Gartenstadt: Zeit für den Tatbeweis

2 min Lesezeit 16.09.2015, 05:30 Uhr

Die Gartenstadt-Neubaupläne sind ein politisches Trauerspiel. Seit 2012 weiss die Stadt Zug, dass die Besitzer Erneuerungs- respektive Neubaupläne für die 85 Wohnungen haben. Doch man schweigt eisern. Nur durch einen Zufall erfahren die betroffenen Mieter, dass sie in zwei bis drei Jahren ihre Wohnung verlieren werden. Wohnungen zu rund 1200 Franken für drei Zimmer, wie es sie sonst in Zug nicht mehr gibt. Keiner hielt es bis dahin für nötig, die zumeist langjährigen Mieter zu informieren.

Würde es sich bei den Eigentümern um private Investoren handeln, wäre solches Tun nicht weiter erwähnenswert. Zuger haben sich längst daran gewohnt, dass auch Wohnen okönomischen Zwängen unterworfen ist. Und dem ordnet man bekanntlich so einiges unter in diesem Kanton, der national auch für den wenig schmeichelhaften Begriff der «Zugisierung» steht. Nur stehen hinter dem Neubauprojekt der Gartenstadt für einmal nicht Grossinvestoren, anonyme Immobilienfonds oder Versicherungen, sondern Wohnbau-Genossenschaften und die kantonale Gebäudeversicherung. Von diesen Instiutionen erwartet der Bürger verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln. Und von der politischen Aufsicht dass sie Zug auch für die folgenden Generationen lebenswert hält.

Worte statt Taten

Doch was macht die Stadt? Der Stadtrat «bedauert», dass mit der Gartenstadt ausserordentlich günstiger Wohnraum verlieren geht. Rechtlich könne er nichts machen. Stattdessen zeigt er Verständnis für den Abriss. Entrüstung tönt anders. Die bürgerliche Stadtregierung hat vor den Eigentümerinteressen kapituliert. Dabei wüsste sie die Bevölkerung hinter sich, was diese vor drei Jahren mit dem Ja zur Initiative «Wohnen in Zug für alle» zum Ausdruck brachte.

Es ist das Unterbleiben solch kleiner Zeichen, das in den letzten Jahrzehnten dazu führte, dass viele Zuger ihre Heimat kaum mehr wiedererkennen. Stattdessen wird von den Verantwortlichen mantrahaft wiederholt, wie schwer sich die Wohnungen vermieten liessen – ohne dass überhaupt je ein Leerstand zu beklagen gewesen wäre. Leerstände kommen in Zug zwar tatsächlich vor, dann aber dort, wo man aus luftiger Höhe auf die Gartenstadt herunterschaut – wie beispielsweise im Park Tower.

Macht es der Regierungsrat besser? Er ist als Aufsichtsorgan der öffentlich-rechtlichen Gebäudeversicherung verpflichtet, dieser auf die Finger zu schauen. Und sich notfalls einzumischen. Schliesslich brüstet man sich nur gerne damit, in der Förderung von preisgünstigem Wohnraum eine Vorreiterrolle einzunehmen. Nun kann Beat Villiger den Tatbeweis erbringen, für alle Zuger da zu sein – auch für die Einkommensschwachen.

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