Saunawagen in der Luzerner Tribschen-Badi

Saunawagen bringt Stadtverwaltung ins Schwitzen

Normalerweise glühen die Kohlen im Saunawagen, wenn Laurin Schwob die Aufgussquelle schwingt. (Bild: jdi)

In der Tribschen-Badi kommen Saunaliebhaber seit Anfang Jahr ins Schwitzen. Doch der Weg vom rostigen Bauwagen bis zur dampfenden Sauna auf der Wiese in der Tribschen-Badi war steinig. Über bürokratische Hürden und die Liebe zum Schweiss hat zentralplus mit Laurin Schwob, dem Präsidenten des Vereins Saunawagen, gesprochen.

Laurin Schwob ist ein Tausendsassa. Im Neubad ist er für Personalbelange und das Netzwerk zuständig. Doch Insider wissen, dass der 31-Jährige zu speziellen Anlässen auch mit humoristischem Mundartrap samt aufwendigen Videoclips zu überzeugen vermag. Mit einer Arbeitskollegin hat er zudem die erfolgreiche Instant-Partyreihe «118 Minuten On Fire» ins Leben gerufen.

Wir treffen Laurin Schwob in der Tribschen-Badi. Dort, wo die mobile Sauna seit Anfang Jahr steht und rege genutzt wird. Er habe vor einigen Jahren Freunde im Rahmen des Eventformats «Schwimm, Schwitz, Schwob» zum Schwimmen und Saunieren im Emmer Mooshüsli eingeladen – und im Anschluss zu leckeren Backofengerichten, die während des Aufenthalts im Schwimmbad vor sich hin garten. Das Format kam gut an. Die Freude am Saunieren prägte vielleicht auch darum Schwobs nächstes Projekt.

Ans Luzerner Seeufer statt nach Tokio

Im Pandemiefrühling 2020 wollte Laurin Schwob mit dem Zug nach Japan. Schnell wurde klar: Da wird nichts draus. Frustriert suchte er nach einer Alternative – und begab sich auf eine nicht minder abenteuerliche Reise, die ihn (unverhofft) bis tief in den Luzerner Bürokratiedschungel führen sollte. Eine mobile Sauna am Luzerner Seeufer, so lautete seine neue Wunschdestination.

Kurzerhand habe er sich bei mehreren Bauunternehmen gemeldet, bis er in Nidwalden fündig wurde. «Je eher du ihn holst, desto billiger bekommst du ihn», habe das damalige Angebot für den knapp noch fahrbaren Bauwagen gelautet. Einen Tag später sei der 100-Franken-Wagen vor dem benachbarten Bauernhof gestanden – und Laurin Schwob vor «einem Problem, das es zu lösen galt: Wie baue ich ohne jegliche handwerkliche Vorkenntnisse aus einem alten, verrosteten Bauwagen eine mobile Sauna?»

Ein Projekt von Freunden für Freunde – und die Öffentlichkeit

«Ohne den grossen Support aus meinem Umfeld hätte ich das nie geschafft», ist Schwob überzeugt. Viel zu verdanken habe Schwob der Unterstützung zweier Handwerker, die er im Neubad kennengelernt habe. Sie hätten vor allem bei der Planung des Wagenumbaus entscheidend zum Gelingen des Vorhabens beigetragen. Bis zur Fertigstellung hätten schliesslich über 30 Personen ehrenamtlich am Saunawagen mitgebaut. Einige dieser Freundinnen seien noch heute Teil des Vereins Saunawagen und träfen sich regelmässig zum gemeinsamen Schwitzen.

«Das Bauamt hat das Gesuch auseinandergenommen, als wollte ich ein Einfamilienhaus bauen.»

Laurin Schwob, Präsident des Vereins Saunawagen

Begonnen mit dem Umbau des alten Bauwagens habe er in Emmen, so Schwob. Fertig gebaut hätten sie den Saunawagen aber auf dem Eisenplatz an der Industriestrasse (zentralplus berichtete). Dort hätten sie denn auch eine Saison lang sauniert. «Doch das Ziel war immer, die Sauna öffentlich zugänglich zu machen und am Luzerner Seeufer zu platzieren», sagt Schwob. Mit dem Ende der Zwischennutzung auf dem Eisenplatz begann auch die Suche nach einem neuen Standort für den Saunawagen.

Baugesuch für eine mobile Sauna

«Hätte mir jemand gesagt, wie kompliziert das werden würde», so Schwob schmunzelnd, «hätte ich die Projektidee vielleicht nie umgesetzt.» Mit dem Wunsch nach einem Standort am Luzerner Seeufer hätten sie im Verein Saunawagen die Auswahl stark eingeschränkt. Die Tribschen-Badi entpuppte sich als Wunschstandort. Inzwischen steht der Saunawagen ebendort – und soll dies auch im nächsten Winter tun.

Mit der Idee gelangte Laurin Schwob an die Stadtverwaltung. Er setzte damit ein bürokratisches Verfahren in Gang, das seinesgleichen sucht. Von einem Amt sei er ans andere verwiesen worden. Alle hätten die Idee für gut befunden. Aber niemand habe sich zuständig gefühlt. Schliesslich sei ihm mitgeteilt worden, er müsse für die mobile Sauna ein Baugesuch einreichen. Kurzerhand habe er sich mit einem befreundeten Architekten zusammengesetzt und begonnen, an einem Baugesuch zu schreiben. «Das Bauamt hat das Gesuch behandelt, als würde ich ein Einfamilienhaus bauen wollen. Fahrende Objekte existieren da nicht», lacht Schwob.

Vorsprechen beim Stadtpräsidenten

Schliesslich begab sich Schwob zur Sprechstunde beim Stadtpräsidenten persönlich. Auch dieser habe sich vom Projekt begeistern lassen und gleichzeitig zugegeben, dass die Abläufe und Bewilligungsverfahren in der Stadtverwaltung kompliziert sein könnten. