Aufruf zu Telefonterror

Stadtfest-OK wurde wegen Bargeld gar persönlich belästigt

OK-Präsidentin Nicole Reisinger wurde wegen des Bargeldlos-Entscheids massiv belästigt. (Bild: mik)

Dass das Luzerner Stadtfest bargeldlos durchgeführt werden sollte, sorgte für Diskussionen. Nun zeigt sich aber erst das wahre Ausmass des Shitstorms.

Dass das Thema Bargeld auch im Jahr 2022 die Emotionen so hochgehen lässt, ist erstaunlich. Irgendwie scheinen doch mittlerweile alle bargeldlos zu bezahlen. Das dachte sich wohl auch das Organisationskomitee (OK) des Stadtfests und wollte den Anlass darum ohne Bargeld durchführen.

Der Entscheid sorgte für jede Menge Kritik (zentralplus berichtete). Das Komitee knickte daraufhin schnell ein und ruderte zurück. Am Stadtfest vom 24. und 25. Juni soll es nun also doch die Möglichkeit geben, mit Bargeld zu bezahlen (zentralplus berichtete).

OK wurde massiv belästigt

Das Ausmass der Kritik ist aber bedenklich. Denn wie nun ein Bericht von «Pilatus Today» zeigt, musste sich das OK auch persönlich einiges anhören lassen. Die Kritik nahm ein solches Ausmass an, dass in diesem Zusammenhang von Belästigung gesprochen werden muss. Beleidigungen inklusive.

Auf Telegramm und Twitter kursierten nämlich Briefe, die dazu aufriefen, das OK mit Nachrichten und Anrufen zu bombardieren. «Spamt das geisteskranke Pack ein!!», stand in einem dieser Briefe. Ein regelrechter Telefonterror wurde da öffentlich gefordert. Passend dazu waren auf den Briefen die Telefonnummern und E-Mail-Adressen der OK-Mitglieder einzeln aufgeführt.

«Vor allem eine Woche bis zehn Tage nach dem Entscheid ein bargeldloses Fest einzuführen, waren die Belästigungen sehr gross», sagt Nicole Reisinger gegenüber dem News-Magazin. Die ehrenamtlichen OK-Mitglieder wurden auch an ihren Arbeitsplätzen massiv gestört. Schliesslich mussten sie gar ihre Nummern und E-Mail-Adressen von der Homepage entfernen.

Keine Reaktion auf die Belästigung

Der Entscheid, Bargeld trotzdem zuzulassen, sei aber nicht als Reaktion auf die Belästigungen zu verstehen. So versichert Reisinger, dass der Entscheid im Austausch mit «Luzern60Plus» gefallen ist. Die Organisation setzt sich für die Anliegen älterer Menschen in Luzern ein und betonte, dass insbesondere Seniorinnen gerne noch mit Bargeld bezahlen. Ein bargeldloses Stadtfest würde die Bevölkerungsgruppe darum zu grossen Teilen ausschliessen.

Verwendete Quellen

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