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Für einmal spannt die Uhrenmeile mit den kleinen Geschäften zusammen
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Adi Seeberger, Co-Präsident im Fest-OK und Inhaber des Old Town Record Store am Falkenplatz, mit dem Flyer. (Bild: jal)

Luzern: Grendel und Löwengraben veranstalten Fest Für einmal spannt die Uhrenmeile mit den kleinen Geschäften zusammen

5 min Lesezeit 04.05.2019, 11:16 Uhr

Der Luzerner Grendel lebt von Touristen, der Löwengraben von kleinen Geschäften. Für einmal ziehen die gegensätzlichen Strassen in der Altstadt am selben Strick und veranstalten ein Strassenfest. Der Anlass soll aber weder das Luzerner Fest ersetzen noch tourismusgeplagte Städter besänftigen.

Da die «Uhrenmeile» Grendel, dort der «Hinterhof» Löwengraben: Die zwei Strassenabschnitte in der Luzerner Altstadt, verbunden durch die Kanalisation und den Falkenplatz, haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Für einmal spannen die beiden unterschiedlichen Teile der Altstadt jedoch zusammen: Am 18. Mai organisieren sie zusammen mit der Stadt Luzern ein Strassenfest.

Am «Löwengraben-Grendel-Fest» nehmen insgesamt rund 40 Geschäfte teil. Darunter mehrere Uhren- und Schmuckboutiquen auf der einen und viele kleine Einzelhandelsläden auf der anderen Seite. «Es ist eine spannende Konstellation mit der bislang vergessenen Strasse, dem Löwengraben und dem Grendel als hochtouristisches Gegenteil», sagt Adi Seeberger, Co-Präsident des Organisationskomitees.

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«Lokal und international», lautet passenderweise der Slogan des Fests. «Das widerspiegelt die Angebote entlang der beiden Strassen», sagt Seeberger.

Ein Dankesfest

Als Inhaber des Old Town Record Store am Falkenplatz gehört Seeberger zum lokalen Teil. Die aussergewöhnliche Zusammenarbeit ist auf eine Initiative der Stadt zurückzuführen. Denn das Löwengraben-Grendel-Fest wurde von den Behörden angestossen, als Abschlussfeier der Sanierung der beiden Strassen.

Im letzten Jahr ist die Achse Grendel-Falkenplatz-Löwengraben für ingesamt 3,7 Millionen Franken neu gestaltet worden (zentralplus berichtete). «Der Anlass ist ein Dankeschön an die Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Geschäftstreibenden am Grendel und Löwengraben, die von den Arbeiten betroffen waren», sagt Projektleiter Daniel Nussbaumer.

«Das Fest soll keineswegs ein Zeichen gegen den Tourismus sein.»

Adi Seeberger, Co-Präsident

Die Neugestaltung zu zelebrieren, stiess auch bei den Uhren- und Schmuckgeschäften auf Anklang. «Wir sind Teil der Grendel-Graben-Strasse, deshalb war für uns schnell klar, dass wir uns mit den kleinen Geschäften solidarisieren und uns gemeinsam für eine lebendige Altstadt engagieren», sagt Beat Schmid, Direktor von Bucherer Luzern.

Konzerte, Spiele, Superalphorn

Das Löwengraben-Grendel-Fest findet am 18. Mai von 12 bis 19 Uhr statt. Rund 30 Stände veranstalten Spiele, verkaufen Getränke und Essen oder andere Produkte. Am Grendel empfängt ein 18 Meter langes Alphorn die Besucher, auf dem Falkenplatz sorgt eine Bühne für musikalische Unterhaltung, dazu gibt es für die Kinder unter anderem ein Karussell, einen Bagger und einen Clown. Die Strasse ist vom «Soul Chicken» bis an den Schwanenplatz für den Verkehr gesperrt. Mehr Infos zum Fest gibt es hier.

Das bekannte Luzerner Unternehmen ist mit mehreren seiner Boutiquen am Fest präsent. Zudem unterstützen die Uhrengeschäfte am Grendel das Fest als Hauptsponsoren auch finanziell. Das gesamte Budget beträgt rund 26’000 Franken, 5’000 Franken davon steuert die Stadt bei.

Am Falkenplatz wird eine Bühne aufgestellt, auf der für den Verkehr gesperrten Achse Schwanenplatz–Mühlenplatz stehen rund 30 Stände mit Essen, Getränken, Spielen oder Produkten. Adi Seeberger zum Beispiel empfängt die Gäste mit seinem Vinylomaten, einem kleinen Aufnahmestudio quasi in einer Telefonkabine (siehe Box).

Trotz des ganzen Programms bleibe es ein überschaubarer, familiärer Anlass. «Wir wollen weder das Luzerner Fest noch das Altstadtfest ersetzen, obwohl es dieses Jahr ein Vakuum gibt, weil diese beiden Feste per Zufall 2019 beide nicht stattfinden», sagt Seeberger.

