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Gastroneulinge wollen Luzerner zurück in die Altstadt bringen
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Joel van Eck und Marlen Amberg wollen dem Löwengraben neues Leben einhauchen. (Bild: jal)

Neue Bar mit dänischem Flair im alten Knast Gastroneulinge wollen Luzerner zurück in die Altstadt bringen

5 min Lesezeit 22.07.2018, 17:19 Uhr

Die Altstadt braucht einen Treffpunkt für die Luzerner – und nicht nur für Touristen. Davon sind Marlen Amberg und Joël van Eck überzeugt. Deshalb eröffnen sie im alten Gefängnis am Löwengraben eine neue Bar. Was ihnen an Erfahrung fehlt, machen sie mit Zuversicht wett: Mit einer Boule-Bahn und dänischer Kost wollen sie den «Luzerner Hinterhof»  beleben.

Der Strassenbelag am Löwengraben in Luzern glänzt im Sonnenschein. Frisch saniert wirkt er wie ein Versprechen für die Zukunft. Für eine belebtere Zukunft. Denn noch ist die Strasse ziemlich leer. Einzig das Gefängnishotel mit dem dazugehörigen Lokal, das seit Kurzem wieder eröffnet ist und wo die WM-Spiele gezeigt wurden, hat einige Tische und Stühle draussen aufgestellt.

Doch im Hinterhof der Altstadt könnte bald mehr Leben einkehren. Geplant ist ein neues Gastronomielokal neben dem Hotel Barabas. Wo zurzeit ein Garagentor zu sehen ist, soll bald der Eingang zur neuen Bar namens Blok sein. 

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«Das Lokal soll die Luzerner zurück in die Altstadt bringen», sagt Marlen Amberg. Die 24-Jährige wird die Beiz zusammen mit ihrem Partner Joël van Eck betreiben. Gelingen soll das zum einen mit einer ansprechenden Bar, zum anderen mit einer Pétanque-Bahn im hinteren Teil des Lokals – eine Neuheit in Luzern. «Boule ist zurzeit auch in Luzern im Trend», erklärt Marlen Amberg.

Auf die Idee gestossen sind sie allerdings in Kopenhagen, wo sie vergeblich eine bestimmte Raucherbar suchten und dabei auf ein Lokal mit zahlreichen Boule-Bahnen gestossen sind. «Geschäftsleute, Junge und Einzelgänger aus allen Altersklassen trafen sich dort beim Spiel. Genau eine solchen Treffpunkt möchten wir hier auch schaffen.»

Altstadt aufpimpen

«Die Altstadt braucht etwas Neues», sagt Marlen Amberg. Die Tochter von Bauunternehmer Bruno Amberg hat für ihr Studium an der Hochschule Luzern eine Arbeit über die Luzerner Altstadt und speziell den Löwengraben geschrieben. In einer Umfrage gaben 60 Prozent der Befragten an, höchstens einmal wöchentlich in der Altstadt unterwegs zu sein. «Das ist schon erschreckend», sagt Amberg. «Aber auch verständlich, denn am Abend ist es wirklich ausgestorben.» Das sehen die beiden, die selber in der Altstadt wohnen, täglich. «Nach 18.30 Uhr, wenn die Läden schliessen, sind nur noch ein paar Verstreute zu sehen», so Joël van Eck, Sohn der Luzerner Fussballlegende René van Eck.

Frische Luft für den Keller: Im Lagerraum des Hotels Barabas entsteht die neue Blok-Bar.

Frische Luft für den Keller: Im Lagerraum des Hotels Barabas entsteht die neue Blok-Bar.

(Bild: jal)

Das Paar ist überzeugt vom Standort am Löwengraben: «Diese Strasse bietet Potenzial für so was», sagt Amberg. Weil sie nicht gepflästert sei, locke sie weniger Gruppentouristen an als der Grendel oder der nahe gelegene Mühlenplatz. «Das kann ein Ort in der Altstadt sein, an dem sich die Einheimischen aufhalten.» Als Vorbild nennt sie das Helvetiagärtli in der Neustadt oder den Quai am See. Es ist dieses Flair, das sie sich in der Altstadt wünscht, wenn auch auf etwas andere Art. «Es ist etwas urbaner hier», sagt Marlen Amberg, gerade das finde sie aber spannend.

«Von der Jazzkantine bis zum Soul Chicken muss die ganze Strasse zusammenhalten, um Leben in den Löwengraben zu bringen.»

