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«Ganz ehrlich? Wir schmeissen alles weg»
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Das Thema Lebensmittel-Verschwendung wird an der Luga ganz unterschiedlich gehandhabt. (Bild: jav)

«Foodwaste» an der Luga «Ganz ehrlich? Wir schmeissen alles weg»

4 min Lesezeit 1 Kommentar 02.05.2015, 17:00 Uhr

Neben der Expo hausieren auch der Kanton Luzern und die Luga mit dem Thema Lebensmittel-Verschwendung. Doch, wie sieht es an der Luga mit der praktischen Umsetzung davon aus? Die Nachfrage zeigt: Essensstände und Restaurants halten sich hier offensichtlich an komplett unterschiedliche Vorgaben.

Neben Origami, Jugend und Säulirennen steht dieses Jahr an der Luga das Thema «Foodwaste» auf dem Plan. In der Food-Halle wird das Thema interaktiv vermittelt. «Die Ausstellung gibt praktische Tipps für den täglichen Umgang mit Lebensmitteln – sei es bei der Menüplanung, beim Einkauf, bei der Lagerung zu Hause oder der Verwertung von Resten», heisst es auf der Luga-Website. Zudem werden an der Luga Lebensmittel-Boxen, eine Art «Doggybags», abgegeben. In diesen können die Besucher die Reste ihres Menüs mit nach Hause nehmen.

Die Sonderschau ist der Auftakt zu einer längeren kantonalen Kampagne gegen Lebensmittel-Verschwendung. Damit springt der Kanton auf einen aktuellen Trend auf – auch die Expo in Mailand, gerade eben gestartet – stellt das Thema in den Fokus.

zentral+ wollte jedoch wissen, wie es an der Luga tatsächlich aussieht. Sind die anwesenden Essensanbieter sensibilisiert? Wird Wasser gepredigt und Wein getrunken? Die Antworten an den verschiedenen Essenständen und Restaurants könnten unterschiedlicher kaum ausfallen.

Es bleibt nichts übrig

Die Nachfrage scheint den Verkäufern und Köchen nicht besonders angenehm zu sein. Trotzdem erhalten wir von allen, bis auf ein Restaurant, Antworten. Bei den kleinen Imbissständen heisst es meist: «Wir werfen nie etwas fort», oder: «Wir verkaufen alles und haben daher gar keine Resten.» Wie das genau funktioniert, können die meisten aber nicht erklären.

Andere betonen: «Wir können die Portionen vorweg bereitmachen. Gegen Abend dauert es dann vielleicht halt etwas länger für den Kunden, da wir dann nochmals einzelne Portionen zubereiten müssen und keine mehr übrig haben.» An zwei Ständen wird verschwörerisch betont: «Bei uns ist es nicht wie bei den Anderen. Wir geuden nicht.»

Reste für die Mitarbeiter?

Bei einem anderen Essenstand heisst es jedoch auf die Frage, was am Abend mit den nicht verkauften Produkten passiert: «Ganz ehrlich? Wir schmeissen alles weg.» Es sei klar geregelt, dass nichts aufbewahrt werden dürfe. «Wir dürfen auch keine Resten mit nach Hause nehmen. Das wäre ein Kündigungsgrund», erklärt der Koch am Stand.

«Bei uns steht vor allem die Sensiblisierung der Konsumenten im Fokus.»
Dominique Senn, Projektleiterin Foodwaste.ch

An anderen Ständen ist das Mitnehmen der Reste durch die Mitarbeiter komischerweise kein Problem. Und beim Wauwilerstand beispielsweise sieht es sehr nachhaltig aus. Der erste Ort, an welchem wir die Lebensmittel-Boxen prominent platziert finden. Die Resten würden abends an die Mitarbeiter verteilt, so die Verkäuferin. «Und die Bauern und Tierpfleger kommen nach dem Aufräumen immer noch vorbei.» Diese scheinen nach einem Luga-Einsatz hungrig zu sein. Denn auch beim Wurststand nebenan dürfen sie sich abends bei den übrigen Würsten bedienen.

