Cocktails statt Zeitungen

Der «Posito»-Kiosk in Luzern ist jetzt eine Bar

Sari Furrer hat in der «Volière» Gastro-Erfahrung gesammelt. Jetzt führt sie ihre eigene Bar. (Bild: cbu)

Gegenüber der Himmelrich-Überbauung in Luzern steht das Kiosk-Café «Posito». Nach rund 18 Jahren Betrieb kam es zu einer Zäsur. Statt Zeitungen gibt es unter der neuen Betreiberin aber Musik und Cocktails.

Der Posito-Kiosk an der Bundesstrasse hat sich in seinem bald 20-jährigen Dasein zu einem regelrechten Quartier-Treffpunkt in der Neustadt entwickelt. Die stets ausgefahrene rote Sonnenstore dürfte vielen Luzernerinnen ein vertrauter Anblick sein.

Bis vergangenen Oktober bot die frühere Inhaberin Annamaria Marjai nebst Zeitungen und den üblichen Rauchwaren verschiedene warme und kalte Getränke und kleine Speisen an. Über die Jahre hat sich Marjai eine treue Stammkundschaft aufgebaut (zentralplus berichtete). Ende Oktober kam es nach rund 18 Jahren zu einem Besitzerinnenwechsel.

Alles neu macht Sari Furrer

Sari Furrer, die stellvertretende Wirtin der Sommerbar Volière in der Saison 2022, hat das Lokal im letzten Herbst übernommen und sich damit einen Traum erfüllt. «Ich wollte schon immer einen eigenen Betrieb haben», sagt die 28-Jährige, als zentralplus an einem Donnerstagabend im neuen Posito vorbeischaut.

Beim Betreten der Bar lullt uns «Let the Sunshine in» aus dem Musical «Hair» ein. Wo früher ein Verkaufstresen stand, ist jetzt eine Bartheke mit ein paar Hockern, wo eine Gruppe Männer ihr Feierabendbier geniesst. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen einige Stühle und Tische. «Ich habe das bestehende Mobiliar mit ausgewählten Tischen und Stühlen im 60er-Jahre-Stil ergänzt», erklärt uns die Gastgeberin. Hier sitzen drei junge Frauen – in ein Gespräch vertieft. Rund 25 Sitzplätze bietet die Posito-Bar, stehend passen mehr Leute rein. «An der legendären Café Disco mit DJ Mario Stübi tanzten am 23. Dezember rund 50 Leute hier.»

Wir setzen uns mit Sari Furrer ans Fenster. An der Scheibe zeigt ein Schriftzug – aus Malerklebeband – wann hier die nächsten Konzerte stattfinden. Die Posito-Chefin erklärt uns, wie es zur Übernahme gekommen ist. Dass der Kiosk eine Nachfolge suchte, erfuhr Sari Furrer aus einer Annonce in der «Barni-Post». «Ich habe gleich eine Bewerbung geschrieben.» Kurze Zeit später war der Deal unter Dach und Fach. Gegen rund 40 Bewerbungen hat sie sich mit ihrem neuen Bar-Konzept durchgesetzt, wie sie sagt. «Meine Spontanität war wohl auch gleich einer meiner Vorteile.»

«Schleckis» fürs Nostalgie-Flash

Mit dem unterschriebenen Vertrag in der Tasche ging es ans Eingemachte. «Als Erstes habe ich mit drei ehemaligen Stammgästen das bisherige Interieur entfernt.» Denn das Posito weiterhin als Kiosk zu führen, kam für Sari Furrer nicht infrage. «Mein Ziel ist es, hier nicht nur einen Treffpunkt, sondern auch ein kleines Eventlokal aufzubauen, wo Luzerner Kultur einen Platz findet.» Das Kioskfeeling wollte sie aber nicht gänzlich aus den Räumlichkeiten verbannen.

«Die Wurzeln und die Geschichte des Lokals machen das Posito aus.» So hängen an den Wänden noch die alten Werbebanner. Bei der Bar gibt es eine grosse Auswahl an Zigaretten – das Lokal ist aber rauchfrei. Und gleich neben der «Zigi-Wand» gibt's eine Ecke mit Süssigkeiten. «Für die Nostalgie und das Jugendflashback», wie Sari Furrer gut gelaunt sagt.

Posito, ein Treffpunkt für alle

Drei Tage nach der Übernahme im Oktober hatte sie das neue Posito bereits eröffnet. Kein leichter Start, gibt sie zu. «Die erste Zeit habe ich 150 Prozent gearbeitet, das war ein harter Einstieg», sagt die frühere Lehrerin. In der Anfangszeit habe sie auch den ganzen Tag über offen gehabt. Elf-Stunden-Tage seien die Norm gewesen. Nicht unüblich für die Gastro-Branche. Mittlerweile hat Sari Furrer, die das Lokal im Alleingang führt, die Öffnungszeiten angepasst. Aktuell hat die Posito-Bar von Mittwoch bis Samstag von 17 Uhr bis 00:30 Uhr geöffnet.

Mit dem Konzeptwechsel kam auch ein neues Publikum. Zwar seien ein paar alte Stammkunden vereinzelt noch immer Gäste hier, die Mehrheit seien aber neue Gesichter. «Das verstaubte Image ist nun grösstenteils abgelegt», so die Gastgeberin. Sie sei jedoch glücklich darüber, dass die Posito-Bar weiterhin als kunterbunter Treffpunkt in der Neustadt akzeptiert werde. Das kann auch an Sari Furrers Einstellung liegen: «Hier sind alle willkommen. Akzeptanz wird bei mir grossgeschrieben.»

Kioske schwimmen gegen den Strom

Kioske hatten in den vergangenen Jahren einen immer schwereren Stand. Während einige ihre Türen schliessen mussten, wie beispielsweise «Claudia's Kiosk» am Hirschengraben (zentralplus berichtete), wagen andere einen Versuch. So wie der Kiosk bei der Bushaltestelle Eichhof, der als Integrationsprojekt angedacht ist (zentralplus berichtete).

In der Stadt Zug hingegen eröffnete Kioskbetreiber Moohanamoorthy Kasipillai im vergangenen Juli einen Kiosk am unteren Postplatz mit einem eigenwilligen Konzept. Er verzichtet in seinem Sortiment komplett auf Druckerzeugnisse (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Sari Furrer
  • Anzeige in der «Barni-Post» vom 7. September 2022
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