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Fröhliches Parkieren auf dem Landsgemeindeplatz
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Parkplatz oder Flaniermeile? Der Stadtrat sieht Parkierpotential auf dem Landsgemeindeplatz. Aber nur dieses eine Mal. (Bild: Wikipedia )

Junger Stadtrat wagt sich an heisses Eisen Fröhliches Parkieren auf dem Landsgemeindeplatz

3 min Lesezeit 2 Kommentare 02.12.2015, 16:59 Uhr

Ein junger Stadtrat dürfe auch mal etwas wagen, sagt Urs Raschle. Und erlaubt vorübergehend das Parkieren auf dem Zuger Landsgemeindeplatz. Damit stösst er nicht nur auf Gegenliebe. Schafft Raschle einen Präzedenzfall? Kehrt Zug zurück zum Autofahren in der Innenstadt?

Während andere Städte in der Schweiz ihre alten Quartiere von Parkplätzen befreien, scheint die Stadt Zug einen anderen Weg gefunden zu haben: Der Zuger Stadtrat hat am Dienstag bekanntgegeben, dass er zu einer besonderen Gelegenheit den unteren Landsgemeindeplatz als Parkplatz nutzen will. Für den Zuger Weihnachtsmarkt sollen hier 24 Parkplätze entstehen – vom 9. bis am 14. Dezember. «Ich betone das Wort einmalig», sagt Stadtrat Urs Raschle. «Es geht hier nur darum, dass wir diesem Anlass, den das Zuger Gewerbe von sich aus organisiert, unterstützen wollen.»

Da der Weihnachtsmarkt auch den oberen Postplatz in Beschlag nimmt, gehen hier Parkplätze verloren. «Wir wollen zeigen, dass wir flexibel sind, und dieses einmalige Goodie an das Gewerbe in der Altstadt geben», sagt Raschle. «Es ist uns klar, dass das nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Es geht vor allem um den Symbolcharakter.» Und der wird verstanden. Gemeinderat Rainer Leemann twittert: «Bravo! Der Stadtratwechsel bringt was! Weiter so!»

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Gegenwind kommt jedoch von links: «Andere Weihnachtsmärkte haben keine Probleme mit Besucherfrequenzen», schreibt Astrid Estermann von der ALG in einer Mitteilung. «Auch wenn alle mit dem Zug und Bus anreisen. An einem Weihnachtsmarkt werden ja keine ganzen Wohnungseinrichtungen gekauft.»

Parkieren auf dem Landsgemeindeplatz

Die Parkplatzidee auf dem Landsgemeindeplatz ist nicht neu, allerdings ist sie immer wieder gescheitert: 1991 beschloss der Zuger Stadtrat ein Parkverbot auf dem Landsgemeindeplatz. Dieses gilt bis heute.

2008 versuchte der Zuger Stadtrat, eine Testphase zu lancieren: Zwei Jahre lang hätten Parkfelder auf dem unteren Landsgemeindeplatz in Betrieb genommen werden sollen. Der Zuger Regierungsrat hat jedoch diesen Entscheid aufgehoben: Die Begründung bezüglich Notwendigkeit und Verhältnismässigkeit sei nicht genügend. Der Stadtrat hatte daraufhin Beschwerde eingereicht, wurde jedoch vom Verwaltungsgericht 2010 abgewiesen.

Es sei vollkommen unverständlich, weshalb die Gewerbetreibenden den Stadtrat dazu angehalten hätten, den Landsgemeindeplatz für das Parkieren freizugeben, so Estermann. «Zufahrts- und Suchverkehr nehmen damit nur zu, anstatt weihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen.» Zudem habe die Stadt Zug der 2’000 Watt-Gesellschaft zugestimmt. Estermann fragt: «Gilt das nicht auch für die Mobilität?»

«Das könnte das Gewerbe beleben»

Raschle bleibt gelassen: «Auch mir ist klar, es ist viel besser wenn die Leute mit dem ÖV in die Innenstadt fahren. Ich besitze auch selber kein Auto.» Ist das eine Trendwende? Zurück zum Autofahren in der Innenstadt? «Nein, das ist es nicht», sagt Raschle. «Und die Ideen zur verkehrsfreien Innenstadt geistern auch nach der Stadttunnelabstimmung noch herum. Das ist immer noch ein Thema.»

