Die EM auf Luzerns Grossleinwänden

Public Viewings im Test: von Totalausfall bis Tomatensaft

Public Viewings gibts in Luzern während der EM viele. Sechs davon hat zentralplus einem Test unterzogen. (Bild: asc)

zentralplus hat für dich während des ersten EM-Spiels der Schweizer Nati gegen Ungarn Public Viewings in Luzern getestet. Totalausfall, Tiefkühlpizza und Tomatensaft – mach dich auf allerhand Kurioses gefasst.

Die Redaktion von zentralplus war am Samstagnachmittag unterwegs und hat sechs Public Viewings in der Stadt Luzern getestet. Bis zu fünf Sterne konnten die Standorte ergattern. In einem Fall reichte es aber tatsächlich nur für einen einzigen.

Schweizerhof: das Public Viewing für die Grossen

Das Luzerner Fussballfanherz schlägt höher, wenn es sich dem Public Viewing beim Schweizerhof nähert. Die Menschenmenge ist bereits zu hören, bevor sie zu sehen ist. Auf dem Platz zwischen den hohen Fassaden fühlt sich zu Hause, wer den Fussball liebt.

Fussballfeeling in seiner pursten Form im Public Viewing beim Schweizerhof. (Bild: asc)
  • Bier: Eine Stange kostet 6 Franken.
  • Sonstige Getränke: Longdrinks, Wein und Prosecco sowie Softdrinks.
  • Platzangebot: Draussen hats 3000 bis 4000 Stehplätze. Zudem gibts eine VIP-Sektion mit circa 150 Sitzplätzen.
  • Sicht: Der LED-Bildschirm ist 36 Quadratmeter gross. Sehr grosse Menschen sehen das Spiel problemlos. Unter 1,80 Meter musst du aber zwischen den Köpfen hindurchblicken. Bild- und Tonqualität sehr gut.
  • Stimmung: Die Menge fiebert lautstark mit. Vereinzelt werden Sprechgesänge angestimmt. Trotz ordentlichen Bierflusses ist kaum jemand stark alkoholisiert.
  • Kurioses: Bei Toren besteht Bierduschengefahr.

Fazit: ⭐️⭐️⭐️⭐️

Das Public Viewing beim Schweizerhof hält, was es verspricht. Für Fussballbegeisterte, die es gerne gemütlich haben, ist der Schweizerhof aber nicht der richtige Ort. Stattdessen für Fans ab 1,80 Meter Körpergrösse.

Bourbaki: wo bei Tomatensaft für Prüfungen gelernt wird

Es strömen mehr Menschen aus dem Haupteingang heraus auf den Löwenplatz, als es Menschen ins Bourbaki hineinzieht. Auf den ersten Blick scheint im Café Normalbetrieb zu herrschen. Es wirkt etwas verschlafen. Im hinteren Teil des Lokals sitzen aber ein paar wenige Fussballfans bequem auf den Drehsesseln und hören sich Huggels Matchanalyse an.

Im Bourbaki gehts während der EM 2024 gesittet zu und her. (Bild: asc)
  • Bier: Ein grosses Bier kostet 8 Franken.
  • Sonstige Getränke: Alles, was eine etablierte Bar anbietet.
  • Platzangebot: Circa 100 Sitzplätze drinnen. Gute Bild- und Tonqualität.
  • Stimmung: Gemütlich, wie zu Hause vor dem Fernseher. Der Alkoholkonsum hält sich in Grenzen. Getrunken wird quer durchs Beet – von Bier über Kaffee bis hin zu Tomatensaft.
  • Kurioses: Fast mehr Studentinnen, die sich auf ihre Semesterprüfungen vorbereiten, als Fussballfans.

Fazit: ⭐️⭐️⭐️ 

Wer während des Fussballspiels – ohne die Stimme erheben zu müssen – mit seinen Kolleginnen ein Gespräch führen will, ist hier goldrichtig. Echte EM-Stimmung kommt jedoch nicht auf. Das Bourbaki ist ein Nischengeheimtipp für Menschen, die es gerne etwas entspannter angehen wollen.

Anfield: das Gegenteil vom Kauf der Katze im Sack

Das Anfield ist nicht nur während des einmonatigen Ausnahmezustands, der EM in Deutschland, ein Hotspot für heissblütige Fussballfans. Im Anfield schwingt König Fussball auch während der restlichen elf Monate das Zepter. Entsprechend ists im Anfield so, wies im Anfield halt ist.

So wie an der EM siehts im Anfield fast immer aus. (Bild: naf)
  • Bier: Eine Halbliterdose kostet 6 Franken.
  • Sonstige Getränke: Alles, was eine etablierte Bar anbietet.
  • Platzangebot: Platz für etwa 200 Personen, wobei 70 sitzen können. Draussen kleiner Fernseher, aber nicht überdacht. Drinnen viele Fernseher und sehr gute Bild- und Tonqualität.
  • Sicht: Dank der vielen Fernseher überall gut.
  • Stimmung: Publikum zwischen 18 und 40 Jahre alt. Stimmung ordentlich, alle machen mit.
  • Kurioses: Dart spielen und Fussball schauen gleichzeitig möglich. Und: Es gibt Tiefkühlpizza.

