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Fussball soll in Baar regieren, und ein Linker in Hünenberg
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Hubert Schuler will sich in Bern für soziale Anliegen einsetzen, wenn er gewählt wird. «Die fünf rechtsbürgerlichen Herren sind ein Armutszeugnis», sagte Schuler. (Bild: Samuel Schalch)

Überraschung bei den Zuger Wahlvorschlägen Fussball soll in Baar regieren, und ein Linker in Hünenberg

6 min Lesezeit 31.07.2018, 18:11 Uhr

Wird Hubert Schuler der erste linke Gemeindepräsident in Hünenberg? Und schafft Martin Pulver, der Präsident des FC Baar, den Sprung in den Gemeinderat? Nachdem nun die Wahllisten vorliegen, ist klar: Noch bevor der Wahlkampf richtig begonnen hat, verheisst er Spannung.

Erst müssen die Wahllisten genehmigt werden, bevor der Wahlkampf für die Zuger Gesamterneuerungswahlen am 7. Oktober so richtig beginnen kann. Doch diese halten die eine oder andere Überraschung bereit, welche auf einen spannenden Wahlausgang hoffen lässt.

Am dramatischsten ist die Lage in Baar, dem übergrossen Dorf, das sich trotz seiner 24’000 Einwohner nur von einem siebenköpfigen Gemeinderat regieren lässt. Hier steht die CVP kurz davor, ihre Machtstellung weiter auszubauen. Drei Sitze hatten die Christdemokraten bisher in der Kommunalregierung.

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Baar: Rechts wackeln die Kandidaten

Den CVP-Sitz für den altgedienten Paul Langenegger könnte Gemeindeschreiber Walter Lipp übernehmen, der auch hervorragende Chancen hat, von der FDP den Hut des Gemeindepräsidenten zu erben – vorausgesetzt, die alternative Gemeinderätin Berty Zeiter spuckt ihm nicht noch in die Suppe und macht das Rennen.

Spannend wird die Wahl aber insbesondere um die beiden anderen Sitze, die neu vergeben werden – jene, die bisher von Gemeindepräsident Andreas Hotz (FDP) und Finanzchef Paul Steinmann (SVP) besetzt waren. Die FDP präsentiert mit dem Bauingenieur Karl Bürgler und der Apothekerin Sonja Zeberg-Langenegger zwei wenig bekannte und eher jüngere Ersatzkandidaten. Die SVP nominiert neben Max Colpi auch Oliver Wandfluh, der im Kantonsrat sitzt und sich dort als markiger Politiker mit Ecken und Kanten präsentiert hat.

Fussballer, Bobfreund, Offizier greift ein

Martin Pulver.

Martin Pulver.

(Bild: zvg)

Ob ein so klares Profil auch vom Stimmvolk goutiert wird? Der Sozialdemokrat Zari Dzaferi, der ebenfalls in die Gemeinderegierung will, ist gesellschaftlich ziemlich gut eingemittet, und der Grünliberale Martin Zimmermann, ein Wirtschaftsinformatiker, wäre es ebenso, ist indes nicht sonderlich bekannt.

Die Überraschung in Baar kommt von Martin Pulver, der für die «Aktion unabhängiger Bürgerlicher» ins Rennen steigt. Der 51-jährige Rechtsanwalt ist seit 2011 Präsident des FC Baar. Früher lebte er im Kanton Zürich und war im Vorstand des Schweizerischen Judoverbandes, Präsident des Bob Club Zürichsee und engagierte sich ausserdem im Offiziersverein und einem Gewerbeverein.

Eine neue Sichtweise einbringen

Er finde, der Gemeinderat könne sich noch besser für die Anliegen der Bevölkerung und der Baarer Vereine einsetzen, sagte Pulver gegenüber zentralplus. Er wolle dies ändern und gleichzeitig auch die Unbeschwertheit eines Unabhängigen in den Gemeinderat bringen. «Das tut Baar sicher gut.»

«Ich bin für die Wahl zuversichtlich.»

Martin Pulver, unabhängiger Gemeinderatkandidat Baar

Seine politische Heimat sei «klar bürgerlich», sagt Pulver. Seine Positionen liessen sich irgendwo zwischen SVP und FDP verorten – manchmal auch bei der CVP.

Seine Wahlchancen schätzt Pulver, der auch für den Kantonsrat kandidiert, «realistisch» als «nicht sehr gross» ein. «Aber ich bin dennoch zuversichtlich», fügt er leichthin an.

Von der Judo-Matte auf den grünen Rasen

Wer weiss, vielleicht kommt der smarte Anwalt zu einem Gemeinderats-Mandat, wie einst zum Amt des FC-Baar-Präsidenten – unvermittelt. «Ich wurde damals von einem Nachbarn angefragt», sagt Pulver, der selber vom Judosport kommt, aber sich nach eigenen Aussagen längst mit dem Fussball angefreundet hat. «Ich bin immer noch mit grosser Freude dabei», sagt Pulver zu seinem Engagement beim Fussballclub.

Man darf gespannt sein, ob Pulver eine Überraschung schafft. Oder ob er einem der rechtsbürgerlichen Mitbewerber Stimmen klaut, und dies allenfalls den beiden Mitte-links-Kandidaten nützt.

Hünenberg: Gewinnt die CVP an Prestige?

