Zwanzig Minuten Marsch zur Essensausgabe

So erlebten zwei Luzerner Pfadfinder das Bundeslager

Gruppenbild der Piostufe Schirmerturm-Luegisland zusammen mit der Piostufe Ballwil. (Bild: Emanuel Ammon)

Diesen Sommer erleben Luzerner Pfadfinder ein Sommerlager der besonderen Art. Mit über 30'000 weiteren Pfaderinnen zelten sie im Bundeslager in Goms. Wie das bisher lief und wie man sich das Essen verdienen musste, erzählen die Luzerner Pfader Ratio und Matter.

«Tschiaiai tschiaiai tschiaiai-oh!» Wem das nichts sagt, der war wohl nie in der Pfadi. Und wer es kennt, blickt wahrscheinlich gerade nostalgisch ins Goms (VS). Dort findet gerade das rund alle 14 Jahre stattfindende Bundeslager (Bula) statt. Über 30'000 Pfadfinerinnen haben ihre Zelte dort aufgeschlagen. Darunter auch etliche Pfadis aus Luzern.

Zum ersten Mal alle auf einem riesigen Platz

Mittendrin sind auch Dominic Büttiker und Emanuel Schüpfer – mit Pfadinamen Ratio und Matter – von der Pfadi Schirmerturm der Stadt Luzern. Für sie ist es das erste Bula – obwohl Ratio bereits zu den Zeiten des letzten Bundeslagers in der Pfadi war. «Damals war ich aber noch bei den Wölfli. Und die durften beim letzten Mal leider noch nicht mit», erzählt der heute 23-Jährige.

In diesem Jahr sind die beiden als Leiter mit der Pio-Stufe unterwegs. Pios sind Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, die auf die Leiterstufe vorbereitet werden. Und wie haben die beiden das Lager bisher erlebt? «Super!», meinen beide am Telefon. «Es ist ein mega cooles Gefühl, mit so vielen Leuten hier zu sein», führt Büttiker aus.

Während das Bundeslager in den vorherigen Jahren jeweils in mehrere «Unterlager» unterteilt worden ist, zelten dieses Jahr alle Pfadis auf einem zusammenhängenden Platz. Was das Lager zu einer grossen logistischen Herausforderung macht. Rund 5000 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz.

Zwanzig Minuten Marsch zur Essensausgabe

Die einzelnen Pfadis spüren die riesigen Dimensionen ganz direkt: «Wir haben beispielsweise einen Zeltplatz eher am Ende des Platzes. Die Essensausgabe ist im Zentrum. Für das Küchenteam bedeutet das jeweils einen gut zwanzigminütigen Marsch fürs Essen», berichtet Ratio. Und weil es nur eine Essensausgabe für das gesamte Lager gibt, entstehen jeweils lange Schlangen. «Anfänglich mussten wir zwei Stunden anstehen. Da gab es Pfader, die mit Stühlen und Sonnenschirmen aufs Essen warteten», lacht Büttiker.

Ganz verhungern mussten sie jedoch nicht: Auf dem Zeltplatz gibt es auch 20 Beizen, die die Pfaderinnen mit Snacks und Getränken versorgen. Ein weiterer Punkt seien die Flächen fürs Programm. «Die Spiel- und Waldflächen mussten die Leiter bereits im Vorfeld des Lagers buchen.» Einige Flächen davon befinden sich etwas weiter entfernt. «Wir hatten bisher immer Glück. Aber wenn man Pech hat, erwischt man eine Fläche, die eine zweistündige Wanderung entfernt ist.»

Miteinander von Tausenden von Gleichgesinnten

Das Megalager hat aber vor allem Sonnenseiten, so die zwei Pfader. «In so einem riesigen Lager zu sein, ist ein Erlebnis», schwärmt Matter. All die Pfaderinnen, die gemeinsam nach Goms gepilgert sind, hätten schon fast Züge einer «Völkerwanderung», beschreibt der 22-Jährige. «Zu sehen, wie Pfadis aus der ganzen Schweiz zusammenkommen und es gut miteinander haben, ist ein Wahnsinnsgefühl.»

Das Gefühl des Miteinanders streicht auch Ratio heraus: «Alle Leute helfen sich gegenseitig. Wenn beispielsweise ein Werkzeug fehlt oder kaputtgeht, helfen andere unkompliziert aus.» Ohne die anderen Pfadfinder gross zu kennen, herrsche gegenseitiges Vertrauen.

Die Zeltplätze sind nach Altersstufe sortiert, womit Gleichaltrige etwas unter sich sein können. «Bei all den Pfadern ist eigentlich immer etwas los», so Matter. Zwar gäbe es eine Nachtruhe. Doch eigentlich seien viele noch bis in die frühen Morgenstunden unterwegs.

Kein Abendprogramm? Selbst ist der Pfader!

Tagsüber gäbe es verschiedene Angebote und Workshops, die die älteren Pfadfinder buchen können. So beispielsweise das persönliche Highlight von Ratio: River-Rafting auf der Rhone. «Im Neoprenanzug auf der 5 Grad kalten Rhone zu treiben, hat schon viel Spass gemacht. Solche Angebote können wir in normalen Lagern halt nicht machen, da niemand die Ausbildung hat.»

Die Pios an ihrer improvisierten Pio-Bar. (Bild: Emanuel Ammon)

Abends gebe es für die älteren Pfadfinder leider kaum Programm. Langweilig wird ihnen jedoch nicht. Schliesslich lautet das alte Pfadfindermotto: «Allzeit bereit!» Die Pios der Pfadi Schirmerturm, welche gemeinsam mit der Pio-Stufe Ballwil im Lager sind, haben auf dem Zeltplatz kurzerhand eine eigene Pio-Bar gebaut, die sie jetzt betreiben. «Mit selbstgebastelten Plakaten haben sie dafür Werbung gemacht und Citro ausgeschenkt», so Schüpfer. Und Büttiker fügt an: «Gestern hatten wir sicher 40 andere Pios bei uns. Und so einige gesellige Stunden miteinander verbracht.»

Weitere Bilder aus dem Bundeslager findest du hier:

Grosse 1.-August-Feier steht an

Für die beiden Luzerner Pfadfinder heisst es jetzt Halbzeit. Worauf sich die beiden in der nächsten Woche noch freuen? Für Matter sind es die «grossen» Programmpunkte: «Einerseits unsere Wanderung. Andererseits die grosse 1.-August-Feier.» Dort kläre sich, wie weit die Pfader im Lagerziel gekommen sind.

Ratio hingegen möchte einfach das Lagerleben geniessen. «Die erste halbe Woche mussten wir uns noch etwas einfinden und herausfinden, wo alles ist.» Nachdem sie nun nicht mehr alles immer suchen müssen, haben sie auch etwas mehr Freizeit. «Jetzt kann ich beispielsweise all die Stände ausprobieren, die es gibt. Oder andere Pfadis besuchen.» Und mit ihnen wahrscheinlich das eine oder andere Tschiaiai singen.

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1 Kommentar
  • Profilfoto von Jörg
    Jörg, 01.08.2022, 08:59 Uhr

    Die Wölfli durften beim BuLa 2008 selbstverständlich auch mit…

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