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«Fünf Regierungsräte sind genug»
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Sie findet die Einsparungen ungerecht: Gabriele Plüss ist Geschäftsführerin der Pro Senectute Zug. (Bild: fam )

Zuger Regierung soll bei sich selber sparen «Fünf Regierungsräte sind genug»

4 min Lesezeit 13.04.2015, 05:06 Uhr

Der Kanton will sparen – und knöpft sich auch die privaten Organisationen vor, die einen Leistungsauftrag von ihm haben. Die stehen allerdings jetzt auf die Hinterbeine – und verlangen, dass der Kanton zuerst bei sich selber sparen soll. Dafür haben sie auch einen konkreten Vorschlag.

«Das ist ein Kahlschlag», sagt die Zuger Pro Senectute-Chefin Gabriele Plüss. Der Kanton hat ihrer Organisation im Rahmen des Entlastungsprogramms die Subvention nicht nur gekürzt, sondern gleich radikal gestrichen. Daraufhin hat sich die Interessengemeinschaft der Zuger Nonprofit-Organisationen in den Medien empört zu Wort gemeldet. Sie bemängelt, dass bei der Verwaltung nur 3.5 Prozent des Gesamtvolumens gespart werde – bei den Leistungsträgern aber 13 Prozent. Das sei stossend, sagt Plüss im Interview. «Bei der Verwaltung ist noch viel Luft.»

zentral+: Weshalb trifft Sie diese Sparmassnahme so?

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Gabriele Plüss: Der Kanton hat uns im Rahmen einer Subventionsvereinbarung 200’000 Franken jährlich für unsere Sozialberatung gesprochen. Sozialberatung bedeutet konkret, wir sind in die Heime gegangen und haben den alten Menschen dabei geholfen, ihre administrativen und persönlichen Aufgaben zu erledigen, wenn sie das nicht mehr alleine geschafft haben.

zentral+: Subventionsvereinbarung bedeutet …

Plüss: Dass keine gesetzliche Grundlage besteht, die den Kanton zwingend verpflichtet, Unterstützung zu leisten. Dies im Unterschied zu Leistungsvereinbarungen, die auf gesetzlichen Grundlagen basieren.

zentral+: Können Sie nicht nachvollziehen, dass er diese Leistungen in Sparzeiten streichen möchte?

Plüss: Alle Organisationen der Interessengemeinschaft stehen hinter dem Sparprogramm. Wir wollen Hand bieten. Aber bei uns wurde nicht gespart, bei uns wurde Kahlschlag betrieben. Und die Sozialberatung, wer macht die, wenn wir sie nicht machen? Die Heime selber? Am Schluss trägt das wieder die öffentliche Hand. So kann, volkswirtschaftlich gesehen, nicht gespart werden.

zentral+: Mit welcher Begründung wurde denn die Subvention gestrichen?

Plüss: Die Direktion des Inneren argumentiert, dass die Altersarbeit Sache der Gemeinden sei. Das hat der Kantonsrat vor drei Jahren so entschieden, als er keinen Altersparagraph ins Sozialgesetz aufnehmen wollte. Darauf beruft sich nun Regierungsrätin Manuela Weichelt, Vorsteherin des Departements des Innern. Sie weist uns nun an die Gemeinden weiter, die aber von den kantonalen Sparmassnahmen auch betroffen sind und kaum darauf warten, bei uns in die Bresche zu springen.

«Beleidigt? Nein, wir sind nicht beleidigt.»

Gabriele Plüss, Geschäftsführerin Pro Senectute Zug

zentral+: Es gibt bei diesem Entlastungspaket naturgemäss viele Seiten, die sich vor den Kopf gestossen fühlen. Weshalb soll gerade diese eine Sparmassnahme ungerechter sein als andere?

Plüss: Ich habe Herrn Tännler bei einer Pressekonferenz gesagt, ich hätte auch noch eine Idee für eine Sparmassnahme: Fünf Regierungsräte sind genug, (lacht)! Da hat er gesagt, klar, das sei kein Tabu. Im Entlastungsprogramm ist davon aber keine Rede. Ganz im Gegenteil: Die Regierung spricht von Opfersymmetrie, spart aber im Vergleich mit den Partnerorganisationen bei ihrer eigenen Verwaltung sehr wenig. Man muss da eher von kosmetischen Massnahmen sprechen.

zentral+: Der Regierungsrat spricht dabei gerne von wünschbar und notwendig: Offenbar ist die Sozialberatung dem Regierungsrat schlicht weniger wichtig als anderes.

Plüss: Den Rotstift bei den anderen anzusetzen ist immer einfacher als bei sich selber. Wenn man den eigenen Mitarbeitenden in die Augen schauen und ihnen mitteilen muss, dass ihre Stelle abgeschafft wird, dann ist das unangenehmer als wenn man die Sparmassnahmen an andere nach aussen verlagern kann.

zentral+: Das klingt jetzt aber etwas gar beleidigt: Die anderen müssen auch mehr sparen, wenn wir mehr sparen müssen.

Plüss: Beleidigt? Nein, wir sind nicht beleidigt. Aber wir sind der Ansicht, dass man in der Verwaltung nicht wirklich tiefgreifend überprüft hat, ob es noch Sparpotential gibt. Ich bin überzeugt, dass da noch Luft drin ist. Die Verwaltung hat sich in den guten Jahren aufgebläht. Wir nicht: Wir sind finanziell immer am Limit gewesen. Es war für uns nie leicht, Gelder der öffentlichen Hand zu erhalten. Nun sollen gerade wir radikal zurückfahren.

Wir möchten Hand zum Sparen bieten, hätten es auch akzeptiert, wenn man uns etwa einen Viertel der Subvention gestrichen hätte. Aber gleich die ganze Subvention? Das ist hart, insbesondere auch in Anbetracht der demografischen Entwicklung. Es gibt immer mehr alte Menschen, die unsere Unterstützung brauchen. Wie sollen wir das mit immer weniger Geld bewerkstelligen?

zentral+: Wie gehen Sie mit der Streichung des Budgets um?

Plüss: Das wissen wir noch nicht. Ich mache mein eigenes Entlastungsprogramm für Pro Senectute, (lacht). Vielleicht können wir den Kanton dazu bewegen, uns wenigstens für nächstes Jahr noch einen Betrag zu sprechen, wie hoch der auch sein mag. Das wäre für den Übergang sehr wichtig. Wir wollen die Sozialberatung weiterführen, denn sie ist die Kernaufgabe der Pro Senectute.

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