconsult
  • Website Gastroconsult
  • Artikel «Luzerner Zeitung»
  • Schriftlicher Austausch mit Larissa Probst, Justiz- und Sicherheitsdepartement Kanton Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Ursula Kottmann Müller, Sprecherin Kanton Zug
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7 Kommentare
  • Profilfoto von Hegard
    Hegard, 18.03.2024, 14:13 Uhr

    nicht nur der Corona Virus bringt schwache Gastrobetriebe zum Konkurs,sondern auch die schwindente Kaufkraft!
    Kein Geld = Kein Luxus!

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  • Profilfoto von David L
    David L, 18.03.2024, 13:14 Uhr

    Ich habe den Eindruck, zumindest den verbleibenden Gestronomen müsste es blendend gehen.
    Ich hatte am vergangenen Samstag Abend die spontane (und offenbar naive) Idee, ich könne vor einem Konzertbesuch in der Stadt Luzern noch etwas essen.
    Ich bin dann schliesslich eine Stunde lang im Gebiet Obergrund/Bruch/Kasernenplatz/Jesuitenkirche/Altstadt von Restaurant zu Restaurant getingelt (ich war offen für fast alle Arten von Küche), wobei es nirgendwo einen Platz ohne Reservierung gab. Ich war bei sicher etwa 20 Restaurants, die alle entweder voll oder geschlossen waren.
    Am Ende landete ich aus Zeitmangel dann bei einem eher miesen Schnellimbiss – und selbst da brauchte ich drei Versuche, weil einer voll war und der andere gemeint hat "sorry, wir machen nur noch Auslieferung". (Obwohl er einen leeren Gastraum mit ca. 8 Tischen hatte…)

    Ich meine klar: Am Samstag Abend wird wohl mehr los sein als an den meisten anderen Tagen. Aber das schlichtwegs alles voll ist, hat mich dann doch überrascht. Zumal man ja desöfteren hört, wie schlecht es den Gastronomen gehe.

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    U. Fuchs, 18.03.2024, 12:36 Uhr

    Gestern in der Pizzeria: 12.- für einen grünen Salat, 15.- für den Gemischten, 25.- für Nüsslisalat mit Croutons und Speck. Desserts kosteten früher um 10 Fr, nun ab 15, dieselben Erhöhungen für ein Glas Wein.

    Es gibt keinen Grund für 30% – 50% höhere Preise. Da geht man halt nicht mehr. Das hat auch nichts mit Corona zu tun, sondern ist einfach nur frech

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    Kasimir Pfyffer, 18.03.2024, 12:25 Uhr

    Es gibt zu viele Betriebe, die nicht rentieren, lausige Löhne zahlen und ihren Gästen lediglich Convenience-Frass aufstellen. Die Infrastruktur ist unrestauriertes "Vintage" aus den 1960er Jahren, und die Wirte sind vor allem im Jammern gut. Dieses Geschäftsmodell funktioniert nach Corona nicht mehr, und jetzt gehen diese Beizen ein. Eine ganz normale Flurbereinigung, wie sie in anderen Branchen auch bekannt ist.

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    Roli Greter, 18.03.2024, 11:23 Uhr

    Das Stimmvolk wollte es so. Die Covid-Gesetz Ja-Stimmer dürfen ihre Solidarität nun gerne gegenüber der Gastrobranche unter Beweis stellen.

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    Ruedi Voser, 18.03.2024, 10:51 Uhr

    Die Bereinigung in der Gastro ist schon lange überfällig. Über 70% der Betriebe schreiben rote Zahlen oder eine schwarze Null. Es gibt viel zuviele Restaurants und 50% wären immer noch genug.

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    Heidi, 18.03.2024, 10:06 Uhr

    Es sind auch sehr viele Möchtegern Gastronomen unterwegs. Leute die vom Gastgwerbe keine Ahnung haben.

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