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Fünf Punkte, damit noch mehr Pendler aufs Velo umsteigen
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Victor Zoller von Pro Velo Zug muss bei der Unterführung im Zuger Brüggli mühsam sein Velo hochschieben. (Bild: woz)

Zuger Radwege müssen noch verbessert werden Fünf Punkte, damit noch mehr Pendler aufs Velo umsteigen

5 min Lesezeit 12.06.2017, 04:54 Uhr

Es staut in Zug jeden Morgen im Berufsverkehr. Wenn mehr Zuger auf Drahtesel umsteigen würden, wäre dies nicht nur umweltfreundlicher, sondern würde Platz schaffen und dem Stau entgegenwirken. Doch dafür muss noch einiges getan werden – wie Victor Zoller von Pro Velo Zug fordert.

«Grundsätzlich kann man sich ganz passabel auf dem Velo in Zug fortbewegen, und es gibt auch Bestrebungen, das Velonetz zu optimieren», sagt Victor Zoller vorneweg. Er meint damit unter anderem das jüngst vorgestellte Konzept «Bike to School», das von der Stadt Zug lanciert wurde. Dieses soll bekanntlich die Sicherheit von Velowegen verbessern und dadurch mehr Schülern das Velofahren schmackhaft machen (zentralplus berichtete).

Ein Anfang, doch will man Zuger vermehrt aufs Velo locken, gibt’s noch viel zu tun. Doch es gibt aus seiner Sicht darüber hinaus noch einiges zu tun, um den Verkehr vom Auto aufs Velo generell zu verlagern. Vor allem eben aus der Sicht der Pendler. Hier sind fünf Forderungen, die Victor Zoller zur Diskussion stellt.

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1. E-Bike klarer in den Fokus rücken

«Man muss das E-Bike heutzutage ernst nehmen», ist Zoller überzeugt. Er ist Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zug, passionierter Velofahrer und Co-Präsident von Pro Velo Zug. Wobei er eben selbst nicht mehr Vertreter der reinen Lehre des Velofahrens ist – hat er sich doch inzwischen ein E-Bike zugelegt.

Was ihn grundsätzlich zum Schluss bringt, dass man die Stadt Zug nicht länger in Berg und Tal trennen kann, weil man mit dem E-Bike eben höchst bergtauglich unterwegs sei. Konsequenz: Man müsse den Zugerhang noch besser mit Radwegen erschliessen. Auf diese Weise könnte man das Velonetz noch besser ausbauen. «Das Berg-Argument sticht eben heutzutage nicht mehr.»

2. Fussgänger und Velofahrer sollte man trennen: Mehr reine Velotrassees

Laut Zoller kommt man als Velofahrer am zügigsten und sichersten voran, wenn der Langsamverkehr aus Fussgängern und Velofahrern noch stärker entflochten wird. «Für mich ist in dieser Hinsicht beispielsweise der Abschnitt der Industriestrasse in der Stadt Zug entlang des Parkhotels vorbildlich.»

Dort können sich Fussgänger und Radler auf einem eigenen Trasse fortbewegen und stören sich nicht gegenseitig. Wobei Zoller andererseits der Meinung ist, man dürfe Fussgänger und Radler nicht gegeneinander ausspielen. Im Rahmen der Kampagne «Respekt» wirbt Pro Velo Zug mit anderen Partnern zusammen gerade für mehr gegenseitige Rücksichtnahme (siehe Box).

«Auf dem Chamer Veloweg hat es in der Riedmatt sogar Probleme wegen zu schnell fahrenden Velofahrern gegeben.»

Victor Zoller, Co-Präsident Pro Velo Zug

Eine stärke Trennung des Langsamverkehrs mündet aus der Sicht des Zuger Velofahrers natürlich generell in den Wunsch nach noch mehr reinen Velotrasses zwischen den Gemeinden im Kanton Zug. Zwar gibt es solche Verbindungen heute schon etwa in Gestalt des Chamer Fusswegs und Chamer Velowegs. Aber überall ist der Verkehr eben nicht separiert.

«Auf dem Chamer Veloweg hat es eine Zeit lang sogar Probleme zwischen Anwohnern im Wohnquartier Riedmatt und Velofahrern gegeben, weil offenbar spielende Kinder durch zu schnell fahrende Radler gefährdet gewesen waren», berichtet Zoller. Ein Verdichtungsproblem.

