Beschäftigungstipps aus der Redaktion

Schnauze voll vom Regenwetter? Hier kommt Abhilfe

Ein typischer Sommer in Luzern. (Bild: Leserreporter)

Die einen freuts, den meisten stinkts. Der bisherige Sommer war sehr wasserlastig. Damit Sonnenanbeter nicht komplett ins Stimmungsloch taumeln, gibt die zentralplus-Redaktion eine Handvoll Tipps.

Vielen Leuten schlägt das Regenwetter allmählich aufs Gemüt. Sonnige Sommertage kann man gefühlt an einer Hand ablesen. Bleibt immerhin noch die Hoffnung, dass der Juli und der August vielleicht noch ein paar Sonnenstunden im Magazin haben. Aber wer weiss das bei den gegenwärtigen Wetterkapriolen schon so genau.

Dieses Wochenende gehört für Sonnenanbeter eher wieder in die Kategorie «Abhaken und vergessen». Denn es ist wieder nass. Aber halb so wild, denn die zentralplus-Redaktion hat die Köpfe zusammengesteckt und zusammengetragen, wie Regentage verbracht werden können. Vielleicht schlummert in den untenstehenden Zeilen ja der ein oder andere Tipp, der auch dein wasserlastiges Wochenende angenehmer gestaltet.

Konstantin Kreibich: Männer im Baumarkt

Ich fahre nicht Auto, habe eine Luzerner Stadtwohnung ohne Garten und hasse Regen. Mieses Wetter heisst bei mir ausschlafen, Fernsehen, Nacho-Platte. Manchmal aber packt mich bei Regen eine Lust, von der ich nicht weiss, woher sie kommt. Dann miete ich ein Mobility-Auto, starte die Scheibenwischer und fahre durch die Stadt nach Emmen. In den Baumarkt.

Oh Baumarkt, mit deinen Sägen, Pools, Lampen, Teppichen, Gartenstühlen, Farben, Hölzern, Sprinklern: Wer hier ist, weiss, was er will, redet über Millimeter und Silikat. Hier ist die Welt in Ordnung, alles hat seinen Platz, jeder Dübel eine Schraube. Ich lass’ mir Zeit. 80 Stutz, drei Topfpflanzen und einen nassen Nacken später bin ich zurück in meiner Wohnung. Und wache auf: Was war da denn los?

Marc Sieger wird zum Schnecken-Heiland

Anmächelig tönt es nicht gerade, zugegeben. Bei Sturm und Regen die kleinen, schleimigen Sch...dinger von den Salatköpfen runterzupflücken, hat aber etwas sehr Befriedigendes. Die Frau scheucht mich und die vierjährige Tochter jeweils bei Regen in den Garten. Raus müssen wir so oder so und die Kleine liebt es, die Dinger zu suchen. «Da hat es noch eine Schnecke», ruft sie dann vergnügt und zeigt auf irgendein braunes Etwas, das im Dreck liegt und manchmal tatsächlich eine Schnecke ist.

Und wenn sie Freude hat, habe ich es auch. Der besonders vergnügliche Teil ist dabei die Überführung der Schnecke an einen anderen, für sie sichereren und mich «geeigneteren» Ort – den Nachbargarten. Schwups, kleiner Schlenker aus dem Handgelenk und die Schnecke klebt auf der anderen Seite des Gartenzauns an des Nachbars Kohlrabi. Dort gehts ihnen auch gut und ich bin auch happy. Schnecke glücklich, Tochter glücklich, Frau glücklich – wie könnte ich es da nicht auch sein.

Die Innenstadt bietet auch Rossschnecken Nahrung.
Schnecken haben es in Marc Siegers Garten schwer (Bild: Christina Imobersteg)

Michelle Keller taucht in fremde Welten ab

Ist es draussen richtig garstig, krame ich gern Brettspiele hervor. Ob nun beim Rätselraten und Schatzsuchen bei einem «Exit» (eine Art Escape Room als Brettspiel), Kartenspielen wie «Frantic» oder Klassikern wie «Monopoly»: Mit ein paar Freunden zusammen verfliegen die Stunden im Nu. Und wer die alten Brettspiele bereits einem Brocki verschenkt hat oder keine Lust auf die immer gleichen Spiele hat, kann sich im Luzerner Brettspielcafé durch das Sortiment spielen.

