Für diese Lady empfand Hösli «viel Liebe und noch mehr Gefühl»
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Verdrehte Hösli den Kopf: Emanuela Hutter, Schweizer Sängerin der weltweit erfolgreichen Hillbilly Moon Explosion. (Bild: zvg)

Hillbilly-Sängerin Emanuela Hutter Für diese Lady empfand Hösli «viel Liebe und noch mehr Gefühl»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 27.09.2017, 14:39 Uhr

Emanuela Hutter war eine grosse Liebe von Thomas Hösli. Bei der weltweit erfolgreichen Entertainerin zeigte der Luzerner Sänger mehr als nur Begierde und Leidenschaft. Siehe da: In Gedichten, Briefen und Liedern für seine Muse legte das bekannteste Luzerner Bühnentier, zu dessen Ehren am letzten Wochenende getanzt wurde, äusserst zarte Seiten bloss.

«Hösli war ein liebenswerter Mensch und ein unglaublich talentierter Sänger. Der begnadetste weit und breit.» Emanuela Hutter muss es wissen, wenn sie über Thomas Hösli (1965–2007) spricht: Der Sänger war und bleibt die schweizweit prägendste Musikfigur Luzerns. Zehn Jahre nach seinem Tod durch Asbestkrebs gab’s vergangenen Freitag im Südpol ein grosses Fest, das Hösli Freude gemacht hätte (zentralplus berichtete).

Emanuela Hutter (52) war auch dabei. Denn sie kennt ihn wie kaum jemand anders. Sie lebte vier Jahre an der Seite des Luzerners und erlebte ihn auch als Mitmusiker auf der Bühne. Mittlerweile tourt die Sängerin aus Wil (SG) durch ganz Europa, ihre Videos werden millionenfach angeklickt, und sie arbeitet mit vielen Prominenten.

Ein Herz und eine Bühnenseele: Emanuela Hutter und Hösli waren vier Jahre ein Paar.

Ein Herz und eine Bühnenseele: Emanuela Hutter und Hösli waren vier Jahre ein Paar.

(Bild: zvg)

Es sind Profis des Bühnenfachs: Geraint Watkins, der weltberühmte Saxofonist Pete Thomas oder gar Arielle Dombasle, die exaltierte Sängerin und Frau des französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy. Oder Sparky Phillips, der britische Gastsänger aus Emanuelas «Jackson»-Kultvideo mit ihrer Rock-Band Hillbilly Moon Explosion.

Emanuela Hutter ist ein Star

«Sie ist ein Star», sagt der Luzerner TV-Mann und Ex-Gitarrist Markus Wicker über «Manu», wie er sie liebevoll nennt. Die beiden kennen sich aus der Szene. Sie hingen nicht nur gemeinsam ab, sondern spielten auch bei Hösli mit.

So tönen The Hillbilly Moon Explosion:

 

Emanuela wird ganz leise, wenn sie von Hösli, dem einstigen «Star» der Stadt Luzern, erzählt: Sehr empfindsam, liebenswert, manchmal gar ein bisschen arglos – so beschreibt die Sängerin ihren ehemaligen Partner. Bürokram war nicht sein Ding, weshalb er sich fast nur um die Kultur kümmerte. So vergass er gar, sich bei der Gemeinde Luzern abzumelden, als er sich mit Hutter in Zürich einnistete.

Als Hösli 1993 dann wieder nach Luzern zurückkehrte, das er «unser kleines Disneyland» nannte, musste er eine happige Steuerrechnung nachzahlen. Seine Band hatte Mitleid und setzte sofort ein paar Gigs an, um die Schuld mit der Gage einzutreiben.

Hochachtung

Alles andere als Mitleid ist es, was Emanuela Hutter empfindet, wenn sie bei einem Bier im Zürcher Movie-Restaurant zwischen der Dekoration – Kameras und Scheinwerfer – über Hösli erzählt. Es ist Hochachtung und auch ein bisschen Stolz, mit diesem hyper-emotionalen Menschen zusammen gewesen zu sein. «Unglaublich, wie sensibel dieser Mann war. Er beschrieb beispielsweise den Geruch in den Gassen von Luzern im Hochsommer, so dass mir richtig warm ums Herz wurde.»

Dann liest sie ein Gedicht vor, eines der vielen, die Hösli für sie auf Pauspapier geschrieben hat. Er, der in einem Copy-Shop seine Brötchen verdiente, um seine Band oder Freunde dann an der Bar grosszügig einladen zu können.

