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Gästeleichen mit Promi-Status
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Der Kaplan liegt noch auf der Bühne. Seine Mitspieler sind bereits wieder abgetreten. (Bild: dor)

Mord und Totschlag im Luzerner Theater Gästeleichen mit Promi-Status

4 min Lesezeit 26.12.2015, 16:30 Uhr

Im Luzerner Theater wird es in der letzten Spielzeit der Intendanz von Dominque Mentha richtig blutig – beim Musik-Theater «Sweeney Todd». Diese Produktion fordert nicht nur die Sänger heraus. Auch für die «toten Mitspieler» wurde ein enormer Aufwand betrieben.

Bei der brutalsten Produktion der Saison hinter die Kulissen des Luzerner Theaters schauen, wenn nicht jetzt, wann dann? Das Musiktheater Sweeney Todd unter der Leitung von Florian Pestell und Johannes Pölzgutter treibt auch Theatermuffel in die Ränge. Erst ab 14 Jahren ist der tiefschwarze Musical-Thriller empfohlen. zentral+ hat sich erst recht hingetraut und durfte sich nach der Aufführung bei der Backstage-Führung «Tatort Fleet Street» die Angst wieder nehmen lassen.

Sweeney Todd

Ein unschuldig verurteilter Barbier kennt nach fünfzehn Jahren Haft nur noch ein Ziel: Rache an dem verantwortlichen Richter, der zudem, wie sich herausstellt, die Ehefrau in den Selbstmord trieb und die Tochter als Mündel malträtiert. Wie gut, wenn es da der Beruf erlaubt, mit scharfem Messer an Männerkehlen zu hantieren. Sogleich nimmt der Barbier seine Arbeit auf, doch generiert das geplante Attentat so manches unbeabsichtigte Opfer …

Achtung, Blut!

Gleich nach dem Schlussapplaus der Vorstellung trifft man sich im Foyer. Tanz-Dramaturgin Lucie Machan hat Schuhüberzieher für die Teilnehmer der Führung mitgebracht – wegen dem vielen Blut auf der Bühne. Anziehen müssen wir sie jedoch nicht. Die Bühnencrew ist schnell und der Boden wurde bereits feucht aufgenommen, als wir fünf Minuten nach dem Schlussapplaus hinter die Kulissen treten. Es riecht nach Putzmittel und Schweiss.

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Kunstblut, gruslige Kasperlitheater-Puppen und Rasierzeug liegen herum. Und in der Ecke liegen die toten Stars dieser Vorstellung, neben den grossartigen Darstellern selbstverständlich – allen voran Todd Boyce und Marie-Luise Dressen in den Hauptrollen. Insgesamt 13 Leichenpuppen spielen bei Sweeney Todd mit. Und es könnten auch noch mehr sein. Denn einige der Leichen übernehmen gar Doppelrollen in der Inszenierung. Eine organisatorische Herausforderung.

Entspannen nach der Aufführung. (Bild: dor)

Entspannen nach der Aufführung. (Bild: dor)

Auf einem Leichenplan, den Machan uns präsentiert, sind alle Puppen aufgeführt. Ein zweiter, detaillierter Plan gibt noch mehr Informationen: Standort, Name oder Beruf, Todesursache und Informationen zur Probe und der Aufgabe auf der Bühne – wer fällt wo herunter, wer wird getragen, geschleift, wem wird die Kehle aufgeschnitten – alles ist genaustens geplant.

Alle Puppen kriegten Luzerner Gesichter

Die Arbeit, die für die Leichenpuppen betrieben wurde, ist immens. Jede Puppe wurde mit Gelenken ausgestattet, damit sie beim Fallen oder Liegen auch menschlich wirkt, und mit mordspezifischen Wunden versehen. Der «Professor» kriegte sogar einen Haufen Kieseln in den Hintern, erklärt Machan lachend. Damit er überzeugend sitzen kann. Die Puppen erhielten auch Kostüme in der hauseigenen Schneiderei. Ausmessen und Anproben waren dabei inklusive.

Der Leichenplan. (Bild: dor)

Der Leichenplan. (Bild: dor)

Doch die grösste Arbeit an den Leichen waren ihre Gesichter. Von den Solisten und von Mitgliedern des Chores, die im Stück mit dabei sind, wurden Gesichtsabdrücke genommen. Diese wurden gegossen, auf die Puppen angepasst, bemalt und mit Haar und Blut dekoriert. Jede der 13 Puppen hat nun also ein Luzerner Gesicht aus Latex, auch Gummimilch gennant, oder aus Kunststoffharz.

Die Gäste liegen bereit zum Make-over. (Bild:zvg)

Die Gäste liegen bereit zum Make-over. (Bild:zvg)

Mit Luzerner Gesichtern zurück nach Bayreuth

Da das Luzerner Theater normalerweise weniger Leichen benötigt, sind bei Sweeney Todd nur zwei einheimische Leichen auf der Bühne. «Elf der Puppen sind Gästeleichen aus Bayreuth», erklärt Machan. Sie werden, nachdem die Produktion abgespielt ist, wieder dorthin zurückreisen. «Dort werden sie so, wie sie vom Luzerner Theater gestaltet wurden, wieder fleissig als Leichen in Wagner-Opern spielen. Und wenn man dann im Bayreuther Festspielhaus eine Vorstellung mit Puppen erlebt, wird man sozusagen Flurin Caduff, Utku Kuzuluk, Euynkong Lim und Carlo Cho auf der Bühne sehen können.»

Für den richtigen Blutverlauf wurden keine Mühen gescheut. (Bild: zvg)

Für den richtigen Blutverlauf wurden keine Mühen gescheut. (Bild: zvg)

Mehr über die Backstage-Führung wollen wir hier aber nicht verraten. Die verschiedenen Blutarten, deren Herstellung, der Barbier-Schleudersitz und weitere Backstage-Insider-Informationen sollen noch ein Geheimnis bleiben, für die, die sich Sweeney Todd noch anschauen wollen. «Tatort Fleet Street»-Führungen hinter die Kulissen sind im Januar noch zu kriegen.

 

Musical-Thriller «Sweeney Todd»

Musical-Spass zu Silvester! Noch auf der Suche nach einem anregenden Vorprogramm für den Silvesterabend? Der berühmte Musical-Thriller «Sweeney Todd» von Stephen Sondheim bringt Humor und Hochspannung auf die Bühne des Luzerner Theaters! Mit exklusiver Special-Einlage und weiteren Überraschungen: Do. 31.12.15, 19–22 Uhr. Informationen und Tickets unter http://www.luzernertheater.ch/sweeney-todd #SweeneyTodd

Posted by Luzerner Theater on Mittwoch, 16. Dezember 2015


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