Für Zentralschweizer Skigebiete wäre Schliessung «eine Katastrophe»
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Am Jochpass sind die Liftanlagen bereits in Betrieb. (Bild: Screenshot)

Unverständnis für Signale aus Bern Für Zentralschweizer Skigebiete wäre Schliessung «eine Katastrophe»

4 min Lesezeit 15.12.2020, 14:04 Uhr

Viele Skigebiete in der Zentralschweiz haben die Saison gerade erst eröffnet oder stehen kurz davor. Doch sie sehen sich bereits mit einer erneuten Unsicherheit konfrontiert: Bundesrat Alain Berset legt den Kantonen nahe, eine Schliessung in Betracht zu ziehen, sollten die Fallzahlen stark steigen.

In einem Interview mit dem Westschweizer Fernsehen RTS liess Bundesrat Berset am Sonntag verlauten, die Kantone müssten bei steigenden Zahlen reagieren. Kantone, welche die Epidemie nicht im Griff haben, sollen Skigebiete schliessen.

Die Schliessung sei sogar eine der ersten Massnahmen, die in Betracht zu ziehen sei. Zentralplus hat mit den Verantwortlichen der Zentralschweizer Skigebiete über die Signale aus Bern gesprochen.

In Engelberg haben sich die Schutzkonzepte eingespielt

Die Zentralschweizer Skigebiete sind grundsätzlich von der Wirksamkeit ihrer Schutzkonzepte überzeugt. Sie gehen auch vom guten Willen der Kantone aus, sagt etwa Marketingleiter Urs Egli vom Skigebiet Engelberg-Titlis. Ähnlich tönt es in den anderen angefragten Skigebieten.

Die ausgearbeiteten Schutzkonzepte konnten teilweise, wie im Fall von Engelberg, schon länger als zwei Monate getestet und angepasst werden. Obwohl das Skigebiet vergangene Woche aufgrund der langen Menschenschlange vor der Talstation in der Kritik stand, sieht Urs Egli den Festtagen gelassen entgegen: «Unser Skigebiet ist seit Mitte Oktober geöffnet, die Schutzkonzepte funktionieren und wir sind optimal auf die kommenden Tage vorbereitet.»

«Alle haben Zeit und Geld investiert, um die Vorgaben des Bundes und der Kantone zu realisieren. Ein erneuter Lockdown würde enorme Kosten verursachen und auch die umliegenden Dörfer stark tangieren.»

Urs Keller, Bergbahnen Hoch-Ybrig

Trotz strikter Regeln liege der Fokus auf der Zufriedenheit der Gäste, so Egli. Unter Einhaltung der Sicherheitsmassnahmen könne ein «fast normaler» Skitag genossen werden; die Bergbeizen sind bis zur letzten Talfahrt geöffnet, der viele Neuschnee übers Wochenende verspricht gute Pisten. In Engelberg wurde das gesamte Personal aufgeboten. «Jetzt wieder alle zurückzubeordern wäre finanziell für die Region nur sehr schwer tragbar.»

Allein im Hoch-Ybrig wären 240 Mitarbeiter betroffen

Anders als in Engelberg öffneten die Skigebiete Sörenberg und Hoch-Ybrig erst vergangenen Samstag, Hoch-Ybrig startete nur im Teilbetrieb in die Saison. Das Gebiet steht bis jetzt nur Jahres- und Saisonkartenbesitzern offen – der Betrieb soll aber möglichst schnell ganz hochgefahren werden, wie Urs Keller von den Sportbahnen Hoch-Ybrig sagt.

In den Skigebieten herrscht also bereits Hochbetrieb – und genau jetzt kommen wieder Zweifel auf, ob die Saison nicht bald schon wieder vorbei ist. Die Schliessung der Skigebiete, wie sie der Bundesrat den Kantonen zur Abwägung vorschlägt, «käme einer Katastrophe für die Branche gleich», sagt Urs Keller. «Alle haben Zeit und Geld investiert, um die Vorgaben des Bundes und der Kantone zu realisieren. Ein erneuter Lockdown würde enorme Kosten verursachen und auch die umliegenden Dörfer stark tangieren, da die Bergbahnen wichtige Arbeitgeber in der Region sind.» So müssten bei einer Schliessung im Skigebiet Hoch-Ybrig 240 Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet werden. «Der Kanton müsste dafür finanziell wieder einspringen», wie Keller betont.

Theo Schnider appelliert, Ruhe zu bewahren

Auch in anderen Skigebieten wird auf die enorme Bedeutung der Bergbahnen als Arbeitgeberinnen verwiesen: Theo Schnider von den Bergbahnen Sörenberg: «Das Skigebiet Sörenberg ist für die Region Entlebuch der wichtigste Arbeitgeber, die Schliessung wäre nicht nur unmittelbar für die betroffenen Bergbahnen und deren Mitarbeiter dramatisch, sondern auch für die umliegenden Dörfer.»

Die fehlende Planungssicherheit macht vielen Verantwortlichen zu schaffen. «Trotzdem darf man jetzt nicht in Panik geraten», sagt Schnider.

So bleibt den Verantwortlichen der Bergbahnen derzeit nur zu beteuern, dass ihre Schutzkonzepte funktionieren. Einer möglichen Schliessung sehen sie mit Unverständnis entgegen. Alles hängt jetzt von den Fallzahlen ab – wenn sie weiter steigen, müssten die Skigebiete, trotz aller Anstrengungen um ein funktionierendes Schutzkonzept, bald ihre Türen für einige Zeit schliessen.

Ein anderes Problem sind die Spitalkapazitäten: Verunfallte Schneesportler könnten die Krankenhäuser, die bereits jetzt an ihre Grenzen kommen, komplett überlasten, schreibt der «Tages-Anzeiger» am Dienstag. Graubünden hat deshalb darum gebeten, verletzte Wintersportler in ihre Wohnkantone transportieren zu dürfen. Doch diese blockten ab. Der Grund: Sie haben jetzt schon kaum Kapazitäten.

Wie funktioniert das Schutzkonzept in den Skigebieten?

Es gelten Kapazitätsbeschränkungen in den Gondeln, auf den Liften und in allen geschlossenen Räumen. Neben den üblichen Abstandsregeln wird darauf geachtet, dass regelmässig gelüftet wird und stets genügend Desinfektionsmittel vorhanden sind. Auf eine generelle Beschränkung der Personenanzahl wird in den meisten Skigebieten verzichtet.

Nur die Skiarena Andermatt-Sedrun beschränkt die maximale Anzahl an Gästen auf 8’000, im Vorjahr waren jeweils bis zu 12’000 Gäste an Hochsaisontagen auf den Ski. Skibegeisterte werden ausserdem in eigens dafür erarbeiteten Personenleitsystemen mit möglichst wenig Fremdkontakt in die Höhe befördert.

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