3. Mängel im bestehenden Radwegenetz tilgen

«Wer beispielsweise auf dem Chamer Fussweg mit dem Velo von Cham nach Zug unterwegs ist und dann zum Bahnhof fahren möchte, erkennt plötzlich an der Kreuzung Alpenstrasse-Vorstadt, dass er gar nicht abbiegen kann», kritisiert Zoller. Sprich: Der Velofahrer müsse absteigen, den Zebrastreifen überqueren und sein Velo dann auf dem Fussgängerweg bis zum nächsten Veloweg Richtung Bahnhof stossen.» Ein Ablöscher.

Das ist auch nervig: An der Kreuzung Alpenstrasse/Vorstadt in Zug müssen Radfahrer absteigen und dann ihr Velo Richtung Bahnhof auf dem Fussgängerweg stossen – weil der Veloweg plötzlich aufhört.

Das ist auch nervig: An der Kreuzung Alpenstrasse/Vorstadt in Zug müssen Radfahrer absteigen und dann ihr Velo Richtung Bahnhof auf dem Fussgängerweg stossen – weil der Veloweg plötzlich aufhört.

(Bild: woz)

Solche Unterbrüche gibt es laut Zoller noch viele in der Stadt Zug. «Es ist auch mühsam, wenn man als Velofahrer aus Richtung Oberwil und Walchwil nach Zug fährt und dort vor dem Casino die Strassenseite wechseln muss, nur weil dort der Veloweg einfach aufhört.»

«Der Regierungsrat ist eben nicht so veloaffin.»

Victor Zoller

Ein weiteres negatives Beispiel ist etwa die Verbindung von Baar Richtung Steinhausen über die Schochenmühlestrasse. Diese Route wählen viele Pendler, die im Gewerbegebiet Städtler Allmend in Cham arbeiten. Doch auf dieser Strecke müssen sich Velofahrer auf dem engen Fussgängerweg sogar im Gegenverkehr zwängen, um vor den zahlreichen Autofahrern auf der Strasse geschützt zu sein. 

4. «Bike to work»: mehr geschützte Veloabstellplätze, mehr Duschen

Wer mit dem Velo zur Arbeit fährt, will erstens sein Fahrrad sicher und geschützt abstellen. Zweitens will er nicht verschwitzt an den Schreibtisch im Büro sitzen. Victor Zoller appelliert deshalb an Zuger Firmen, «noch mehr Duschen und überdachte Veloparkplätze für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzurichten».

Vorbildlich ist für ihn in diesem Zusammenhang das «Velohaus» am Zuger Bahnhof, eine Velogarage quasi. Diese kann man über einen zu mietenden Badge auf- und zuschliessen. «Ausserdem hat die SBB inzwischen viel mehr Veloabstellplätze am Bahnhof für Pendler zur Verfügung gestellt.» Wünschenswert seien auch noch mehr Veloparkplätze vor den Geschäften in der Stadt Zug. «Das war früher gang und gäbe.»

5. Mehr politischen Mut für mehr Veloverkehr

Für Victor Zoller ist ein grundsätzliches Problem in der Zuger Politik, dass nicht mehr moderne Velokonzepte im Stile der Stadt Kopenhagen realisiert werden. Die dänische Hauptstadt ist weltweit bekannt für ihre vielen Velobrücken und eigenen Velostrassen. «Der Regierungsrat ist eben nicht so veloaffin, ausserdem verhindert augenblicklich natürlich das Sparporgramm solche neuen Initiativen», sagt der PHZ-Dozent.

Radler mit angemessenem Tempo an Fussgängern vorbeifahren

Seit diesem Frühling führt Pro Velo Zug zusammen mit den Talgemeinden eine «Sensibilisierungskampagne» für Fuss- und Velowege und gemeinsam genutzte Langsamverkehrsflächen durch. Fussgänger und Velofahrer sollen mehr Rücksicht aufeinander nehmen und nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Mischverkehrsflächen werden durch Spaziergänger, Laufsportler, Velo- und mit starker Zunahme auch durch E-Bike-Fahrer immer mehr beansprucht, so Pro Velo Zug. Kommen Kinderwagen und Veloanhänger dazu, wird es mancherorts eng und bei zu hohem Tempo bedrohlich und gefährlich.

Rechtzeitig klingeln oder rufen

Der Appell von Sicherheitsverantwortlichen der teilnehmenden Gemeinden und von Pro Velo Zug lautet deshalb: Auf dem Rad genussvoll und trotzdem voraussehend fahren. Rechtzeitig klingeln oder rufen und mit angemessenem Tempo an Fussgängern vorbeifahren. Fussgänger wiederum sollen sich gemütlich oder sportlich und trotzdem mit Aufmerksamkeit bewegen und die Velos passieren lassen. Ein geläufiger Merksatz kann hier laut Pro Velo Zug einprägsam ergänzt werden: Links gehen, Gefahr sehen – rechts fahren, Abstand wahren.

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