Potenzial liegt brach

Von Zug auf die Rigi – für Touristen ein Frust

Die Rigi immer im Blick – dennoch spielt die «Königin der Berge» für den Zuger Tourismus kaum eine Rolle. (Bild: Andreas Busslinger)

Von Zug per Schiff und Bahn auf die Rigi. Was herrlich klingt, ist in der Umsetzung überhaupt nicht praktikabel. Die Rigi lässt sich für Zug touristisch nur sehr schlecht vermarkten. Das soll sich jetzt ändern.

Was der Pilatus für Luzern ist, könnte die Rigi für Zug sein: ein Hausberg, ein Wahrzeichen, eine touristische Goldgrube. Natürlich prägt der Pilatus Luzern durch seine unmittelbare Nähe zur Stadt deutlich mehr als die Rigi Zug. Dennoch sieht man die Rigi von vielen Punkten im Kanton Zug aus. Das touristische Potenzial liegt sozusagen vor der Nase.

Doch der Kanton sieht sich – falls überhaupt – erst seit einigen Jahren als Reisedestination. Zug gilt als Wirtschaftsmetropole. Aber als Touristenmagnet? Für viele eine schwierige Vorstellung. Daraus machte auch die frühere Chefin von Zug Tourismus, Renya Heinrich, bei ihrem Abgang keinen Hehl. «Es ist stossend, dass der reiche Kanton Zug verglichen mit anderen Städten ein tiefes Tourismusbudget hat», sagte sie damals im Gespräch mit zentralplus.

Die Rigi ist für diese ambivalente Beziehung zum Tourismus ein Paradebeispiel. Denn die touristischen Möglichkeiten des Hausbergs werden zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht ausgeschöpft.

Rundreise auf die Rigi findet in Arth-Goldau ein jähes Ende

Eklatant tritt das bei der Betrachtung der ÖV-Fahrpläne zum Vorschein. Von Zug aus kann man mit dem Schiff über den Zugersee bis nach Arth fahren, von dort mit dem Bus bis zum Bahnhof Arth-Goldau. Dann geht’s mit der Bahn den Berg hoch. Eine solche Rundreise ist Musik in den Ohren einer jeden Reiseplanerin und dürfte auch bei vielen wanderfreudigen Zugern hoch im Kurs stehen.

Doch wer sich am Morgen auf diesen verheissungsvollen Weg macht, wird bei der Talstation der Rigi-Bahn frustriert feststellen müssen, dass die Bahn gerade vor der Nase abgefahren ist. Denn der Bus kommt um 11.10 Uhr an – die Zahnradbahn fährt aber bereits um 11.08 Uhr los. Touristen dürfen dann während einer Stunde die Sehenswürdigkeiten am Bahnhof Arth-Goldau bestaunen, bevor das nächste Bähnli auf die Rigi fährt.

«Als neuer Geschäftsführer von Zug Tourismus ist mir das Potenzial für eine bessere Schiff-Bahn-Verbindung auf die Rigi auch aufgefallen.»

Dominic Keller, Geschäftsführer Zug Tourismus

Die Rückreise bietet immerhin ein wenig Trost. Am Nachmittag gibt es zwei Verbindungen von der Rigi bis nach Zug. Bei einer davon beträgt die Wartezeit am Bahnhof Arth-Goldau zwar sogar mehr als eine Stunde. Bei der späteren der zwei Verbindungen hingegen nur knapp 20 Minuten.

Rigi spielt für Zug Tourismus kaum eine Rolle

Auf der anderen Seite der Rigi erfahren Touristen, wie man es besser macht. Von Luzern mit dem Schiff nach Vitznau und von dort mit der Bahn auf die Rigi: Die ganze Verbindung ist wie aus einem Guss, dröge Wartezeiten in Vitznau gibt es nicht. Dasselbe gilt für die Rückreise, zum Beispiel über Rigi-Kaltbad hinunter nach Weggis und dann mit dem Schiff zurück nach Luzern.