Je grösser, desto schwieriger

Im Restaurant Buurestube hingegen will man gar keine Informationen weitergeben. Es könne nur die Chefin Auskunft geben und die sei nicht da. Auf die Nachfrage, ob nicht jemand aus der Küche beantworten könne, was abends mit den Resten passiert, wird schroff verneint, und wir werden freundlich gebeten zu gehen.

Aktion vom Kanton

Jährlich landen 10'000 Tonnen Nahrungsmittel im Kehricht der Luzerner Haushalte. Allgemein sind die Haushalte für 45 Prozent der Lebensmittelverluste verantwortlich, informiert der Verein Foodwaste.ch auf seiner Website. Nicht nur Umweltorganisationen fordern Gegenmassnahmen, auch die Politik hat das Problem erkannt. Im Luzerner Kantonsrat wurde im letzten Jahr ein entsprechendes Postulat teilweise erheblich erklärt.

Mit einem dreijährigen Aktionsprogramm gegen Lebensmittelverschwendung will der Kanton Luzern die Bevölkerung nun für das Thema «Food Waste» sensibilisieren.

Mitnehmen dürfen die Mitarbeiter auch im Restaurant in der Halle nichts. Es werde jedoch darauf geachtet, dass die Mitarbeiter sich von den übriggebliebenen Gerichten verpflegen können, sagt uns der Verantwortliche. Aber man tue das Möglichste, um die Lebensmittelabfälle in Grenzen zu halten. «Wir haben keine zu grossen Portionen und bieten auch die Boxen an.» Diese sieht man abends jedoch nur bei den Tablarstationen stehen. Beim Restaurant heisst es dazu klar: «Wir überlassen es dem Kunden, ob er eine Box mitnehmen, oder die Resten dalassen will.»

Ausserhalb der Reichweite der Luga

Diese Aussage des Restaurants habe auch seine Berechtigung. «Bei uns steht vor allem die Sensiblisierung der Konsumenten im Fokus», erklärt Dominique Senn, Projektleiterin des Vereins Foodwaste.ch, an dessen Luga-Stand. Hier vermittelt der Verein im Rahmen der Sonderschau Tipps, wie man besser haushalten kann, um weniger Abfall zu produzieren und weniger Produkte verderben zu lassen. Und auch die Lebensmittel-Boxen sind Teil der Sonderschau. «Die Reaktionen sind sehr positiv. Kaum jemand reagiert mit einer kompletten Abwehrhaltung», so Senn. Doch ob viele Besucher ihr Verhalten an der Luga und die Tipps für weniger Lebensmittel-Verschwendung im Haushalt verknüpfen, bezweifelt sie. «Es ist natürlich sehr verlockend, sich überall bedienen zu können.»

Und auch das Prinzip mit den Boxen scheinen die Besucher nicht wirklich begriffen zu haben – sie sind jedenfalls im Lugagetümmel kaum zu entdecken. Oder die Leute sind schlichtweg zu faul dazu, die Boxen nach Hause zu tragen und abends nochmals dasselbe zu essen.

«Unser Anliegen bei diesem Thema ist primär die Sensiblisierung der Besucher», betont auch Markus Lauber, Vorsitzender der Luga-Geschäftsleitung. Eine Sensiblisierung oder Erziehung der Produzenten und Verkäufer sei eine ganze Stufe weiter und liege ausserhalb der Reichweite der Luga. «Ausserdem müsste den Essensständen und Restaurants selbst bewusst sein, dass man mit diesem Verhalten schlussendlich auch Geld fortwirft», betont Lauber.

Und zum Schluss noch ein Bild eines Standes:

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1 Kommentare
  1. Daniel Wehner, 03.05.2015, 11:50 Uhr

    Zum umgang mit lebensmitteln gelten doch regelungen im lebensmittelgesetz, da kann man nicht einfach irgend etwas machen was einem passt

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