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Fünf Ideen, wie man den Knatsch um den Postplatz beilegen kann
  • Politik
Sollen die 25 Parkplätze auf dem unteren Postplatz erhalten bleiben, obwohl ein neues Parkhaus am Platz gebaut wurde? Das Volk entscheidet im Juni. (Bild: mam)

Stadt Zug: Rezepte gegen die Blockade Fünf Ideen, wie man den Knatsch um den Postplatz beilegen kann

5 min Lesezeit 21.03.2018, 05:59 Uhr

Die Umgestaltung des Zuger Postplatzes zu einer verkehrsarmen Begegnungszone ist bedroht. Jetzt hat auch die CVP im Stadtparlament eine Motion durchgebracht, welche die Umgestaltung des oberen Postplatzes blockieren will. Zeit für neue Ideen? zentralplus hat einige davon.

Mehr Italianità und eine verkehrsarme Innenstadt für Zug: Diese Vision bröckelt immer mehr. Nachdem der Stadttunnel an der Urne Schiffbruch erlitten hat, ist nun auch ein verkehrsberuhigter Postplatz in Gefahr. Bekanntlich steht am 10. Juni eine Volksinitiative zur Abstimmung, welche die Beibehaltung der Parkplätze auf dem unteren Postplatz vorsieht (zentralplus berichtete). Diese sollten eigentlich einer Begegnungszone weichen, denn bald wird am Postplatz ein neues Parkhaus mit 100 neuen öffentlichen Parkplätzen eröffnet. 

«Wir machen weiter wie bisher.»

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Dolfi Müller, Stadtpräsident Zug

Nun droht auch am oberen Postplatz eine Blockade. Am Dienstag wurde im Grossen Gemeinderat gegen den Willen von Alternativen, SP und Grünliberalen eine Motion der CVP überwiesen, wonach auf dem oberen Postplatz ein totaler Baustopp erlassen werden soll – und der Stadtrat ausserdem den Bau einer Fussgängerunterführung planen soll, eventuell mitsamt Ladenpassagen und alles auch noch unter Einbezug des Kantons Zug. Somit bliebe auch der obere Postplatz bis auf Weiteres ein Parkplatz.

Die Stadtregierung will auf Verzögerungstaktik nicht eingehen

Zwar will die Stadtregierung das Spiel nicht mitmachen. Sie hält das Anliegen für nicht motionsfähig. Bauchef André Wicki (SVP) sagte sinngemäss, das Parlament habe in dieser Sache nichts zu sagen. Die Stadtregierung sei gehalten, den Volkswillen umzusetzen. Und das bedeutet, dass der 2008 an der Urne gutgeheissene Bebauungsplan Postplatz verwirklicht wird, welcher eine innerstädtische Begegnungszone ohne Parkplätze vorsieht.

Die Parkplätze kommen in jedem Fall weg – aber wie lange?

Vor zehn Jahren stimmten die Stadtzuger dem Bebauungsplan Postplatz zu. Darin wurde unter anderem festgehalten, dass 60 Parkplätze auf dem oberen und unteren Postplatz aufgehoben werden, sobald das neue unterirdische Parkhaus eröffnet ist – mit 100 neuen öffentlichen Parkplätzen, unter dem Strich also 40 zusätzlichen Parkplätzen. Nun haben Gewerbetreibende Unterschriften für eine Initiative gesammelt, die das verhindern will: Die 25 Parkplätze auf dem unteren Postplatz sollen in jedem Fall bleiben. Geht das – verfahrensmässig – so einfach, so schnell?

Nein, führte Stadtpräsident Dolfi Müller vor dem Parlament aus: Würde die Initiative am 10. Juni angenommen, müsste ein neuer Bebauungsplan ausgearbeitet werden. Zeitdauer: mit erneuter Volksabstimmung mindestens zwei Jahre, eher länger, sollten rechtliche Schritte dagegen ergriffen werden. Zweitens muss der Stadtrat den gültigen Bebauungsplan umsetzen, so lange kein neuer vorliegt, das heisst: Nach Eröffnung des neuen Parkhauses muss der Stadtrat die Parkplätze gestaffelt aufheben.

Möglicherweise werden also alle Parkplätze auf dem Zuger Postplatz abgeräumt – und falls die Initiative durchkommt, werden sie nach einigen Jahren wieder eingezeichnet.

«Wir machen weiter wie bisher», rief auch Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) in die Runde. «Der Rechtsstaat steht über der Politik.» Sobald das Parkhaus im April eröffnet werde, müssten die Parkplätze auf dem oberen Postplatz sofort aufgehoben werden – so wolle es der Bebauungsplan. Und der sei gültig, so lange es keinen anderen gäbe.