Habe ich etwas mehr Zeit, tue ich es gern dem «Hellfire Club» von «Stranger Things» nach und spiele Rollenspiele. Was stört einen der Regen draussen, wenn man grad in einer Mine ein verwunschenes Tor zu einer anderen Welt sucht und dabei Banditen bekämpft?

Matthias Stadler wird zum Rehflüsterer

Wenn es so richtiges Hudelwetter ist, bleibe ich ja am liebsten zuhause, schaue eine Folge «Game of Thrones» oder «Downton Abbey». Doch den ganzen Tag auf dem Sofa rumlümmeln, wird selbst mir irgendwann zu blöd. Gut, liegt der Bireggwald in unmittelbarer Nähe. Mit Regenjacke und guten Schuhen ausgerüstet, geht es dann dem Waldrand hoch hinauf, bis man eine Aussicht für die Götter hat. Der halbe Vierwaldstättersee liegt einem zu Füssen, dahinter die Schwyzer, Urner, Nid- und Obwaldner Berge.

Wenn dann noch Rehe die Szenerie bereichern, fehlt nicht mehr viel zum absoluten Glück. Mittlerweile weiss ich: Es kommt gerade während der Dämmerung immer wieder vor, dass sich zwei, drei dieser grazilen Tiere aus dem Wald wagen und hinaus auf die offene Rasenfläche treten. Wenn sie dort dann seelenruhig etwas Gras fressen und die Regentropfen auf die Bäume klatschen, ist es fast schon zu kitschig, um wahr zu sein.

Zwar nicht im Regen, aber trotzdem schön: ein Reh im Bireggwald. (Bild: mst)

Valeria Wieser zieht es zu den Bäumen

Vielleicht bin ich bezüglich des Zuger Schlaufenstegs nicht ganz neutral. Insbesondere, seit ich vor wenigen Wochen einen exklusiven Rundgang auf dem hölzernen Steg mitten durch den Baarer Wald machen konnte (zentralplus berichtete). Dieses ungewöhnliche Projekt, das mehrere Meter über dem Waldboden in Schlaufen von A (der Lorze) nach B (Vogelwinkel) führt, ermöglicht einen Perspektivenwechsel, welcher, ja, es klingt kitschig, der Seele guttut.

Nicht nur bei schönem Wetter eine Attraktion: Der neueröffnete Schlaufensteg in Baar. (Bild: wia)

Der Schlaufensteg wurde gerade erst eröffnet. Es ist davon auszugehen, dass sich die Bevölkerung anfänglich in Horden hier tummelt. Darum: Am schönsten dürfte es hier in den kommenden Monaten im Regen und in entsprechend geringer Bevölkerungsdichte sein.

Chris Bucher bastelt um seine Bücher herum

Alle jammern über den Regen. Ich finde den super. Ich muss nicht raus und mich mit Menschen abgeben, kann stattdessen gemütlich und mit gutem Gewissen daheim meiner Sucht meinem Hobby nachgehen: Bücher lesen. Schliesslich liegen gemäss meiner Bücher-App noch 98 ungelesene Exemplare in den Regalen. Ebooks nicht mitgerechnet.

Derzeit ist aber nichts mit Lesen. Meine Wohnung ist aktuell mehr Bastelatelier als Rückzugsort. Für ein Filmprojekt müssen nämlich ein paar Handpuppen von Urzeit-Viechern her. Darum schielt mich in der Küche ein prähistorischer Riesenvogel an, im Wohnzimmer gähnt der lebensgrosse Kopf eines Dimetrodon und auf dem Esstisch lauert zwischen Kunstfell, Modellierschaum und Farbtuben ein Velociraptor.

Ich kann also eine kleine Bastelrunde wärmstens empfehlen. Bestenfalls hat man was Tolles, das man aufstellen oder verschenken kann. Worst-case-Szenario ist ein Ergebnis, das aussieht, wie das «abverheite Geknuschte» eines Primarschülers aus der 3b. Aber: Es hat etwas wahnsinnig Beruhigendes, klassische Musik zu hören, während man hunderte von Schuppen modelliert und draussen der Regen gegen die Scheibe prasselt.

Gastro-Redaktor Chris Bucher übt das Schminken am ausgestorbenen Objekt. (Bild: cbu)

Mirjam Reinhard mutiert beim Regenwetter zur Putzfee

Ein grauer Tag, kein Sonnenschein strahlt durchs Fenster – die perfekten Bedingungen, um die Wohnung mal wieder gründlich zu putzen! Denn ich finde nichts deprimierender, als Staubsauger und Lappen hervorzukramen, wenn das Wetter eigentlich nach draussen lockt. Bei Regen hingegen verpasse ich immerhin nichts. Die meisten Leute verkriechen sich ohnehin unter der Bettdecke oder machen sich auf zum nächsten Museum, zur Indoor-Sportanlage oder ins Wellness. Diese Orte sind dann erwartungsgemäss hoffnungslos überfüllt, das erspare ich mir.

