Freizeitkapitäne ahoi: So geht es mit dem Gummiboot die Reuss runter
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Wer bei Rottenschwil nicht aussteigt, den erwartet jede Menge Ruhe und Grün. (Bild: Raphael Zemp)

Unsere Do's und Don'ts für alle Luzerner Freizeitkapitäne ahoi: So geht es mit dem Gummiboot die Reuss runter

5 min Lesezeit 1 Kommentar 01.08.2020, 12:00 Uhr

Sich treiben, die Seele baumeln lassen. Den Alltag hinter sich lassen – und erst noch der Hitze ein Schnippchen schlagen? Ein Gummiboottrip auf der Reuss macht’s möglich. Damit er aber nicht ins Wasser fällt, gibt es ein paar Sachen zu beachten.

Klar: Treibenlassen ist der zentrale Reiz eines Gummiboottrips. Funktioniert aber nur, wenn man entsprechend vorbereitet ist. Das heisst zu allererst: Wetterbericht studieren. Ist Regen oder Gewitter angesagt, den Böötli-Spass zwingend auf ein anderes Datum verschieben. Wichtig ist auch, ein reusstaugliches Gummiboot zu haben, mit mindestens drei separaten Luftkammern. Leckt eines, läuft man so trotzdem nicht auf Grund.

Das Gesetz schreibt vor, dass jeder Böötler eine Schwimmweste mitführen muss. Und dass das Boot mit Name und Adresse des Besitzers beschriftet sein muss. Damit soll verhindert werden, dass herrenlose Gummibootleichen die Gewässer(-ufer) säumen. Genau das aber kann man in der Reuss an einigen Stellen beobachten (siehe unten).

Weil das Wasser die Sonne reflektiert, kommen auch Sonnencreme, -brille und Kopfbedeckung mit ins Gepäck. Ebenso wie genügend zu trinken und zu essen (wie wäre es mit Grillieren unterwegs, an einem lauschigen Uferplätzchen?). Was nicht nass werden soll (Smartphone et al.), verstaut man am besten in einem wasserdichten Packsack.

Wo einwässern?

Sich direkt in der Stadt Luzern mit dem Böötli in die Reuss zu stürzen, ist ein verlockender Gedanke – aber nicht besonders empfehlenswert, stellenweise gar verboten. Der Einstieg beim Naturmuseum ist für Gummiboote ausdrücklich verboten. Auf Stadtgebiet dürfen Böötler nur den Abschnitt zwischen St. Karli und «Alter Fähre» befahren. Weiterzufahren ist wegen des Rathausen-Wehrs zu gefährlich.

Aufpumpen, Bagage verstauen und einwässern: Einstiegsstelle Gisikon, Gasthaus Tell. (Bild: Raphael Zemp)

Eine deutlich bessere Alternative ist deshalb die Einstiegsstelle in Gisikon-Root, beim Gasthaus Tell. Sie ist gut 500 Meter vom Bahnhof Gisikon-Root entfernt, und so per Zug von Luzern aus in nur knapp 25 Minuten erreichbar (9 Minuten Gehzeit einberechnet). Wer mit dem Auto anreist, kann das Auto unmittelbar vor dem Gasthaus an der Reuss parkieren – die 10 Franken teure Tageskarte kauft man direkt im Wirtshaus.

In der Karte findest du die Stellen, an denen du gut einwässern und aussteigen kannst:

Wo aussteigen?

Die Frage nach dem Fertiglustig mag nerven, ist aber trotzdem wichtig. Denn das Bööteln auf der Reuss kann gut und gerne ein paar Stunden dauern. Und wenn man gar Bremgarten als Endziel ins Auge gefasst hat, muss man mit gegen sechs Stunden reiner Fahrzeit rechnen – es sei denn, man hat gute Paddel eingepackt und ordentlich Kraft in den Oberarmen. Wer nämlich nur schon auf Google Maps auf die Reuss vor Bremgarten reinzoomt, dem schwant: Auf einem «Flachsee» herrscht wohl nicht die zügigste Strömung.

