Ganz so alternativ ist Lidl dann doch wieder nicht
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Wo ist das Gemüse hin? Die Auslage an der alternativen Kasse in der Lidl-Filiale in Buchrain. (Bild: hch)

Lidl-Kasse in Buchrain sorgt für Stirnrunzeln Ganz so alternativ ist Lidl dann doch wieder nicht

3 min Lesezeit 18.06.2018, 16:35 Uhr

«Keine Quengelware», «keine salzigen Snacks» sowie «täglich frisches Gemüse und Früchte»: Mit sogenannt alternativen Kassen versucht der Discounter Lidl bei gesundheitsbewussten Familien zu punkten. Doch in der Filiale Buchrain türmen sich neben dem Laufband Nussmischungen, Kaugummis und Früchteriegel. Hält man sich nicht an die eigenen Vorgaben?

Wer kennt es nicht? Man steht an der Kasse, blickt um sich und sieht überall verlockende Produkte wie Schokolade oder leckere Chips. Wohl noch schlimmer, wenn das eigene Kind die sogenannte «Quengelware» sieht.

Viele kleine Snacks

Doch genau dieser Art von Produkten hat «Lidl Schweiz» vor knapp vier Jahren den Kampf angesagt und sogenannte «alternative Kassen» eingerichtet. «Keine Quengelware» und «keine salzigen Snacks» steht deshalb unter anderem in grossen Lettern an einer Kasse in Buchrain. Dazu soll es jeden Tag frisches Gemüse und Früchte geben.

Doch wer sich in der Schlange einreiht, dessen Blick fällt auf vielerlei kleine Snacks: Kaugummi, verschiedene Nussmischungen und getrocknete Früchte, um nur einige davon zu nennen.

Es geht hauptsächlich um Zucker

Das erstaunt. Sollen das etwa keine Quengelwaren und keine salzigen Snacks sein? Denn die Produkte lachen einen teilweise förmlich an und animieren zum Zugreifen. «Unter Quengelware verstehen wir ungesunde und zuckerhaltige Artikel, die Kinder haben wollen», sagt der Mediensprecher von Lidl Schweiz, Mathias Kaufmann. Dem wolle man mit der alternativen Kasse Gegensteuer geben.

«Jeweils an der Hauptkasse bietet Lidl Schweiz zuckerfreie und gesunde Alternativen anstatt ungesunde und zuckerhaltige Snacks an.» Damit möchte man die Gesundheit fördern, so Kaufmann. «Anstatt Schokoriegel, Bonbons und Süssigkeiten werden Nüsse, getrocknete Früchte, zuckerfreie Artikel oder Mineralwasser an der Hauptkasse mit dem grössten Kundendurchlauf angeboten.»

«Das spezifische Angebot an den alternativen Kassen kann sich je nach Filiale und Warenverfügbarkeit unterscheiden.

Mathias Kaufmann, Lidl Schweiz

«Hier folgen wir dem Grundsatz, dass niemand zu übermässigem Zuckerkonsum verführt werden soll.» Ein weiterer Nebeneffekt: Die Kasse ermögliche Kunden mit Kindern oft eine «quengelfreie» Zeit an der Kasse, so Kaufmann. Lidl geht wohl also davon aus, dass Kinder bei zuckerfreiem Kaugummi und Früchteriegeln a priori nicht ungeduldig werden. Schöne Aussichten. 

Wo ist das Gemüse?

Und was ist mit den versprochenen Frischprodukten? Dazu Kaufmann: «Das spezifische Angebot an den alternativen Kassen kann sich je nach Filiale und Warenverfügbarkeit unterscheiden. Zudem ändert sich die Auslage regelmässig, wir testen auch immer neue Artikel.»

«Der Kassenbereich gilt im Handel als strategisch wichtige Zone.»

Mathias Kaufmann, Lidl Schweiz

Und die salzigen Snacks? Kann Lidl Schweiz dafür garantieren, dass nie ein solches Produkt den Weg an die alternative Kasse findet? Darauf gab Kaufmann leider keine Antwort. Dabei waren wir uns sicher, dass sich die gesalzenen Nüsse irgendwie an die Kasse geschlichen haben. Wie sie dorthin gelangten, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Hier steht es weiss auf grün: jeden Tag frische Früchte und Gemüse.

Hier steht es weiss auf grün: jeden Tag frische Früchte und Gemüse.

(Bild: hch)

Die Erwachsenen sollen ruhig zugreifen

Und es stellt sich eine weitere Frage: Soll sich die Auslage an der Kasse folglich an Erwachsene richten und sie, wie andernorts die Kinder, zum Konsum verführen? Also Quengelware für die Grossen? «Der Kassenbereich gilt im Handel als strategisch wichtige Zone. Hier wird durch Spontankäufe ein beachtlicher Anteil am Gesamtumsatz gemacht.» Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene würden kurz vor der Kasse gerne zugreifen, erklärt Kaufmann.

Und weiter: «Es geht uns bei dieser alternativen Kasse nicht um das Verhindern von Spontankäufen, sondern um das Angebot von gesunden Alternativen an der meistfrequentierten Kasse», sagt Kaufmann.

Bisher gute Erfahrungen

Und wie reagieren die Kunden auf das spezielle Angebot? «Die alternative Kasse kommt bei unseren Kunden sehr gut an. Wir bekommen regelmässig positives Feedback von Eltern und auch von anderen Kunden», glaubt Kaufmann. Auch mit dem Umsatz scheint man zufrieden zu sein.

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