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Früh morgens mal eben 1000 Franken gespendet
  • Gesellschaft
Diese Familie spendete nach einer eigenen Sammelaktion über 1000 Franken bei «Jeder Rappen zählt». (Bild: sah)

«Jeder Rappen zählt» auf dem Europaplatz in Luzern Früh morgens mal eben 1000 Franken gespendet

5 min Lesezeit 17.12.2018, 15:48 Uhr

Während der Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» wird so einiges an Geld für den guten Zweck gesammelt. Früh morgens dominieren zwar Sicherheits- und Putzdienste das Bild, doch auch die Spender sind früh aufgestanden. Einige darunter vielleicht auch nur, um kurz ins Fernsehen zu kommen.

Seit vergangenem Freitag erstrahlt der Europaplatz vor dem KKL in Luzern nicht nur durch Weihnachtsbeleuchtung und die verschiedenen Stände, sondern auch durch die hell erleuchtete Glasbox der jährlichen Sammelaktion «Jeder Rappen zählt» (JRZ). Das Konzept ist bekannt: Durch einen kleinen Schlitz in der sogenannten «Glasbox» kann Geld in die Sammelschale geworfen werden und somit an die Glückskette gespendet werden. Bereits zum zehnten Mal findet diese Sammelaktion statt. Für Luzern ist dies das letzte Mal, die SRG zieht bekanntlich ihre Aktivitäten in Zürich zusammen – so auch JRZ (zentralplus berichtete).

Dabei kann vor Ort je nachdem mit dem Moderator in der Box interagiert und kommuniziert, oder ab einem gewissen Spendenbetrag ein Song im Radio gewünscht werden. Für Luzern ist die jährliche Aktion ein Ereignis, das viele Menschen zu begeistern scheint. Sie strömen von verschiedenen Orten nach Luzern, um an den Konzerten teilzunehmen oder einige Geldscheine zu spenden (zentralplus berichtete). Auch zentralplus hat sich auf den Europaplatz begeben. Jedoch zu einem Zeitpunkt, als halb Luzern noch tief in den Federn lag.

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Der Europaplatz ist zu unchristlichen Zeiten noch fast ausgestorben.

Der Europaplatz ist früh morgens noch ziemlich ausgestorben. Nur Sicherheitspersonal und Strassenputzer sind unterwegs.

(Bild: sah)

Bereits um halb sechs Uhr morgens sind – trotz gefühlter tiefster Nacht – ein paar wenige Leute vor dem KKL zu finden. Zwar beleuchten die Weihnachtslichter nur geschlossene Weihnachtsstände und offenbaren den Müll vom Vorabend, doch lassen sich die Leute davon nicht vom Spenden abhalten. Besonders der kurze Kameraauftritt, den man bei dem Einwurf in den Geldschlitz geniesst, wirkt für einige verlockend.

«Ich habe meinem Patenkind in Basel versprochen, dass sie mich im Livestream von JRZ sehen wird.»

30-jährige Frau, spendete bei JRZ ein paar Franken

«Ich habe meinem Patenkind versprochen, dass sie mich im Livestream von JRZ sehen wird», sagt eine um die 30-jährige Frau, die gerade einige Franken in den Geldschlitz geworfen hat. Sie ist nicht die einzige, die wegen der installierten Kamera bei der Box hergekommen ist. «Ich habe gerade meinen Eltern durch die Kamera zugewinkt. Die sitzen zu Hause und schauen den Livestream», sagt jemand anderes.

Vor der Arbeit noch kurz spenden

Nach und nach kommen vereinzelte Personen, die auf dem Weg zur Arbeit auf dem Europaplatz einkehren, um Geld in den Schlitz der Glasbox zu werfen.

Neben den «Kamera-Verliebten» gibt es noch weitere «Spende-Typen». Die einen laufen zielbewusst zum Geld-Schlitz, werfen Geld hinein und verschwinden wieder. «Ich muss auf den Zug», oder «Ich muess go schaffe», kam es von den zwei Männern, währenddem sie, ohne stehenzubleiben, an einem vorbeiziehen.

«Viele Leute können durch solche Aktionen zum Spenden mobilisiert werden.»

