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Fringer weg – Fans toben
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Rolf Fringers Neuanfang beim FCL ist bereits wieder beendet. (Bild: Martin Meienberger/bearbeitet zentral+)

FCL findet: Ohne Fringer geht’s ringer Fringer weg – Fans toben

4 min Lesezeit 07.01.2016, 19:53 Uhr

Völlig unerwartet entlässt der FC Luzern nach nur einem Jahr seinen Sportchef Rolf Fringer per sofort. Das gefällt den Fans überhaupt nicht. Sie können nicht verstehen, warum der 58-Jährige ausgerechnet jetzt rausgeworfen wurde. Und sie stellen Vermutungen an, warum es zu diesem Knall kam.

Jetzt ist es schon wieder passiert: Beim FCL fliegt einer aus der Führungsetage. Diesmal trifft’s ausgerechnet Rolf Fringer, den sympathischen 58-jährigen Sportchef, der erst am 23. Dezember 2014 den ebenfalls geschassten Alex Frei ersetzte – nach Heinz Hermann den zweiten Sportchef in der Geschichte des FCL.

Und ausgerechnet jetzt, wo’s dem Verein doch ganz prima geht. Platz vier in der Tabelle, mit einem Bein schon im Cup-Final, keine unnötigen öffentlichen Streitereien mehr, endlich Friede, Freude, Eierkuchen. Und jetzt, an diesem Donnerstagabend, 7. Januar, keine Stunde nach Fringers Entlassung, steht auf Wikipedia über den gebürtigen Österreicher schon: «Am 7. Januar wurde er als Sportchef freigestellt.» Auch auf der FCL-Webseite wurde er schneller wegradiert als man «FC Luzern Innerschweiz-AG» sagen kann. Ohne Fringer geht’s ringer, denkt man sich dort offenbar. So schnell geht das im Fussballbusiness.

«Ich bin schockiert, wurde völlig auf dem falschen Fuss erwischt. In meiner ganzen Zeit im Fussball bin ich noch nie so enttäuscht worden.» Dies sagte Fringer gegenüber der Neuen Luzerner Zeitung. Informiert über seine Kündigung wurde er von FCL-Präsident Ruedi Stäger (im Amt seit zwei Jahren!) und Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter (Präsi seit einem halben Jahr!).

In den Online-Foren entbrannte umgehend ein Sturm der Entrüstung. Der Tenor ist klar: Fringer war ein guter Mann. MIT Fringer geht’s ringer – nicht ohne! Die FCL-Teppichetage hat mal wieder gepfuscht! Die Anzahl Anti-Fringer-Kommentare lassen sich unter den über 150 Bemerkungen auf der FCL-Facebook-Seite an einer Hand abzählen.

Teil 1 von 3 Kostproben von der Facebook-Seite des FCL:

Fringer nahm kein Blatt vor den Mund

Was zum Geier ist da passiert, fragen sich nun Tausende von FCL-Fans? Denn die sofortige Freistellung kam völlig überraschend. Nichts deutete im Vorfeld auf einen derartigen Knall hin. Laut ultradürrer Mitteilung des FCL waren für den Rauswurf «unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung des Clubs» ausschlaggebend. Auf dem «Bla-Bla-Meter» im Fussball steht diese Floskel alleine und verlassen ganz zuoberst auf dem Podest.

Erst Mitte November hat das Stehaufmännchen der Liga zentral+ ein Interview («Ich habe mich nicht als Notnagel gefühlt») gewährt. Dabei hat der ehemalige Nationalmannschafts- und FCL-Trainer auch kein Blatt vor den Mund genommen und indirekt auch Trainer Markus Babbel (bereits seit 14 Monaten im Amt) kritisiert. Etwa indem er einzelne Transfers des Trainers bemängelte.

Trainer Markus Babbel und Sportchef Rolf Fringer – hat die Chemie nicht gestimmt?

Trainer Markus Babbel und Sportchef Rolf Fringer – hat die Chemie nicht gestimmt?

(Bild: Martin Meienberger )

Konkret sagte Fringer zur Verpflichtung von Sebastian Schachten: «Ich hätte jetzt nicht in erster Linie einen 30-Jährigen aus der zweiten Bundesliga geholt.» Ob das ein Streitpunkt war? Fringers eigene Transferbilanz sieht allerdings auch durchzogen aus. Dass er Wiss, Bozanic und Winter ziehen liess und dafür mässig erfolgreiche Spieler wie Brandenburger oder Fahndrich nach Luzern holte, halten manche Kenner der Szene auch nicht für Geniestreiche (hier geht’s zur Transferbilanz von zentral+).

Vermutlich wird Fringer nun auch an folgendes Zitat denken müssen: «Im heutigen Fussball ist es gar nicht möglich, dass du nie entlassen wirst. Ich habe aber immer gesagt, von drei Entlassungen sind zwei Managementfehler.»

Teil 2 von 3 Kostproben von empörten FCL-Fans:

FCL lässt sich mit Nachfolger Zeit

Fringer hat eine normale dreimonatige Kündigungsfrist. Er wird also noch bis Ende April Lohn beziehen – ohne allerdings arbeiten zu müssen respektive zu können. Denn Freistellung heisst, dass er ruckzuck und ohne Frist seinen Posten und sein Büro räumen muss.

Hatten sie das Heu nicht auf der gleichen Bühne? FCL-Präsident Ruedi Stäger und Rolf Fringer.

Hatten sie das Heu nicht auf der gleichen Bühne? FCL-Präsident Ruedi Stäger und Rolf Fringer.

(Bild: Martin Meienberger)

Bis zur Neubesetzung des Sportchefs wird laut FCL ein Sportausschuss die Aufgaben von Fringer übernehmen. In diesem sind Trainer, Scouting, Nachwuchs und Geschäftsleitung vertreten. Wie FCL-Medienchef Max Fischer (im Amt bereits seit fast einem Jahr!) auf Nachfrage gegenüber zentral+ sagt, lässt man sich nun Zeit: «Wir wollen zwar sicher wieder einen Sportchef. Auch gibt’s für diesen Job kompetente Leute. Aber wir wollen nichts überhasten bei der Suche. Möglich also, dass das Amt eine Zeit lang unbesetzt bleibt.»

Teil 3 von 3 Kostproben von FCL-Fans, die ihrem Unmut auf Facebook freien Lauf lassen:

Hoffen auf eine neue Tür, die sich öffnet

Nach Fringers – von einem unschönen Gerichtsstreit begleiteten – Rauswurf als Trainer beim FC Zürich, das war nach nur fünf Monaten im November 2012, lief sein Vertrag noch bis Sommer 2014. Bezüglich dieser Episode sagte der zweimalige Meistertrainer (1993 mit dem FC Aarau, 1998 mit GC) letzten November gegenüber zentral+: «Ich sagte mir, ab Anfang 2015 wieder im Geschäft sein zu wollen. Ich hätte schon stempeln gehen können, das habe ich aber nicht gemacht. Von der Terminierung passte es mit dem FCL perfekt. Es hat sich wieder eine Türe geöffnet, wie eigentlich immer – ich hatte das irgendwie gespürt.»

Viele Fans würden es Fringer sicherlich gönnen, wenn ihm auch jetzt noch eine Tür geöffnet würde.

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