Freizeit
Volles Haus auf der Allmend

Warum junge Menschen an die Waffen-Sammlerbörse gehen

Die Waffen werden gerne gezeigt, die Gesichter allerdings nicht. Die Waffensammler bleiben lieber unter sich. (Bild: PLU)

Es war viel los auf dem Messegelände, als wir am Sonntagmorgen auf die Allmend gegangen sind. Was uns beim Besuch aufgefallen ist: Es hatte sehr viele junge Menschen vor Ort.

Warst du schon an der Luga auf der Allmend und hast die Aussteller in den Messehallen besucht? Dann kannst du dir ungefähr vorstellen, wie viel bei unserem Besuch los war. Wir hätten nicht gedacht, dass es am Sonntagmorgen schon so viele Leute auf dem Messegelände hat. Sie alle haben ein gemeinsames Interesse: Waffen.

Waffensammler bleiben gerne unter sich

Gerne hätten wir dir an der Stelle ein Video oder mehrere Fotos von der Messe gezeigt. Allerdings verhält sich der Schweizer beim Thema Waffen in der Regel etwa so, wie wenn er nach seinem Vermögen gefragt wird. Fotografiert werden will hier niemand gerne, schliesslich hat nicht jeder Mensch für das Hobby Waffensammeln gleich viel Verständnis.

Das soll nicht bedeuten, dass die Sammler verschlossen sind. Ohne Kameralinse sind alle mit uns offen und freundlich umgegangen. Wir sprechen Kurt Koller an, der an seinem Stand steht. Der Luzerner handelt in seiner Firma «Collectors Firearms» mit Waffen für Sammler. Er bestätigt unser Eindruck, dass es viele jüngere Gäste hat. «Im Moment haben wir an der Messe sehr viele junge Menschen. Das zeigt auch, dass das Interesse da ist.» Er sagt, dass dies wohl an einem Generationenwechsel liege. «Die älteren Besitzer verkaufen ihre Waffen und die Jungen rücken nach.»

Koller zeigt uns eines seiner Prunkstücke. Für diese Waffe müsstest du 8’000 Franken auf den Tisch legen. Die Waffe sei in Bezug auf die Handarbeit sehr aufwändig gemacht, ein echter Schatz.

Mit dieser Waffe zu schiessen, sei zu schade. Es ist ein echtes Sammlerstück. (Bild: PLU) (Bild: )

In der Schweiz steigen die Waffenkäufe merklich an

Der Wunsch, eine eigene Waffe zu besitzen, ist merklich angestiegen. Erst vor rund einem Monat hat das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement Zahlen herausgegeben. Als Antwort auf eine Frage aus dem Nationalrat sagte das Departement: Insgesamt seien etwas mehr als 11’100 Bewilligungen von Januar bis März gemeldet worden. Das ist ein Viertel mehr als im ersten Quartal 2021. Der Bund stütze sich auf Zahlen aus 19 der 26 Kantone, da es kein zentrales Waffenregister gibt. Auch in Luzern ist die Anzahl an Gesuchen gestiegen (zentralplus berichtete).

Die Händler, welche wir an der Messe angesprochen haben, bestätigen diese Zahlen. Im Vergleich zu früher hat vor allem die Nachfrage bei Frauen, die sich für Waffen interessieren, zugenommen. Als Grund wurde vielfach das «Sicherheitsgefühl, eine Waffe zu haben», genannt.

Den typischen Neu-Waffenkäufer haben wir an der Messe nicht angetroffen. Die Waffen-Sammlerbörse wird meist von denen besucht, welche die Veranstaltung auch anlocken will – Sammler.

Warum interessieren sich junge Menschen für Waffen?

Wir sprechen mehrere junge Besucherinnen und Besucher an. Cyril und Robine sind beide 25 Jahre alt. Sie hat Piercings und ist um die 1,60 Meter gross, er trägt ein Shirt einer Punkband und ist um die 1,80 Meter gross.

Robine erklärt uns, dass sie sich nicht primär für die Feuerwaffen interessiere. «Ich schaue mir gerne die Messer an. Zum Kaufen reicht das Geld meistens nicht.» Auch ihre Kollegen seien begeistert von dem Handwerk. Cyril interessiert sich auch für die Messer, sieht die Börse aber auch wie ein Museum. «Hier kannst du die verschiedenen Arten von Waffen einmal sehen. Das ist schon besser als nur auf Fotos.»

Sie führen uns zu einem Stand, bei dem sie besondere Schmuckstücke entdeckt haben. Bei Messer Klötzli werden viele Objekte noch handgefertigt. Auch handelt das Unternehmen mit Sammlerstücken.

Als Beispiel wird uns ein Sammlerstück von Victorinox gezeigt. (Bild: )

«Zum Glück sind wir hier nicht in Amerika!»

Warum aus «ein bisschen Interesse» so eine grosse Faszination entstanden ist, kann sich Robine eigentlich gar nicht erklären. Bei Cyril führte der Weg zum Pulverdampf über den Verein. «Ich komme aus einem Sportschützenverein.» So hat er auch rund fünf Jahre im nationalen Bereich geschossen.

Robine ist zwar begeistert von Messern. Wenn sie auf Feuerwaffen angesprochen wird, sagt uns aber klar, dass sie es nicht gut fände, wenn jeder einfach so eine Waffe besitze. Es sei gut, dass die Waffenverkäufe in der Schweiz kontrolliert sind. «Zum Glück sind wir hier nicht in Amerika!» Dass dort praktisch jeder legal an eine Waffe kommt, kritisiert die junge Frau.

Auch betonen verschiedene Händler, dass eine Waffe alleine keine Sicherheit bringt. «Diejenigen, die denken, sie können eine Pistole kaufen und damit ihre Familie schützen, sind auf dem Holzweg», sagt uns ein Standbetreiber. Um mit einer Waffe gut umgehen zu können, braucht es viel Training.

Und so hoffen wir beim Verlassen der Hallen, dass diese Waffen auf der Allmend hoffentlich ihre Sammler glücklich machen werden. Und dass diese bleiben dürfen, wo Sammlerstücke hingehören. In der Vitrine unbenutzt und geputzt.

Verwendete Quellen
  • Besuch an der Waffen-Sammlerbörse in Luzern
  • Gespräch mit Kurt Koller, Collectors Firearms
  • Diverse Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern
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