Fränzi, spendet 50 Franken um halb sieben Uhr morgens

Andere stehen einige Minuten vor der Box, schauen hinein, laufen umher, werfen Geld in den Schlitz, winken kurz dem Moderator zu und gehen. So auch eine ältere Dame, die sich mit «Fränzi» vorstellt. «Ich spende jedes Jahr für ‹Jeder Rappen zählt›», erzählt sie. «Ich finde es eine tolle Sache. Es können so viele Leute dafür mobilisiert werden zu spenden», so Fränzi. Auf die Frage, weshalb sie denn derart früh hier vorbeikommt meint sie: «Ich bin auf dem Weg, um meine Enkelkinder zu hüten. Da muss ich früh auf den Bus. Da ist er schon», sagt sie und läuft in Richtung Bushaltestelle.

Ab und zu getrauen sich einige, über das ausserhalb der Box angebrachte Mikrofon mit dem Moderator Nik Hartmann innerhalb der Box (und den Zuhörern vom Radio) zu sprechen. So zum Beispiel eine sechsköpfige Familie, die mit einem Briefumschlag in der Hand Richtung Glasbox gelaufen sind. «Wir haben Waffeln verkauft, um zu spenden», sagt die 10-Jährige ins Mikrofon. Über 1000 Franken ist bei dieser Verkaufsaktion zusammengekommen, welche sie in den Schlitz geworfen haben.

Um fünf Uhr morgens auf dem Europaplatz sind die Überreste von letzter Nacht noch sichtbar.

Um fünf Uhr morgens auf dem Europaplatz sind die Überreste von letzter Nacht noch sichtbar.

(Bild: sah )

Putztrupps, Sicherheitsdienst und Frühaufsteher

Doch noch in den frühen Morgenstunden sind nur vereinzelte Spender auf dem Europaplatz vorzufinden. Sie trudeln erst um circa halb sieben ein. Diejenigen, die wahrscheinlich am Morgen als erstes vor Ort sind, sind die Putztrupps in Orange.

Sie fahren mit einem kleinen Wagen durch die Weihnachtsstrassen und lassen den Europaplatz innert kürzester Zeit wieder im Glanze erstrahlen. «Während des Weihnachtsmarktes und der Sammelaktion ist besonders viel Dreck hier vor dem KKL», sagt einer der Männer und fügt an: «Aber hier ist ja immer viel los. Am Wochenende und besonders wenn der Weihnachtsmarkt stattfindet, bleibt viel Müll liegen.» Meist handle es sich um Alkoholflaschen oder Dosenbier, das nach dem Wochenende stehengelassen wird, so der Putzmann, der lieber anonym bleiben will. Und tatsächlich: Wo um fünf Uhr morgens noch so manche Flasche rumsteht, sieht es eine Stunde später bereits wieder fast sauber aus.  

«Noch eine Stunde muss ich hier stehen, dann reichts aber auch.»

Angestellter des Sicherheitsdienstes

Mindestens drei Leute stehen zusätzlich, nicht im auffälligen Orange, sondern ganz in schwarz gekleidet rund um die Glasbox. Als Sicherheitsdienst sorgen sie sowohl für die Sicherheit der Besucher als auch für die Sicherheit der Moderatoren innerhalb der Box. Da eine Arbeitsschicht die ganze Nacht abdeckt, scheinen sie neben den Moderatoren am besten Bescheid zu wissen, was den Tag und die Nacht durch auf dem Europaplatz geschieht.

«Noch eine Stunde muss ich hier stehen, dann reicht’s aber auch», sagt einer der Sicherheitsangestellten, der anonym bleiben möchte. Er habe schon die ganze Nacht gearbeitet und freue sich auf seinen Feierabend. «In der Nacht kommen Leute vom Ausgang vor die Box und amüsieren sich. Ich musste schon einige bitten, den Platz zu verlassen, wenn sie zu aufdringlich wurden», sagt er.

«Nach den Feiernden finden ab und zu etwas komische Gestalten hierhin. Danach kommt aber meist lange niemand mehr», führt er weiter aus. «Die ersten, die dann wach sind, sind die Schiffs- und die Strassenputzer. Nach fünf Uhr morgens kommen dann die ersten Büroangestellten, die ein paar Franken spenden», erzählt er.

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