Teil eins des Gedichtes: ohne Titel, aber mit viel Tiefe.

Teil eins des Gedichtes: ohne Titel, aber mit viel Tiefe.

(Bild: zvg)

Emanuela Hutter hat ein ganzes Bündel mitgebracht, mit einer roten Samtschleife adrett zusammengeschnürt. Sie zückt eines dieser knitsternden Blätter, es ist ein Gedicht ohne Titel, aber mit viel Tiefe. Nicht ganz astrein von Rhythmus und Takt her – aber sehr, sehr charmant. Und vor allem authentisch. «Hösli pur», wie Emanuela meint:

«Mein Engel, der ist eine Frau,
deren Schale, die ist rauh,
auch ihr Kern ist betonhart,
doch die Hände, die sind zart.

Oft denk’ ich, was ich entfangen,
machte mich zu ihr gefangen,
doch ich lieb den Käfig so,
mein Herzen, das brennt lichterloh.

Mein Engel, der ist eine Frau,
nicht durchtrieben, aber schlau,
mit Verstand, doch kein Kalkül,
viel Liebe und noch mehr Gefühl.

Oft denk’ ich, was ich da erhalten,
gibt im Alter sicher Falten,
doch die Schönheit, die ich bekam,
wird nicht altern, wird nie lahm.

Mein Engel, der ist eine Frau,
die innerste Seelen-Super-Gau,
ich kann’s nicht danken, mit einem Leben,
doch später soll’s mich auch als Engel geben.»

Teil zwei des Gedichtes: mit viel Liebe und Gefühl.

Teil zwei des Gedichtes: mit viel Liebe und Gefühl.

(Bild: zvg)

Es ist auch ein Gedicht mit viel Liebe und Gefühl. Und so erzählt Emanuela über Hösli sehr offen: «Wie viele Musiker buhlte er um Aufmerksamkeit. Und er erhielt viel Achtung durch seine Musik. Trotzdem hat er sich nie ‹prostituiert›, nie etwas nur wegen des Geldes gemacht, wenn er es musikalisch fragwürdig fand.»

Ideen im Eiltempo umgesetzt

Hösli brannte lichterloh, war voller Aktivismus, nicht nur, indem er gleichzeitig mehrere Bands am Leben hielt. Manu: «In seinen Musikproduktionen war er sehr ungeduldig, seine Ideen wurden immer im Eiltempo umgesetzt. Er war nicht der Meister der Details, wollte sich nicht mit Kleinigkeiten herumschlagen, sondern mit der grossen, respektive schnellen Kelle anrühren.»

Das ist ihm gelungen.

Hösli war auch ein Zweifler, der mit seinem Schicksal haderte, manchmal gar unsicher. Emanuela erzählt weiter: «Er hatte Angst vor Veränderungen, und deshalb behielt er seinen Job in Luzern im Copy-Shop, obwohl ihm zu jener Zeit interessantere Angebote gemacht wurden. Ihm war das, was er kannte, viel lieber als etwas Neues und Unbekanntes.»

Dann denkt sie nach, dreht wieder an ihrem schönen, hochgesteckten Haar, und sagt: «Ich würde ihn gerne wieder treffen. Um mit ihm zu singen. Oder einen seiner tollen Songs neu einzuspielen.»

Live eine Augenweide, so wie es Hösli einst auch war: Emanuela Hutter.

Live eine Augenweide, so wie es Hösli einst auch war: Emanuela Hutter.

(Bild: zvg)

«Hösli war einzigartig.» Nicht nur für Emanuela. Sie nimmt das Booklet ihres neusten Soloalbums «A Girl Like You» hervor. «Mir wird bewusst, wie viele Texte er nicht nur für mich geschrieben hat – sondern ich auch für ihn.» Sie deutet auf diesen und jenen Text. Einer heisst «Cold World» – kalte Welt.

Am Schluss bleibt ihr Finger auf folgendem Titel: «Love of my Life». Liebe meines Lebens.

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1 Kommentare
  1. Karin Müller, 28.09.2017, 14:14 Uhr

    Das Gedicht ist ein Scherzartikel, oder? Nachdem Hösli zuerst zum musikalischen Weltstar ausgerufen wurde, weil für die Blinden ja der Einäugige König ist, wird jetzt mittels qualitativ unterirdischer, offensichtlich von irgendwem im Nachhinein selbstgebastelter Fake-Lyrik der Versuch unternommen, ihn schon wieder runterzuschreiben. Das ist aber nicht die feine Art!

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