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Für zwei Genossenschaften war das Risiko zu gross
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Wohnbaugenossenschaften aus der Region wollen an der Industriestrasse (vorne im Bild) bauen. (Bild: Gabriel Ammon)

Projekt Industriestrasse Luzern Für zwei Genossenschaften war das Risiko zu gross

3 min Lesezeit 16.12.2014, 18:10 Uhr

Sechs regionale Wohnbaugenossenschaften hatten sich zusammengetan, um auf dem Areal der Industriestrasse zu bauen. Wie nun bekannt wurde, haben zwei Genossenschaften das Projekt aber bereits verlassen. Ist die grösste städtische Genossenschaft die Rettung für das Projekt?

Die Frist ist abgelaufen. Bis Ende November konnten sich Interessenten mit einem Konzept für eine gemeinnützige Wohnüberbauung auf dem Areal der Industriestrasse bewerben. Die öffentliche Ausschreibung richtete sich an gemeinnützige Genossenschaften. Wie viele sich bisher beworben haben, ist nicht bekannt. Bei der Stadt will man dazu noch keine Auskunft geben, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Klar ist: Die «Kooperation Industriestrasse» hat eine Fristverlängerung erhalten. Sie wird ihr Konzept Ende Januar einreichen. Die Kooperation besteht aus sechs Mitglieder des regionalen Netzwerks für Wohnbaugenossenschaften «G-Net» (zentral+ berichtete). Rund 40’000 Franken soll das Konzept kosten, das zurzeit in Arbeit ist.

Geissenstein steigt aus Projekt aus

Wie nun bekannt wurde, hat sich die Wohnbaugenossenschaft Geissenstein (EBG) aus dem Projekt zurückgezogen. Im aktuellen Mitteilungsblatt der Wohnbaugenossenschaft steht: «Der Aufsichtsrat hat beschlossen, auf eine Teilnahme am Projekt Industriestrasse zu verzichten.» Die Mitglieder der Genossenschaft stehen offenbar hinter diesem Entscheid. Denn dieser wurde «mit offenem Applaus bedacht», wie es weiter heisst. 

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Finanzielles Risiko zu gross

5 regionale Genossenschaften vereinigen sich

Am 23. September 2012 wurde die Initiative «Ja zu einer lebendigen Industriestrasse» von den Stadtluzernern angenommen. Die Initiative schreibt vor, dass das Areal Industriestrasse an einen gemeinnützigen Wohnbauträger im Baurecht abzugeben ist. Unter dem Namen «Kooperation Industriestrasse» haben sich ursprünglich sechs Wohnbaugenossenschaften zu einer einfachen Gesellschaft zusammengetan, um das Areal zu bebauen. Heute besteht die Kooperation noch aus fünf Genossenschaften: Die Wogeno, die Liberale Baugenossenschaft Sternmatt-Tribschen, die Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft Industriestrasse, die Baugenossenschaft Wohnwerk sowie die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern. Nicht mehr am Projekt beteiligt sind die Wohnbaugenossenschaft Geissenstein und die Luzerner Bau- und Mietergenossenschaft.

Zu viele Fragen seien beim Projekt noch offen, sagt Präsident der EBG, Daniel Käslin, auf Anfrage. «Für uns war nicht klar, welche finanzielle Verpflichtung auf uns zukommen würde.» Er spricht von einem zu grossen finanziellen Experiment. «Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Genossenschafter», sagt Käslin. Die Genossenschaft agiere nach dem Grundsatz der Kostenmiete. «Das bedeutet, dass alle Kosten, die durch die Ausgaben entstehen, wieder durch die Miete eingenommen werden müssen», erklärt Käslin. Da die EBG in der Kooperation nur ein Stimme unter vielen gewesen wäre, sei das Risiko für die Genossenschaft zu gross. Im «Geissensteiner» steht aber auch: «Sollten sich die Rahmenbedingungen an der Industriestrasse unerwartet wesentlich verbessern, wäre ein Rückkommen denkbar.» Die EBG war mit 430 Wohnungen die grösste Genossenschaft, die sich in der Kooperation beteiligte.

Weitere Genossenschaft ausgestiegen

Die EBG ist nicht die einzige Genossenschaft, die aus dem Projekt ausgestiegen ist. Auch die Luzerner Bau- und Mietergenossenschaft (BML) ist offiziell nicht mehr in der Kooperation vertreten. René Brun aus dem Vorstand der BLM erklärt: «Wir haben ein anderes Projekt angeboten bekommen, das uns näher liegt. Wir müssen haushälterisch mit den finanziellen Ressourcen umgehen und haben uns für das andere Projekt entschieden.» Brun betont aber, dass die BML auch weiterhin hinter dem Projekt Industriestrasse stehe und sich eventuell zu einem späteren Zeitpunkt wieder beteiligen wolle.

ABL will Projekt «mehr Gewicht geben»

Durch den Ausstieg der beiden Genossenschaften ist das finanzielle Risiko der anderen Mitglieder der Kooperation sogar noch gestiegen. Rückhalt bietet dem Projekt nun die grösste städtische Baugenossenschaft, die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL). Sie ist neu der Kooperation beigetreten. «Die Industriestrasse ist ein wichtiges Projekt für die Stadt Luzern», sagt Bruno Koch, Geschäftsleiter der ABL. Deshalb wolle man Unterstützung bieten. «Wir haben bei einzelnen Genossenschaften gewisse Unsicherheit gespürt und uns entschieden, mitzumachen, um dem Projekt mehr Gewicht zu geben.»

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