Corona-Lockerungen für Jugendliche Für die Luzerner Sängerknaben ist es «höchste Eisenbahn» zu proben

4 min Lesezeit 02.03.2021, 18:00 Uhr

Die Luzerner Sängerknaben haben sich nach viermonatiger Abstinenz erstmals wieder zu einer gemeinsamen Chorprobe getroffen. Ein Ereignis, das nicht nur den Kindern gefehlt hat, sondern auch dem Chorleiter. Denn das Coronavirus hat bei der Kantorei Luzern sichtbare Spuren hinterlassen – in allen Tonlagen.

«Wir sind heilfroh, dass wir nun wieder zusammen üben können», sagt Eberhard Rex, künstlerischer Leiter der Luzerner Kantorei, auf Anfrage. Das letzte Mal hat er seine jungen Talente der Luzerner Sängerknaben Ende Oktober physisch gesehen und geleitet. Nach den Bestimmungen des Bundes von 28. Oktober waren nebst den Auftritten auch Chorproben verboten.

Still blieb es nicht. Seit Anfang November hat Rex mit seinen verschiedenen Chören und Gruppen wöchentlich über Zoom geprobt. «Das war extrem herausfordernd, weil die Zeitverzögerung im Internet ein gleichzeitiges Zusammenspiel unmöglich macht.» Letztlich sei es aber auch darum gegangen, dafür zu sorgen, dass die Kinder nicht in einen Corona-Blues fallen. «Mir war es wichtig, immer parat zu bleiben und den Laden am Laufen zu halten», so Rex.

Alles neu dank Corona

Und der Laden scheint seit dieser Woche wieder zu laufen – trotz Schutzmasken, Zweimeter-Abständen und einer neuen Probelocation. Statt in ihrem üblichen Chorraum probten die Sängerknaben am Montagabend in der Weinbergli-Kirche. Aus Platzgründen, wie Rex erklärt. Und weil die Luftumwälzung wegen des grösseren Raumvolumens besser ist.

Und Rex nimmt die Schutzkonzepte ernst. In der Kirche verteilt er die Knaben mit genügend Abstand auf die Bänke. Die Maske bleibt die ganze Probe über auf – auch wenn sie für die Kinder eigentlich nicht Pflicht wären. «Für uns steht die Sicherheit der Kinder an erster Stelle», sagt Rex. Die Kinder scheinen sich zu freuen, sind aber beinahe andächtig ruhig, bis Eberhard Rex zum ersten Mal in die Tasten schlägt.

«Ein Chor lebt vom Zusammensein und agiert eigentlich als Mannschaft.»

Eberhard Rex, Luzerner Kantorei

Der Chorleiter treibt die Jungs an diesem ersten Zusammentreffen mit Energie und Witz an, korrigiert und motiviert. Ihre erste Live-Probe beginnen die Chorknaben nach einer kurzen Aufwärmrunde mit dem Stück «Höchste Eisenbahn» von Peter Schindler. Zu Beginn sind die Buben noch etwas eingerostet, das Zusammenspiel scheint noch nicht ganz flüssig.

«Ein Chor lebt vom Zusammensein und agiert eigentlich als Mannschaft», erklärt Rex, der die Luzerner Kantorei seit über zwanzig Jahren leitet. «In den letzten Monaten waren aber alle zwangsweise Einzelkämpfer. Wir müssen uns erst wieder finden. Corona hat uns in dieser Entwicklung behindert.»

CD mit Kinderliedern in Planung

Während der 90-minütigen Probe finden sich Rex und die 19 anwesenden Sänger dann doch. «Ich bin zufrieden», sagt der Leiter abschliessend und sichtlich erfreut. Zwar seien die Jungs noch etwas träge, aber das sei nach vier Monaten «Homeoffice» zu erwarten gewesen. Nun freut er sich darauf, weiter mit ihnen zu üben, denn obwohl momentan keine Konzerte geplant sind – und die abgesagten auf 2022 verschoben wurden – proben Eberhard Rex und die Kinder nicht nur zum Spass.

«Es ist nicht einfacher geworden, Nachwuchs für unseren Chor zu gewinnen. Aber das Interesse ist da.»

Die Stücke, die sie an dieser ersten Probe geübt haben, werden zu einem späteren Zeitpunkt in Form einer Kinderlieder–CD mit dem Titel «Hits für Kids» erscheinen.

Singen ist beliebt

Mit dem Nachwuchs haben die Luzerner Chöre keine Probleme. Trotz verschiedensten Freizeitangeboten ist Singen bei Kindern und Jugendlichen immer noch sehr begehrt. Weil es aber für Kinder immer vielfältigere Angebote gebe, muss man gemäss Eberhard Rex attraktiv bleiben. «Es ist nicht einfacher geworden, Nachwuchs für unseren Chor zu gewinnen. Aber das Interesse ist da.»

Und nicht nur bei den jüngeren Kindern. Denn nach der Probe am Montagabend mit den 9- bis 15-jährigen Sängerknaben steht – nach einer kurzen Pause – der nächste Einsatz an. «Jetzt sind die Älteren dran», sagt Eberhard Rex.

Die Kirchenbänke füllen sich langsam mit Jugendlichen ab 15 Jahren. Drei von ihnen müssen aber digital zugeschaltet werden – weil sie 21 Jahre alt sind und damit das vom Bund derzeit zugelassene Alter für Freizeitaktivitäten knapp überschreiten. Aber mit Online-Proben dürften sich diese Sänger mittlerweile ja auskennen.

Über die Luzerner Kantorei

Zur Luzerner Kantorei gehören sowohl die Luzerner Sängerknaben als auch der Luzerner Mädchenchor. Gesamthaft kommen so rund 100 angehende Sänger auf Konzertstufe zusammen. Zusätzlich betreut die Kantorei noch die Nachwuchs-Chorstufe mit Jugendlichen der 1. bis 3. Primarstufe.

Mehr Informationen dazu findest du hier.

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