Friede, Freude und Glühwein
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Luzerner Weihnachtsmärkte verzeichnen regen Besucheraufmarsch. (Bild: zvg)

Bilanz der Luzerner Weihnachtsmärkte Friede, Freude und Glühwein

3 min Lesezeit 21.12.2019, 11:00 Uhr

Bald ist Weihnachten – und die Zeit seiner Märkte vorbei. Welche Bilanz zieht man in Luzern? Und wie ist der neue Märt auf dem Inseli angekommen? Wir haben uns umgehört – und in einem Meer von Harmonie immerhin einen, wenn auch feinen Misston aufgeschnappt.

Dem eingefleischten Liebhaber von Weihnachtsmärkten dürfte nicht entgangen sein: Rudolfs Weihnachten, der neuste Zuwachs des weihnächtlichen Luzerns, zieht Scharen in seinen Bann. Das schmucke Hüttendörfli auf dem Inseli ist stets in eine dichte Wolke von Glühweindampf gehüllt, fast zu jeder Tageszeit tritt sich ein eher jüngeres Publikum die Füsse in der Kälte platt. Jacke an Jacke, Pappbecher an Bierflasche.

Entsprechend zufrieden sind die Organisatoren, sprechen von einem «Publikumsaufmarsch, der sämtliche Erwartungen übertroffen» habe. Wie aber hat sich Rudolf wohl auf die anderen Märkte ausgewirkt? Heisst des einen Freude des anderen Leid?

Viele Worte für eine Erkenntnis

Das wollen wir in Erfahrung bringen – und merken dabei bald: Das Fest der Liebe und Harmonie, es macht seinem Namen alle Ehre. Ob beim etablierten Märt auf dem Franziskanerplatz oder beim «Winterzauber» vor dem KKL: Negative Worte will niemand in den Mund nehmen, an Positiven aber wird nicht gegeizt. Friede, Freude, Eierkuchen.

Allenthalben wird das ungewohnt milde und trockene Adventwetter gelobt, die aufgeräumte Stimmung – und nicht zuletzt: der grosse Besucheraufmarsch. Von «sehr guten Besucherzahlen» (Franziskanerplatz), ist die Rede, und von «mehr Gästen als im Vorjahr» (KKL). Viele Worte finden die Verantwortlichen, um die erfreuliche Weihnachtsmarktsaison 2019 zu umschreiben, und landen doch früher oder später bei der einen Wortkombination: «sehr zufrieden».

Auch gegen Rudolfs Weihnachten, Luzerns neusten und auch unkonventionellsten Weihnachtsmarkt auf dem Inseli (zentralplus berichtete), mag niemand schiessen. Liegt das daran, dass die Organisatoren gleich selber beteuern, keine Besucher von anderen Märkten abzügeln, sondern vielmehr einen Mehrwert generieren zu wollen?

«Bereicherung» statt Konkurrenz

Von bedrohlicher Konkurrenz will man beim nahen KKL auf jeden Fall nichts wissen. Dort auf dem Europaplatz hat bereits zum zweiten Mal der «Winterzauber» samt eigenem Eisfeld Einzug gehalten. Und dort sehen die Verantwortlichen Rudolfs Auftritt in erster Linie als «positive Entwicklung», als «Aufwertung von Luzern als Weihnachtsdestination». Die verschiedenen Angebote würden sich nicht gegenseitig kannibalisieren, sondern vielmehr ergänzen – und so Luzern insgesamt attraktiver machen.

«Irgendwann ist eine Schmerzgrenze erreicht.»

Rico de Bona, OK-Präsident des Weihnachtsmarkts am Franziskanerplatz

Auch Rico de Bona, Sekretär der CVP Kanton Luzern und OK-Präsident des Weihnachtsmarkts am Franziskanerplatz, hat nichts dagegen, dass Luzern dieses Jahr noch einen Tick weihnächtlicher geworden ist. Er habe sämtliche Märkte abgeklappert und festgestellt, dass auch auf dem Inseli eine «ausgezeichnete Stimmung» herrsche. Selbst wenn sich dieses neue Angebot heuer nicht negativ aufs Geschäft auf dem Franziskanerplatz ausgewirkt habe. Wie sich neue Akteure auf dem Luzerner Weihnachtsmärt-Markt tatsächlich auswirken, werde man erst in ein paar Jahren besser einschätzen können.

Erfolgreiche Neuangebote hin oder her: Die Stadt dürfe künftig nicht komplett mit Weihnachtsmärkten zugepflastert werden, findet de Bona – auch wenn das der Verein «Weihnachten in Luzern» anders sieht (zentralplus berichtete). «Irgendwann ist eine Schmerzgrenze erreicht», so de Bona weiter. Wie schnell sich der Weihnachtszauber allen Kerzenflackerns und Frohlockens zum Trotz verflüchtigen kann, weiss ein jeder wohl nur zu gut.

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