Ein weiterer Vorteil vom Putzen während dem Regen: Je trister es draussen ist, desto weniger Staub und Dreck befindet sich in der Wohnung. Das sagt zumindest mein Augenschein. Die Sonne bringt nämlich jedes einzelne Staubkorn mindestens zehnmal so stark zur Geltung. Da sind mir die Putzbedingungen bei Regen lieber. Und das Beste beim Reinigen während tristem Wetter: Der Regen hilft beim Putzen der Fenster und des Balkons mit. Als ich nämlich von der Agglo mitten in die Stadt Luzern gezogen bin, bemerkte ich: Die Fensteraussenseite zu reinigen lohnt sich nicht, weil die eh so schnell wieder dreckig wird. Diese Arbeit überlasse ich seither der Natur.

Nach der anstrengenden Putzeinheit benötige ich dann die verdiente Erholung. Das süsse Nichtstun fühlt sich in der geputzten Wohnung und frisch geduscht nochmals deutlich gemütlicher an.

Nathan Affentranger joggt im Regen

Die Seepromenade gehört mit zum Besten, was Luzern zu bieten hat. Die Stadt öffnet sich, der Blick schweift frei über die Weiten der Wellen und findet zuhinterst ein atemberaubendes Bergpanorama. Nur, an den meisten Tagen wird die Magie dieses Ortes etwas getrübt. Hunderte Mitgeniesser vermiesen das Vergnügen.

Nicht so bei Regen. Wenn sich die frische Seeluft mit einem feinen Niesel mischt, bleiben die Scharen fern. Dann ist der Weg frei. Und das schweisstreibende Joggen macht die widrige Witterung auch halb so wild. Als Zückerchen obendrauf gibt’s danach das wohlige Gefühl, sich selbst etwas Gutes getan zu haben.

Bei Regenwetter gibts genug Platz zum Joggen. (Bild: naf)

Bei Artemio Scammacca gibts was aufs Ohr

Was gibt es Schöneres, als bei regnerischem Wetter gemütlich im Trockenen zu sitzen, die Regentropfen durch die Fensterscheibe zu beobachten und bei musikalischen Höhenflügen seinen Gedanken nachzugehen. Du denkst jetzt an deinen Lieblingsplatz im Wohnzimmer.

Ich denke hierbei an das Durchstöbern eines Schallplattenladens nach Klängen vergessener Zeiten. Konkret bedeutet das für mich, dass ich die Secondhand-Abteilung des Plattenladens meiner Wahl nach interessanten Covers durchsuche. Eine kleine Auswahl nehme ich mit zum Plattenspieler, setze mich hin. Fortan gebe ich mich den oftmals kuriosen, musikalischen Exkursen hin, bis der Laden schliesst oder der Regen versiegt.

Isabelle Dahinden pilgert vom Pub vor die Glotze

Regen wurde geschaffen, damit der Mensch entkatern kann. Man verpasst nichts. Und braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Du setzt an solchen Tagen den Fuss – geschmückt von flauschigen Katzenfinken – nur kurz vor die Tür, um die Gabe des Pizzaiolo abzuholen? Und du beschränkst den Radius auf Sofa-Kühlschrank-Ibuprofenschränkli–Bett? Willkommen, so sieht ein perfekt verregneter Wochenendtag für mich aus.

Das heisst im Umkehrschluss: Ein gutes, aber verregnetes Wochenende braucht etwas Planung und Durchhaltewillen im Voraus – ich mag ausgedehnte Pub-Crawls und einen Abstecher in einen Techno-Bunker nachts davor. Am Tag danach braue ich einen frischen Ingwer-Zitronen-Tee, weible mit einem rauchenden Paolo–Santo-Hölzchen um mich (das soll mich reinigen, energetisieren, harmonisieren und so) und starte einen Trash-TV-Marathon. Trash-TV ist Sozialstudie und offenbart mir den Abgrund aller Emotionen – zu Zeiten, in denen meine eigenen Gefühle etwas abgestumpft erscheinen.

Verwendete Quellen
  • Inputs der Redaktion
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