Fazit: ⭐️⭐️⭐️⭐️

Nichts Neues im Anfield. Muss aber auch nichts neu gemacht werden. Wer den Ort mag, mag den Ort.

Seebistro Luz: ein Totalausfall – und herzliche Glückwünsche

Eigentlich sollte auf der Terrasse des Seebistros Luz die Fussball-EM regieren. Doch die grossen Emotionen bleiben aus – zumindest fussballtechnisch. Denn anders als angekündigt, fällt das Public Viewing im Luz ins Wasser. Stattdessen feiert ein Paar dort seine Hochzeit. Herzliche Glückwünsche!

Der Screen des Seebistros Luz blieb am Samstagnachmittag schwarz. (Bild: naf)
  • Bier: Eine Stange kostet 6 Franken.
  • Sonstige Getränke: Alles, was eine etablierte Bar anbietet.
  • Platzangebot: Überdachte Plätze für circa 50 Personen. Bild- und Tonqualität wegen Ausfall nicht beurteilbar.
  • Sicht: Wohl gut, wenn was laufen würde auf dem Bildschirm.
  • Stimmung: Inexistent.
  • Kurioses: Wer statt Fussball schauen jassen will, sei gewarnt: Die Karten können durch die Dielen im Boden hindurchfallen.

Fazit: ⭐️

Für den Totalausfall im Seebistro Luz gibts zwar keinen Stern. Aber dem Hochzeitspaar gönnt zentralplus einen.

Schüür: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

In der Schüür haben die Verantwortlichen gleich drei Leinwände aufgestellt: Im Eingangsbereich drinnen, im Garten, der teilweise überdacht ist, und dann auch im Konzertsaal oben. Also genug Platz für alle, richtig? Denkste! Wer hier erst zum Anpfiff erscheint, für den ist es – zumindest beim Spiel der Schweizer Nati – unmöglich, einen Sitzplatz zu ergattern. Dann heissts: ab auf die billigen Plätze und stehen.

Am Samstagnachmittag gab es beim Spiel Schweiz–Ungarn im Garten kaum ein Durchkommen. (Bild: mst)
  • Bier: Eine Stange kostet 6 Franken.
  • Sonstige Getränke: Alles, was eine etablierte Bar anbietet.
  • Platzangebot: Bei Knallerspielen früh da sein oder ab auf die Stehplätze.
  • Sicht: Auf den Stehplätzen eingeschränkt, auf den Sitzplätzen gut. Hohe Bild- und Tonqualität.
  • Stimmung: Nicht überschwänglich, aber gut.
  • Kurioses: Es gibt auch ein Antikaterwasser.

Fazit: ⭐️⭐️⭐️⭐️

Wer die 90 Minuten geniessen will, sollte bei den Topspielen früh eintreffen, sonst sind nur Stehplätze übrig. Aber es gibt auch positive Punkte: Gratiseintritt, zwei Schlechtwetteroptionen, schöner Garten.

Ufschötti: Es lohnt sich – trotz des Eintritts

Ein Public Viewing gab es bei der Ufschötti zum letzten Mal 2018. Es befindet sich nicht auf der Wiese, sondern auf dem Kiesplatz vor der Ufschötti und ist nicht zu übersehen. Für den Eintritt bezahlst du fünf Franken. Er gilt für sämtliche Spiele an diesem Tag. Zwei Franken erhältst du per Jeton zum Konsumieren zurück. Der Erlös fliesst gemäss den Organisatoren in weltweite Projekte für Kinder, die auf der Strasse leben.

Der Standort ist umgeben von Bäumen, man fühlt sich fast schon wie in einem Wald, was an einem heissen Sommertag durchaus angenehm sein kann. Anders, als beispielsweise in der Schüür, findest du hier auch einen Sitzplatz, wenn du erst knapp vor dem Spiel eintrudelst.

Das Public Viewing bei der Ufschötti bietet 800 Personen Platz. Hinweis: Das Bild ist nur auf dieser Fotografie verzerrt. (Bild: mst)
  • Bier: 4 Deziliter Eichhof kosten 6 Franken.
  • Sonstige Getränke: Nebst alkoholfreien Getränken auch Wein und Cocktails.
  • Platzangebot: 800 Personen finden auf Festbänken und ein paar wenigen bequemeren Sitzplätzen Platz. Nur ein kleiner Teil überdacht.
  • Sicht: Tipptopp. Gute Bild- und Tonqualität, wobei der Bildschirm leicht ruckelt.
  • Stimmung: Sehr gut.
  • Kurioses: Nebst Klassikern wie Bratwurst und Pommes frites auch Momos erhältlich.

Fazit: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Die Qualität stimmt definitiv – und dafür dürfen die Veranstalter auch fünf Franken verlangen. Zudem sind die Bierpreise vergleichsweise niedrig.

Hinweis: Das Angebot der sonstigen Getränke, die der Standort Schweizerhof zu bieten hat, wurde aktualisiert. Die Information aus der ersten Fassung des Artikels, dass neben Bier nur Mineralwasser zu erstehen sei, war nicht korrekt.

Verwendete Quellen
  • Augenschein vor Ort
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