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Gartenstadtfest buchstäblich ins Wasser gefallen
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An der Aabachstrasse sollen historische Häuser, die unter Ortsbildschutz stehen, abgerissen werden. (Bild: mbe.)

Zug: Über 300 Flyer in Briefkästen verteilt Gartenstadtfest buchstäblich ins Wasser gefallen

4 min Lesezeit 08.09.2015, 17:59 Uhr

Es hätte die erste grosse Fiesta in der ehemaligen Arbeitersiedlung von Landis + Gyr werden sollen. Doch es kam fast niemand ans erste Gartenstadtfest. Von einem Flop wollen die Organisatoren vom «Komitee Pro Gartenstadt» dennoch nicht sprechen. Sie verweisen lieber auf ihre Erfolge.

Aabachstrasse in Zug: Vier Festhüttentische mit Bänken, an denen ein Dutzend Quartierbewohner und Lokalpolitiker sitzen. Ein Transparent ist aufgehängt mit der Aufschrift «Für den Erhalt der 17 Wohnhäuser». An einem Tisch werden Wähen angeboten und Unterschriften für die Protestpetition gesammelt. Zwei Musiker des Ensembles «Ossobuco» sorgen, ziemlich einsam, für gute Stimmung (siehe zentral+-Video).
Dieses Bild bot sich am Samstagnachmittag am ersten Gartenstadtfest. Eingeladen hatte das «Komitee Pro Gartenstadt», das sich gegen den geplanten Abriss der Häuser im Quartier wehrt (zentral+ berichtete). Der Regen machte den Organisatoren aber einen Strich durch die Rechnung. Schliesslich stellten die Organisatoren ein Zelt auf. Unter diesem kam gegen Abend doch noch ein wenig Feststimmung auf: Rund 30 bis 40 Personen feierten bei Grillwürsten und Wein.

Solidarität mit Bewohnern

Am Nachmittag wurde von den Besuchern über die Neubaupläne der kantonalen Gebäudeversicherung und der Wohnbaugenossenschaft Familia diskutiert. Der ehemalige SP-Stadtrat Eusebius Spescha wohnt im Quartier. «Unser Block an der Hertistrasse ist nicht betroffen, aber wir wohnen direkt neben den Liegenschaften», sagt er. «Ich bin persönlich überzeugt, die Häuser mit wenig Aufwand saniert werden könnten. Wenn man wollte». Unter den betroffenen Mietern, die er kenne, seien «ältere, liebe Leute», sagt der ehemalige Sozialvorsteher der Stadt Zug. «Sie nehmen die Sache gottergeben hin und haben halt nicht gelernt, sich zu wehren.» Doch Spescha bringt auch Verständnis auf für seine Nachfolger bei der Stadt. «Für die Stadt ist es natürlich schwierig, den Liegenschaftenbesitzern Vorschriften zu machen», sagt er.

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Marlies Krummenacher lebt mit ihrem Mann seit 22 Jahren an der Hertistrasse. Sie engagiere sich nicht politisch, sagt sie. «Aber ich bin dafür, dass diese Häuser bleiben. Ich würde die Petition am liebsten zehn Mal unterschreiben.» Man müsse doch etwas tun, dass diese Mieter noch irgendwo wohnen könnten in Zug. Krummenacher findet, die Stadt Zug habe sich sehr verändert in den letzten Jahren. «Die Altstadt ist noch gleich. Aber sonst wird überall gebaut. Wenn der See nicht wäre, würde man auch dort noch bauen.»

Gartenstadt from zentralplus on Vimeo.

Über 300 Flyer in die Briefkästen verteilt

Die Federführung im Komitee hat Astrid Estermann, Gemeinderätin der Alternative-die Grünen. «Ich schätze, dass am Nachmittag und Abend zirka 70 Personen vorbeigekommen sind», zieht Estermann Bilanz. Mitglieder des Komitees hatten einige hundert Flyer in die Briefkästen der Gartenstadt-Bewohner verteilt. Ist sie nicht enttäuscht? «Natürlich wäre es schön gewesen, wenn noch mehr Betroffene gekommen wären. Aber ich glaube, dass viele Mieterinnen und Mieter Angst haben, sich zu outen. Es sind viele Ausländer, die nicht auffallen wollen. Deshalb brauchen sie auch von uns Unterstützung.» Die Kosten für das Fest beziffert Estermann auf rund 600 Franken inklusive Bewilligung der Stadt.

CSP-Gemeinderätin Monika Mathers schaute ebenfalls am Fest vorbei. «Wegen des schlechten Wetters kamen halt nur die Abgehärteten», sagt sie. Das nächste Mal, falls es ein weiteres Gartenstadtfest gibt, kämen sicher mehr. Wichtig sei gewesen, die Solidarität mit den Quartierbewohnern zu zeigen, die von den Bauplänen der Gebäudeversicherung und der Wohnbaugenossenschaft Familia betroffen seien. «Unsere Aktion kann eine Warnung für andere sein, die ebenfalls günstigen Wohnraum abreissen wollen», sagt Mathers.

800 Unterschriften zusammen

Und trotz des Flops des ersten Fests, hat das Komitee einen Erfolg vorzuweisen. Laut Astrid Estermann sind bis heute rund 800 Unterschriften für die Petition beisammen. Die Unterschriften wollen die Mitglieder am 1. Oktober vor dem Zuger Regierungsgebäude an CVP-Regierungsrat Beat Villiger übergeben.

«Zahl wird nach unten korrigiert»

Laut Estermann ist nun auch definitiv klar, dass nicht mehr 17 Häuser von den Neubauplänen betroffen sind. Die Heimstätte Zug AG werde ihre sechs Liegenschaften an der Hertistrasse und der Aachbachstrasse in den nächsten Jahren definitiv nicht abreissen. Und sich auch nicht am Architekturwettbewerb beteiligen. Das habe ihr Verwaltungsratspräsident Erich Kalt zugesagt. Estermann wird dies am Dienstagabend im Grossen Gemeinderat klarstellen und nicht mehr von 17 Häusern sprechen. Sie und Monika Mathers als Wortführerinnen des Protestkomitees waren verschiedene Male kritisiert worden, dass sie mit falschen Zahlen operierten.

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