Wer die nötige Geduld oder Muskelkraft aufbringt, wird mit einem besonders naturbelassenen (und deshalb auch ordentlich mäandernden) Reussabschnitt belohnt. Die Fluss-Seefahrt endet erst vor Bremgarten, an der Staumauer des Wasserkraftwerks Bremgarten-Zufikon. Hier muss man links aussteigen (kein Problem, weil gut markiert und kaum Strömung) und das Boot ein paar hundert Meter weiter flussabwärts tragen (ebenfalls auf der linken Reussseite, durchs AEW-Gelände, wo Bootstransporte trotz markiertem Zutrittsverbot erlaubt sind).

Blick von der Staumauer reussabwärts. In der Bildmitte, am linken Ufer, ist der Wiedereinstieg zu sehen. Von dort sind’s nur noch wenige hundert Meter bis zum Endziel Bremgarten, Altstadt. (Bild: Raphael Zemp)

Wer’s gemütlich und ausgelassen haben, es aber nicht überstrapazieren will mit dem ersten Böötli-Abenteuer, steigt besser bei der Stahlbrücke in Rottenschwil aus (die Stelle auf der linken Seite ist gut markiert). Dort befindet sich mit dem Restaurant Hecht eine Stärkungsmöglichkeit (für all jene, die es nicht allzu ernst mit Punkt 1 genommen haben, dem Planen!) und eine Bushaltestelle. Von dort gelangt man nach Muri, und von da geht’s per S-Bahn nach Rotkreuz und von da – wiederum per S-Bahn – zurück nach Gisikon-Root. Fahrdauer: eine gute Stunde.

Gesunden Menschenverstand walten lassen

So, alles geregelt und geplant, das aufgepumpte Boot schaukelt schon friedlich auf dem Wasser. Was nun? Eigentlich nicht viel. Die Reuss ist auf der Wildwasserschwierigkeits-Skala auf Stufe 1 eingeteilt. Heisst: ruhig und mit freier Sicht. Wer die Seele baumeln lässt, den gesunden Menschenverstand aber nicht komplett ausschaltet, hat nichts zu befürchten. Konkret heisst das etwa:

  • Anweisungen befolgen. Immer mal wieder weisen grosse Tafeln auf dies oder jenes hin (etwa darauf, dass man sich nach der Brücke in Rottweil ans linke Ufer halten soll).
  • Keine Brückenpfeiler anvisieren. Eine Vielzahl von verschiedenen Brücken überspannen die Reuss. Kollisionen mit ihnen dämpfen den Böötlispass erheblich, können gar fatal enden.
  • Sich nicht zu nahe am Ufer treiben lassen. Die Reuss ist stellenweise ziemlich seicht. Zudem sammelt sich am Ufer oftmals Treibgut, welches das Böötli und somit auch seine Insassen in Mitleidenschaft ziehen könnte.
  • Keinen Güsel über Bord werfen oder am Ufer liegen lassen. Der gesamte Reusslauf steht unter Naturschutz und bietet nicht nur Böötlispass für den Freizeitpiraten, sondern vielen teils seltenen Tier- und Pflanzenarten auch Lebensraum.

Geniessen!

Ein blaues, dahinfliessendes Band, flankiert von Bäumen, Sträuchern und der gelegentlichen Wiese. Dieses Bild dominiert über weite Strecken. Die Reuss biegt sich meist nur sehr sanft, markante Bergzüge rücken keine ins Sichtfeld. Und doch ist es ein Vergnügen, unter blumenbehangenen Holzbrücken hindurchzugleiten. Gänsesägern auf ihrem Familienausflug zuzusehen. Zu beobachten, was alles grilliert, soundet und Sport treibt an den Ufern der Reuss. Und wer sich ebenfalls wie stark gehen, äh pardon, treiben lässt.

Apropos: Die Vorschriften für Alkoholkonsum auf Booten sind zwar auf dieses Jahr hin gelockert worden. Will heissen: Für Freizeitkapitäne gilt die 0.5-Promille-Grenze nicht mehr. Trotzdem verlangt das Gesetz, dass ein Boot nur steuern darf, wer «fahrtüchtig» ist. Prost und Schiff ahoi!

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1 Kommentare
  1. Heidi Koch, 01.08.2020, 14:17 Uhr

    Vielen Dank für den tollen Bericht mit den vielen Fotos, ist sehr hilfreich!

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