Bierbar im Luzerner Bruchquartier

Der Gastgeber der Bar bei Miguel geht in «Pension»

Miguel Fernandez von der «Bar bei Miguel» bezeichnet sich als fotogen – zu Recht, findet zentralplus. (Bild: jdi)

Seit 15 Jahren bewirtet Miguel Fernandez in seiner Bar bei Miguel an der Bruchstrasse 70 seine Bier trinkenden Gäste. Bald geht er in Pension. Doch ans Aufhören denkt er gar nicht erst.

Die Bierkarte der Bar bei Miguel ist so umfangreich, dass du als Gast mehrere Minuten darin blättern kannst, ohne dass dir langweilig wird. Nicht Dutzende, sondern Hunderte Biersorten aus aller Welt stellt Miguel Fernandez im Lagerraum kühl. Wer nett fragt, bekommt eine Führung. Und wer sich nicht entscheiden kann, wird kompetent beraten.

Obwohl: Fernandez ist alles andere als ein passionierter Bierliebhaber. «Wenn ich meinen Gästen sage, dass ich nicht trinke, glauben sie mir meistens nicht», sagt er schmunzelnd. Er antworte ihnen dann jeweils: «Ich bin wie ein Politiker: Ich rede von Dingen, von denen ich eigentlich gar nichts verstehe.» Immerhin habe er mal einen Bierkurs besucht und jedes Bier probiert, das er verkaufe.

Bar bei Miguel ist eine One-Man-Show

Sein Laster sei das Rauchen gewesen. Doch damit musste er aufhören, weil er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Geraucht wird in der Bar bei Miguel nichtsdestotrotz. Aber wie lange noch? «Seit ein paar Monaten fragen mich meine Gäste fast jeden Abend, wieso ich die Bar zumachen möchte», erzählt Fernandez. «Wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, weiss niemand.» Er könne die Frage nicht mehr hören. Darum habe er zentralplus ein Interview angeboten.

Wer die Bar bei Miguel googelt, stösst auf begeisterte Kritiken – mehr dazu später –, aber auf kein einziges Interview. Das hat seine Gründe. «Mein Ziel war es nie, reich zu werden», beteuert Fernandez. Ausserdem bevorzuge er es, alleine zu arbeiten. «In meiner ersten eigenen Bar hatte ich drei Angestellte. Für mich bedeutete dies: mehr Stress bei gleichem Lohn.»

«Ich habe hier meine eigenen Leute um mich herum. Darum kennt die Bar bei Miguel auch kein Januarloch.»

Miguel Fernandez, Gastgeber der Bar bei Miguel

Darum habe er für die Bar bei Miguel nie Werbung gemacht und immer wieder Interviewanfragen abgelehnt. Hätte er mehr Gäste, könnte er sie nicht mehr alleine bedienen, so seine Befürchtung.

Nur die Gesundheit kann Miguel stoppen

Zur Erholung gönnt sich Fernandez sechs Wochen Ferien pro Jahr. Und den freien Montag. Er sei kein Workaholic, versichert der 65-Jährige. Zwar arbeite er gerne. Aber meistens habe er ja «nur» von 18 Uhr bis 1 Uhr oder 2 Uhr offen. Das seien immerhin acht Stunden am Stück ohne Pause, stellt zentralplus fest. Seine Kollegen aus der Gastrobranche würden aber viel härter schuften, entgegnet Fernandez.

Pünktlich zu seiner Pensionierung – und nicht etwa zur Schliessung seiner Bar, wie fälschlicherweise gemunkelt wird – reduziert Miguel nun seine Öffnungszeiten. Von Sonntag bis Dienstag werde die Bar ab 2024 geschlossen bleiben. Er sei aber nach wie vor motiviert, fühle sich fit und werde so lange weiter wirten, wie es die Gesundheit zulasse.

Beispiellose Stammgastquote

Motivation schöpft Fernandez vor allem aus den Witzeleien und Schwätzchen mit seinen Gästen. Wovon 90 Prozent Stammgäste sind. «Das ist das Schönste», schwärmt Fernandez, «ich habe hier meine eigenen Leute um mich herum. Darum kennt die Bar bei Miguel auch kein Januarloch.»

Die treue Kundschaft – die meisten kennt Fernandez beim Namen – überschüttet die Bar bei Miguel im Internet mit Lob. Fast auf allen Plattformen zeugen fünf Sterne vom Wohlfühlambiente, von der Bierauswahl und der Herzlichkeit des Gastgebers. Nicht so bei Facebook. Dort ziehen ein paar einzelne Viersternebewertungen den Schnitt runter.

Fast so schön wie fünf Sterne: die Bierdeckeldecke in der «Bar bei Miguel». (Bild: zvg)

«Sie haben mich gelobt, fanden alles super – aber haben bemängelt, dass in der Bar geraucht wird», sagt Fernandez mit einem leichten Anflug von Ärger. «Die Bar bei Miguel ist eine Raucherbar, logisch wird hier geraucht», fährt er fort. Um anzufügen, dass die Sterne ihm im Grunde egal seien.

Kein Fondue chinoise am Heiligabend

Ganz anders steht es um Weihnachten. «Ich geniesse das Fest immer sehr», sagt Fernandez. Die Vorfreude ist ihm anzumerken. «Die Familie kommt zusammen, wir essen gut». Das Znacht am Heiligabend sei aber nicht zu vergleichen mit der Fondue-chinoise-Tradition vieler Schweizer Familien, betont er. «Wir essen spanisch. Auf dem Tisch steht immer viel zu viel Essen. Auf fünf Gänge folgen noch mal drei bis vier Desserts.» Abnormal sei das.

Bevor das Weihnachtsfest steigt, öffnet Fernandez am Samstagabend nochmals seine Bar. Dann stehen Ferien an.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Treffen mit Miguel Fernandez
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2 Kommentare
  • Profilfoto von James' Meinung
    James' Meinung, 26.12.2023, 21:07 Uhr

    Menü 1: Bier & Carajillo 😀

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  • Profilfoto von Rene
    Rene, 25.12.2023, 23:51 Uhr

    Miguel hat die beste Bierkarte der ganzen Stadt!

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