Am radikalsten wird die Erneuerung durch die kommenden Wahlen in der Gemeinde Hünenberg sein. Dort ist eine Mehrheit der Sitze neu zu besetzen, ebenso das Gemeindepräsidium. Auch hier hat die CVP die Möglichkeit, sich auf Kosten der FDP zu verstärken. Denn die  Freisinnigen stellten bisher mit Regula Hürlimann die Gemeindepräsidentin. Für die nächste Wahlperiode treten indes nur zwei bisherige Gemeinderäte wieder an – die beiden Christdemokraten Thomas Anderegg und Renate Huwyler.

Renate Huwyler, die seit acht Jahren im Gemeinderat sitzt und als Vorsteherin Sicherheit und Umwelt amtet, möchte Gemeindepräsidentin werden. Dies will Claudia Benninger Brun von den Freisinnigen verhindern. Sie ist als Schulleiterin in der Gemeinde bekannt, aber politisch relativ unerfahren – und sitzt erst seit wenigen Jahren im Vorstand der Ortspartei.

Ihnen in Bezug auf Bekanntheit das Wasser reichen kann Hubert Schuler, der schon lange für die SP im Kantonsparlament sitzt und als Kantonsratspäsident auch schon mal höchster Zuger war.

Wird ein Sozi neuer Gemeindepräsident in Hünenberg?

In der Kommunalpolitik ist er zwar als Präsident der Ortspartei bewandert. Schuler, der als Elektromonteur ins Berufsleben startete, hätte als Leiter der Sozialen Dienste Baar bestimmt das Zeug, um Gemeinderat zu sein. Aber ob die Bewohner der wohlhabenden Quartiere in Hünenberg See wirklich einen Sozialdemokraten zum Präsidenten wählen würden?

«Ich rechne mit einem zweiten Wahlgang.»

Hubert Schuler, Kandidat Gemeindepräsidium Hünenberg

«Das bleibt abzuwarten», sagt Hubert Schuler, der darauf hinweist, dass Hünenberg schon wiederholt linke Gemeinderäte hatte. Auch wenn das Gemeindepräsidium der Ennetseegemeinde bisher immer in bürgerlicher Hand war.

Zweiter Wahlgang in Hünenberg?

Schuler geht selbstbewusst ins Rennen: Er verfüge über die breiteste politische Erfahrung der Gemeinderatskandidaten. Sollte er zum Gemeinderat gewählt werden, will er die Leitung der sozialen Dienste in Baar abgeben. Sollte er gar Gemeindepräsident werden, dann will er die Stelle bei der Gemeinde Baar kündigen. «Ich bin mit meinem Arbeitgeber in Verhandlungen, wie ein künftiges Engagement aussehen könnte», sagt er.

Persönlich rechnet Schuler mit einem zweiten Wahlgang in Hünenberg. Wenn’s nach dem Sozialdemokraten geht, tritt dabei nicht die FDP-Herausfordererin gegen die CVP-Frau an – sondern Schuler selbst.

Immerhin: Wer in Hünenberg zur Wahl antritt, hat gute Chancen, auch gewählt zu werden. Für fünf Sitze stehen nur sechs Kandidaten zur Auswahl – neben den Genannten treten auch der Kaufmann Dany Gygli für die FDP an und der Schreiner Pius Hürlimann für die SVP.

Patt in Zug und Steinhausen

Überhaupt scheinen zweite Wahlgänge bei den Kommunalwahlen im Herbst mancherorts nicht ausgeschlossen. In der Stadt Zug, wo die Einreichung der Wahllisten keine neuen Kandidaten für den Stadtrat zutage förderte, scheinen sie so gut wie sicher.

Selbst in Baar, wo Lipp auf der Pole Position steht, ist ein zweiter Urnengang nicht ausgeschlossen. Auch in Steinhausen nicht.

Dort steht mit dem Piraten Stefan Thöni ein Aussenseiter zur Auswahl, der auch schon eine gewisse Bekanntheit erlangt hat. Doch bei seinen Kandidaturen, wie jüngst zum Verwaltungsrichter in Zug, hat er nie wirklich viele Stimmen verbuchen können.

Steinhausen: Wer beerbt den alternativen Bauchef?

Besser stehen die Chancen für Gemeinderat Hans Staub, der das Präsidium für die CVP verteidigen will. Als Angreiferin tritt Gemeinderätin Esther Rüttimann für die Freisinnigen an.

In Steinhausen interessiert, wer Nachfolger von Bauchef Andreas Hürlimann wird, der für die Grünalternativen in die Zuger Kantonsregierung gewählt werden will – und dafür intakte Wahlchancen hat. Ihn beerben möchte Christoph Zumbühl, ein Jugendarbeiter und Kaufmann. Im linken politischen Spektrum könnte ihm Stefan Thöni noch Stimmen abspenstig machen.

Doch auch noch andere Kandidaten wollen in die Steinhauser Gemeinderegierung, wo ausserdem noch ein CVP-Sitz vakant wird: für die Christdemokraten Markus Amhof, ein Förster und Landwirt, ausserdem für die SVP Bruno Beck, ein Elektromonteur.

Hinweis: Die Wahllisten liegen derzeit und bis 1. August um 17 Uhr auf den Gemeindekanzleien öffentlich auf – dort kann man in begründeten Fällen Einsprache dagegen erheben.

 

 

 

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