Aufbruchstimmung im Hinterhof

Von der Neugestaltung der Achse erhofft man sich vielerorts auch eine stärkere Belebung der Altstadt, die gerade nach Ladenschluss oft in Schlafstimmung verfällt. Und in der Tat: Mit der Eröffnung des Gefängnishotels Barabas, dem neuen japanischen Restaurant Nozomi Izakaya und den neuen Betreibern der Jazzkantine hat der Löwengraben in letzter Zeit einige neue Impulse erhalten.

Zwar sollen hier im Sommer einige Cafés ihre Tische und Stühle rausstellen können, doch bleibt der Grendel wohl eher trist.

Der neu gestaltete Grendel.

(Bild: jal)

Es ist Aufbruchstimmung zu spüren. Man könnte schon fast denken, es gehe darum, die von Touristen belagerten Strassen der Altstadt zurückzuerobern. «Nein, das Fest soll keineswegs ein Zeichen gegen den Tourismus sein», sagt Plattenladen-Besitzer Adi Seeberger. Der lokalen Bevölkerung etwas zurückzugeben, sei aber für alle eine Notwendigkeit.

Auch Beat Schmid, Direktor von Bucherer Luzern, spricht von einem «Fest für die Luzerner». Dieses finde aber völlig unabhängig von der latent aktuellen Debatte über die Carfrage und den Overtourismus statt.

Mehr Grün – und bunte Wände?

Apropos Neugestaltung: Das Stadtparlament hat kürzlich – gegen den Willen des Stadtrates – entschieden, dass es am Löwengraben und Grendel grüner werden soll. Die Stadt muss nun prüfen, wie sie diese Achse noch attraktiver gestalten könnte, zum Beispiel mit Sitzbänken oder Pflanzen. Das Ergebnis sei ausstehend, sagt Projektleiter Daniel Nussbaumer.

Was die Belebung betrifft, sei man seitens der Stadt bis anhin zufrieden, da bereits während der Bauphase einige Restaurants anfragten, den Platz draussen nutzen zu dürfen. Man müsse aber die Entwicklung bis mindestens Ende Jahr abwarten für ein objektives Urteil.

«Ein solches Fest ist auch eine Chance, um die Menschen zusammenzubringen, die an diesen beiden Strassen wohnen und arbeiten.»

Beat Schmid, Direktor Bucherer Luzern

Adi Seeberger von der IG Löwengraben würde es begrüssen, wenn die Strasse mit etwas mehr Pflanzen ausgestattet würde. Das hat in seinen Augen aber nicht unbedingt oberste Priorität. Die IG hegt selber Pläne, die Hausbesitzer zu kontaktieren. Vor allem von jenen Gebäuden, die zur Weggisgasse hin ausgerichtet sind und die dem Löwengraben den Rücken kehren. «Bei denen hat es sehr viele Flächen, die überhaupt nicht gebraucht werden.» Als Idee steht im Raum, mit der Hochschule für Gestaltung ein Projekt «anzuteiggen», um allenfalls die Wände anders zu gestalten – «sodass der Eindruck dieser Rückseite in etwas Kreatives verwandelt werden kann».

Weitere Projekte nicht ausgeschlossen

Vorerst steht nun aber das Fest vor der Tür. Die Zusammenarbeit mit den Uhrenboutiquen laufe gut, sagt Adi Seeberger. Und könnte womöglich auch eine Tür für die Zukunft öffnen. Beat Schmid von Bucherer Luzern schliesst jedenfalls nicht aus, dass weitere gemeinsame Projekte folgen könnten. «Ein solches Fest ist auch eine Chance, um die Menschen zusammenzubringen, die an diesen beiden Strassen wohnen und arbeiten. Denn alle aus dieser bunten Mischung am Grendel-Löwengraben tragen zum Leben in der Altstadt bei.»  

Detail am Rande: Trotz der guten Zusammenarbeit zwischen Uhrenmeile und lokalen Geschäften, gleichgestellt sind sie dennoch nicht. Auch nicht für einen Tag: Das Gesuch der Geschäfte am Löwengraben, am Fest am 18. Mai wie die Uhrenläden ausnahmsweise auch bis in den Abend hinein offenhaben zu dürfen, ist laut Adi Seeberger vom Fest-OK abgelehnt worden.

Was ist mit der geplanten Bar neben dem Gefängnishotel?

Von einem «Revival des Löwengrabens» sprachen in der Vergangenheit auch Marlen Amberg und Joël van Eck. Die beiden wollten beim alten Gefängnis eine Bar mit dänischem Konzept und Boulebahn eröffnen – eigentlich letzten Herbst (zentralplus berichtete).

Doch wer beim Hotel Barabas vorbeispaziert, findet nebenan nach wie vor eine Garage statt einem Lokal. Gibt es doch keine Bar? Doch: Am Konzept habe sich grundsätzlich nichts verändert, sagt Marlen Amberg auf Anfrage. «Nach sehr langem Warten und zwei Einsprachen haben wir nun endlich die Baubewilligung erhalten.»

Ein definitives Eröffnungsdatum steht zwar noch nicht fest. Aber die Luzernerin blickt voraus: «Wir hoffen, spätestens im September eröffnen zu können.»

Einen ersten Vorgeschmack gibt es bereits am 18. Mai: Marlen Amberg und Joël van Eck werden am Löwengraben-Grendel-Fest eine Pop-up-Bar eröffnen.

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