Talacher soll im Februar wieder eröffnet werden

Baar: Pächter verlässt Restaurant Bauernhof nach 26 Jahren

Bald gehen im Restaurant Bauernhof die Lichter aus. (Bild: wia)

Das Restaurant Bauernhof in Baar war viele Jahre eine Konstante in der Zuger Beizenlandschaft. Nun hört der langjährige Pächter Heinz Keller auf. Was die Zukunft für das historische Haus bringt, das viele auch unter dem Namen Talacher kennen? Wenn es nach dem Liegenschaftsbesitzer geht: Kontinuität.

Auf dem Parkplatz beim Talacher in Baar stehen an diesem Freitagnachmittag einige Autos. Zu erkennen sind auffällig viele auswärtige Nummern. Schnee fällt in kleinen Flocken vom Himmel. Sie sind drauf und dran, eine dünne weisse Schicht auf den Fahrzeugen der Nidwaldner, Zürcherinnen, Fribourger und Aargauerinnen zu bilden. Währenddessen sitzen die Autobesitzer in der altehrwürdigen, warmen Stube des Restaurant Bauernhof, essen Desserts, trinken Kaffee oder ein schönes Glas Wein.

Im rund 240 Jahre alten Gebäude gingen während der letzten Jahrzehnte tausende Gäste ein und aus. Man traf sich zum Business Lunch, zum Date, legte ein spontanes Mittagessen auf dem Weg in die Berggemeinden ein. Zig Hochzeiten und Taufen wurden schon im «Buurehof» gefeiert, gemeinsam trauerten Gäste hier beim Leichenmahl um ihre Liebsten. Wichtigste Konstante in den letzten Jahrzehnten: Pächter Heinz Keller. Bald steht jedoch ein Wandel an.

Die Pension ruft

Der Pächter des Restaurant Bauernhof wirtet nur noch bis am 18. Dezember. Auf Anfrage sagt Heinz Keller: «Ich gehe, wie ich gekommen bin. Ganz still und ruhig.» Der Grund dafür sei ein simpler: «Ich bin nun 66 Jahre alt und werde mich pensionieren lassen. Ich denke, das habe ich verdient.» Auch der Gesundheit zuliebe. Das Wirten sei körperlich anstrengend.

«Mit Wehmut zurückblicken möchte ich nicht.»

Heinz Keller, langjähriger Pächter des «Buurehof»

Während 26 Jahren führte Heinz Keller die historische Beiz im Talacher. «Mit Wehmut zurückblicken möchte ich jedoch nicht», sagt er. Doch er betont: «Um meine Mitarbeiter muss man sich keine Sorgen machen. Diese sind gut versorgt und haben alle eine neue Stelle.»

Wer auf der Ägeristrasse in Richtung Talacher fährt, der sieht den «Buurehof» selbst im Schneegestöber über sich thronen. (Bild: wia)

Auf die Frage, wie es mit dem Haus weitergehe, verweist er auf den Besitzer der Liegenschaft. Dieser – er möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen – erklärt: «Es ist noch nichts definitiv. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann, ist, dass der Bauernhof ein Restaurant bleibt. Das ist ganz klar unser Ziel.» Entsprechend sei man derzeit bemüht, eine gute Anschlusslösung zu finden. «Mit einer Person führen wir bereits konkrete Gespräche.» Der Liegenschaftsbesitzer weiter: «Das Betriebskonzept soll gleich bleiben wie das bisherige.»

Eine Liegenschaft mit ungewöhnlich viel Umschwung

Das ehemalige Bauernhaus hat schon bald 250 Jahre auf dem Buckel. Auf die Frage, welche Eigenheiten ein solches Haus mitbringt, sagt er: «Aussergewöhnlich ist sicher die Grösse des Grundstücks. Der Umschwung ist beim Unterhalt des Betriebs mit einzurechnen.» Tatsächlich ist das Anwesen 9'800 Quadratmeter gross. «Ausserdem hat die historische, geschützte Liegenschaft sicher mehr Charakter als ein Betonneubau, den man auf der grünen Wiese erstellt.»

Heinz Keller habe den Betrieb in diesem historischen Haus während 26 Jahren sehr erfolgreich geführt, so der Besitzer der Liegenschaft weiter. «Es scheint also zu funktionieren, obwohl man aufgrund des Denkmalschutzes wohl auch hin und wieder Kompromisse eingehen muss.» Ziel sei es, dass man den Betrieb mit der neuen Pächterschaft im Februar starten könne.

Ein Haus an bester Lage

Das Bauernhaus beim Talacher wurde 1761 bis 1762 als Ersatzbau des früheren Bauernhauses erstellt. Dies gemeinsam mit einem nach wie vor bestehenden Wasch- und Brennhaus und einer ehemaligen Scheune. Insgesamt lebten im Vorgänger- und im heutigen Gebäude zwischen dem Jahr 1500 und 1912 sagenhafte 14 Generationen des Geschlechts Dossenbach.

Seit 1981 ist im Hauptgebäude ein Restaurantbetrieb untergebracht. Doch schon früher, Ende des 19. Jahrhunderts, wurde das Haus als Gasthof genutzt. Die Zuger Denkmalpflege bezeichnet das typisch barocke Bauernhaus als «nicht nur von lokalgeschichtlicher, sondern auch von hoher ortsbildlicher Bedeutung».

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit dem Liegenschaftsbesitzer
  • Telefonat mit Heinz Keller
  • Augenschein vor Ort
  • Grundbuch-Eintrag
  • Inventarblatt des geschützten Zuger Gebäudes
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