Dominic Keller übernahm im Januar 2023 die Geschäftsführung von Zug Tourismus. (Bild: zvg)

Luzern Tourismus hat daraus längst eine Rundreise gemacht, die sich touristisch vermarkten lässt. Eine solche sucht man bei Zug Tourismus vergeblich. Der Berg taucht auf der Website kaum auf, und wo doch, dann nur mit direkter Verlinkung zur Website der Rigi-Bahnen. Die diversen Wandertipps von Zug Tourismus führen auf den Zugerberg, ins Ägerital, entlang der Sihl – nicht aber auf die Rigi.

Verantwortliche tüfteln an einer besseren Verbindung

Nun kommt aber Bewegung in die Sache. Das verrät der Zuger Tourismuschef Dominic Keller, der seit Anfang Jahr im Amt ist, auf Anfrage von zentralplus: «Als neuer Geschäftsführer von Zug Tourismus ist mir das Potenzial für eine bessere Schiff-Bahn-Verbindung auf die Rigi auch aufgefallen. Eine bessere Anbindung der Zugersee-Schifffahrt und Rigi-Bahnen ist ein Bedürfnis der Gäste sowie der öffentlichen Hand.»

So trafen sich Ende Juni Verantwortliche von Zug Tourismus, der Zugersee-Schifffahrt und der Rigi Plus AG zu einem Austausch. «Wir prüfen nun gemeinsam eine pragmatische Lösung, um den reibungslosen Anschluss an der Talstation Arth-Goldau zu gewähren», fasst Keller zusammen. Er relativiert aber auch, dass eine kurzfristige Änderung der Fahrpläne nicht möglich sei.

Eine Änderung der Fahrpläne ist sowieso höchst komplex. Das zeigt die Nachfrage bei der Zugersee-Schifffahrt. Zwar ist auch dieses Unternehmen an einer Optimierung der Reisekette von Zug auf die Rigi interessiert. Doch für die Schifffahrtsgesellschaft ist gleichzeitig wichtig, dass der Morgenkurs die Ankunft der Züge am Bahnhof Zug um 9.30 Uhr abwartet. «Eine zu frühe Abfahrt ist daher wenig sinnvoll», erklärt Geschäftsführer Philipp Hofmann.

Somit bleibt als Schraubstelle die Abfahrt der Zahnradbahn in Arth-Goldau. Da diese auf keine direkten Zug-Anschlüsse abgestimmt ist, besteht hier womöglich das grösste Verbesserungspotenzial. Bei der Vermarktungsorganisation Rigi Plus AG lässt man sich aber nicht in die Karten blicken. Die involvierten Parteien haben bei einem externen Verkehrsbüro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die Resultate werden den Spielraum für die einzelnen Transportunternehmen zeigen – liegen aber erst in rund einem Monat vor.

Zug Tourismus träumt von neuer Rigi-Rundreise

Derweil denkt Dominic Keller von Zug Tourismus bereits weiter. Ihm schwebt eine neue Rigi-Rundreise vor, die ihren Startpunkt in Zug hat. «Der Gast geniesst am Morgen zuerst eine Schifffahrt bei Kaffee und Gipfeli, fährt anschliessend auf die Rigi und bekommt ein regionales Mittagessen serviert», erklärt Keller seine Pläne. «Am Nachmittag erfreuen sich die Teilnehmer an den Freizeitangeboten am Berg und schliessen die Rundfahrt via Luzern oder via Vitznau oder Weggis nach Zug wieder ab.»

Denn Keller ist überzeugt, dass die Rigi auf der Zuger Seite noch grosse Chancen für den Tourismus bietet. «Ich bin überzeugt, dass das Potenzial von Luzern via Weggis oder Vitznau für die Rigi-Bahnen schon sehr stark ausgeschöpft ist. Aber auf der anderen Bergseite für neue Gäste aus der Nordwestschweiz, dem Raum Zürich oder der Ostschweiz gibt es noch neue Möglichkeiten.»

Zug stellt als Drehscheibe sozusagen das Zentrum dieser Überlegungen dar. Wenn es so weit kommt, versteht sich Zug vielleicht dann doch noch als Tourismus-Stadt – inklusive neuem Hausberg.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Dominic Keller
  • Website von Zug Tourismus
  • Schriftlicher Austausch mit Philipp Hofmann
  • Telefonat mit Sonja Hausherr, Geschäftsführerin Rigi Plus AG
  • Fahrpläne der Rigi-Bahnen und der Zugersee-Schifffahrt
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