Dennoch gäbe es Leute, die nicht an den Weihnachtsmarkt kommen würden, wenn sie keinen Parkplatz fänden. «Und wenn die jetzt auf dem Landsgemeindeplatz parkieren können, dann sehen sie vielleicht auch, wie schön die Zuger Altstadt ist. Und kommen wieder. Das könnte das Gewerbe beleben. Denn für das ist die Altstadt kein leichtes Pflaster.» Da spricht offenbar der ehemalige Tourismus-Chef aus ihm. Was sagt der junge Stadtrat, der Raschle seit einem Jahr ist? Öffnet er damit nicht die Büchse der Pandora? «Es ist mir klar, dass das ein heisses Eisen ist. Deshalb möchte ich mit dieser Massnahme auch etwas den Druck von der Diskussion wegnehmen.»

«Wenn ich dabei auf die Nase bekomme, dann halte ich das aus.»

Stadtrat Urs Raschle

Kippt die Stimmung?

Dass es bei einer einmaligen Genehmigung bleibt, davon ist Raschle überzeugt. «Ausser die politische Stimmung kippt, und es gibt plötzlich Mehrheiten für einen Parkplatz auf dem Landsgemeindeplatz. Das kann ich mir aber nicht vorstellen.» Und wenn das Gewerbe im nächsten Jahr wieder kommt? Weckt diese Massnahme nicht Begehrlichkeiten? «Dann müssen wir nächstes Jahr wieder schauen. Dann haben wir ja auch Erfahrungen gesammelt. Und ich bin der Meinung, dass es nicht nur die Aufgabe des Stadtrates ist, das Parkplatzproblem des Gewerbes zu lösen – da muss auch der Gewerbeverband daran arbeiten.» Und falls andere Organisationen nun Gegenrecht fordern würden, ebenfalls eine Sonderregelung beanspruchen würden, dann müsste man sie schlicht abweisen, sagt Raschle.

Der Stadtrat streckt den Parkplatzforderern also den Finger hin, ob er die Hand behalten kann, wird sich zeigen. «Ich finde, als junger Stadtrat kann man auch mal ein strittiges Thema mit frischem Wind angehen», sagt Raschle. «Auch wenn es etwas Heiliges ist wie der Landsgemeindeplatz. Und wenn ich dabei auf die Nase bekomme, dann halte ich das auch aus.»

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2 Kommentare
  1. Stefan Gisler, 07.12.2015, 10:53 Uhr

    Die Stadt wird durch das Einknicken des Stadtrats vor wenigen Gewerbetreibenden unattraktiver. Er schafft Begehrlichkeiten, den autofreien Landsgemeindeplatz statt für Menschen zu nutzen, auch künftig als Parkplatz mit “bester Seesicht” zu missbrauchen. Statt den schönen Landsgemeindeplatz für einen besinnlich-fröhlichen Markt mit zu nutzen oder frei zu halten, wird er mit Autos abgefüllt. Die Zu- und Wegfahrten inklusive Suchverkehr machen die Strecke zwischen Unterem Postplatz und Landgemeindeplatz zum gefährlichen Nadelöhr. Für die zahlreichen Fussgänger und Velofahrenden wird der Durchgang erschwert. Schade.

    Freie Parkplätze in Weihnachtsmarktnähe hat es genug (Altstadt, Schmidgasse, Poststrasse, etc.).

    Wenn das nun DAS herausragende Merkmal des “bürgerlichen Stadtrats” ist, dann ist das ein Armutszeugnis.

    PS: Dem Druck einzelner Gewerbetreibender gibt Raschle nach – doch 550 Personen haben für eine verkehrsberuhigte Hofstrasse mit Tempo 30 unterschrieben. Da es dort nur um Kinder und Quartierbewohnende geht, “wagt” er NICHTS !

  2. Juerg Messmer, 02.12.2015, 18:41 Uhr

    Ein mutiger Entscheid, jedoch absolut unterstützungswürdig. Jetzt zeigt es sich, dass Zug seit 2015 einen bürgerlichen Stadtrat hat, der die Bedürfnisse von allen ernst nimmt. Dieses Mal vom Gewerbe. Gratulation.

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