Marlen Amberg

Klar ist für die beiden, dass sie nicht auf Laufkundschaft zählen können. Womöglich werden auf der Boule-Bahn deshalb nicht nur Kugeln geworfen. Der Raum soll auch Platz bieten für Ausstellungen, Konzerte oder mal ein Boule-Turnier. «Man vergisst diese Strasse oft, deshalb müssen wir die Luzerner gezielt hierhin locken», sagt Amberg. Für die 24-Jährige und ihren Partner ist aber klar, dass sie nicht alleine für ein Revival des Löwengrabens sorgen können. «Von der Jazzkantine bis zum Soul Chicken muss die ganze Strasse zusammenhalten, um Leben in den Löwengraben zu bringen.»

Stadt begrüsst Strassencafés

Die geplante Bar ist zwar im selben Gebäude untergebracht wie das Gefängnishotel Barabas. Doch der Betrieb läuft unabhängig davon. Das Barabas ist seit wenigen Wochen wieder offen, aktuell werden im Barabas noch Hot Dogs serviert, bevor voraussichtlich Mitte Oktober ein japanisches Gastrokonzept Einzug hält (zentralplus berichtete). Die Eröffnung zeigt, was am Löwengraben möglich ist. Mit der Terrasse auf der frisch sanierten Strasse ist etwas Leben zurückgekehrt, bald soll die Bar Blok folgen.

In der Garage neben dem Hotel Barabas ist eine neue Bar geplant, die im Sommer zum Strassencafé wird.

In der Garage neben dem Hotel Barabas ist eine neue Bar geplant, die im Sommer zum Strassencafé wird.

(Bild: jal)

Aus Sicht der Neugestaltung Grendel-Löwengraben begrüsst man bei der Stadt grundsätzlich Pläne für neue Strassencafés. Mit der zurzeit laufenden Aufwertung soll sich der Löwengraben von der ursprünglichen Durchfahrtsstrasse in eine Begegnungszone verwandeln. «Ein Strassencafé ist, soweit machbar und bewilligungsfähig, daher in unserem Sinne», sagt Daniel Nussbaumer, Projektleiter beim Tiefbauamt der Stadt. Durch die Neu­gestaltung entstehe qualitativ hochwertiger Stadtraum, der vielfältige Nutzungen zulasse. Wie sich die Strasse entwickle und wie sie genutzt werde, sei noch abzuwarten. «Die Stadt kann das nicht selber steuern, da ist die Initiative von Privaten gefragt.»

Absolute Newcomer

Marlen Amberg und Joël van Eck warten nun auf ihre Baubewilligung. Viel umbauen werden sie zwar nicht. Der Lagerraum samt Garage bleibt in den Grundzügen erhalten. Mit Holz und Pflanzen wollen sie trotz Beton für ein wohnliches Ambiente sorgen. Knapp 30 Plätze im Innern und gut 20 Plätze draussen sind geplant. Zurück in alte Zeiten, als das Gefängnis als Nachtclub für Furore sorgte, soll der Weg aber keineswegs gehen.

Vorerst wollen sie den Laden zu zweit schmeissen. «Es wird mega streng, das wissen wir.» Nebst Getränken werden Smörrebröd auf der Karte stehen, eine Spezialität der dänischen Küche, eine Art belegte Brote. Einfach, aber frisch, so das Motto. 

«Wir machen nicht schnell mal eine Bar auf, das haut zu 95 Prozent nicht hin.»

Joël van Eck

Denn Marlen Amberg und Joël van Eck haben keine Gastroerfahrung. «Wir sind totale Newcomer», sagt van Eck und lacht. Er war zwar vorübergehend Teilinhaber der Bar «Zur Freiheit» an der Neustadtstrasse (zentralplus berichtete). Doch hinter dem Tresen gearbeitet hat er dort nie, er kommt beruflich aus dem Marketing. Marlen Amberg hat soeben ihr Studium in Designmanagement beendet. Doch für die beiden ist klar: «Wir wollten beide schon immer ein eigenes Lokal.»

Auf die leichte Schulter nehmen sie die Aufgabe nicht. «Wenn wir das machen, dann richtig, es ist kein Spiel», sagt Amberg. Ihnen ist sehr wohl bewusst, wie viele in der Gastroszene scheitern. «Wir machen nicht schnell mal eine Bar auf, das haut zu 95 Prozent nicht hin», sagt van Eck. «Wir bereiten alles perfekt vor und lassen keine Lücke für Fehlschritte offen.»

Und das heisst für das Paar: Im Sommer arbeiten beide in einem Gastrobetrieb, im September wollen sie das Wirtepatent absolvieren. Das Paar rechnet mit der Eröffnung im Oktober oder November. Bis dahin üben die beiden – nicht nur das Gastgebersein. «Wir haben das Boule-Spiel noch nicht so im Griff», sagt van Eck und lacht. «Aber bis zur Eröffnung wird das bestimmt gut sitzen.»

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