Aber natürlich könnte die Volksinitative, sollte sie an der Urne angenommen werden, einen neuen Bebauungsplan nötig machen. zentralplus hat sich deshalb – für den Fall der Fälle – Gedanken gemacht, wie man den gordischen Knoten lösen und mit einem neuen Bebauungsplan für den Postplatz möglichst viele glücklich machen könnte.

1. Unteren Postplatz überdecken – der Fünfer und das Weggli

Hier ein guteidgenössischer Kompromiss: Wie wäre es, den Parkplatz auf dem unteren Postplatz leicht abzusenken und ihn dann zu überdecken? Auf der neu entstandenen Terrasse könnte man ein Strassencafé einrichten. Die Parkplätze würden zu Kurzzeitparkplätzen umgestaltet, wie das die Bürgerlichen wollen – für das Gewerbe in der Altstadt. Ausserdem wären die Parkplätze nun unterirdisch, das würde in die offizielle Verkehrspolitik passen.

2. Strasse absenken und einen Tunnel unter dem Platz bauen

Auf diese Lösung haben uns die Christdemokraten gebracht. Die wollen eine Neuplanung des oberen Postplatzes, weil man das neue Parkhaus vom See aus schlecht erreichen könne, wie sie finden. Warum also nicht die Strasse noch im Bereich der Vorstadt absenken und unterirdisch unter dem Postplatz hindurch zur Neugasse und zur Bahnhofstrasse führen? So könnte man auch noch gleich einen Zubringertunnel zur Poststrasse bauen, damit man vom See her direkt ins neue Parkhaus am Postplatz fahren kann. Das Ganze hätte zwei Vorteile: 1. Der Postplatz würde nicht mehr durch eine Strasse entzweigeschnitten. 2. Zug käme doch noch zu einer Art Stadttunnel, der ausserdem wesentlich günstiger wäre.

Hunde statt Durchgangsverkehr: der verkehrsberuhigte Postplatz.

Hunde statt Durchgangsverkehr: der verkehrsberuhigte Postplatz.

(Bild: zvg)

3. Eine Brücke statt einer Unterführung

Zugegeben, jetzt geht uns langsam die Phantasie durch. Doch der Vorschlag ist eigentlich genauso seriös wie die Idee der CVP, eine Fussgängerunterführung für die Kantonsstrasse auf dem Postplatz zu bauen. Ersetzen wir die Unterführung doch durch eine Brücke! Das ist vermutlich billiger und lässt mehr Gestaltungsspielraum zu. Man könnte sie etwa in der Form der Rialto-Brücke in Venedig errichten. So kämen die chinesischen Cartouristen in Zug zu einer weiteren Sehenswürdigkeit und in den Nischen der Brücke könnte man Boutiqen einrichten – das wäre das Pendant zur Ladenpassage in der gewünschten Postplatz-Unterführung.

4. So könnte man den unteren Postplatz füllen

Ein Gestaltungskonzept für den unteren Postplatz hat das bürgerlich dominierte Stadtparlament schon mal abgelehnt (zentralplus berichtete). Deshalb hat der Stadtrat nun wenig Mittel für seine Gestaltung zur Verfügung – was prompt zu Gemecker führt. Die Begegnungszone solle ja bloss «durch ein paar Betonblöcke» gestaltet werden, kritisierte etwa CVP-Gemeinderat Martin Eisenring. Wenn das zu wenig ist, dann gäb’s für die Zukunft eine Lösung: eine Vogelvolière herzuholen. Jene beim Gärbiplatz und der Platzwehri zu verschieben, um mehr Platz am See zu erhalten, war schon vor Jahren angedacht worden. Vielleicht könnte man sie auf den nördlichen Landsgemeindeplatz verlegen und all die Papageien und Beos, die momentan dort leben, stattdessen auf den Postplatz holen.

Ein Zug aus vergangener Zeit: Der Postplatz in Zug sah 1873 noch etwas anders aus.

Ein Zug aus vergangener Zeit: Der Postplatz in Zug sah 1873 noch etwas anders aus.

(Bild: Zug, Bahnhofstrasse/Postplatz, vor 1873: Postkartensammlung Oskar Rickenbacher, Zug)

5. Italianità durch Bepflanzung

Keine gute Idee, die armen Tiere neben der Strasse unterzubringen? Dann hätten wir einen Alternativvorschlag. Einen lichten Baumgarten – ein Arboretum, das seinen Namen verdient. Jenes beim Hochhaus Uptown besteht ja nur aus gewöhnlichen Hagebuchen und Platanen. Solche Platanen gibt’s ebenfalls am unteren Postplatz. Sie sind schon viel grösser und vermitteln auch ein bisschen das Flair von Südfrankreich. Zusätzlich kann man eine Menge Tessinerpalmen und ein paar blühende Bäume planzen – Magnolien vielleicht. So könnte man dem Postplatz mit der passenden Bepflanzung preisgünstig zu südländischem Zauber verhelfen.

 

 

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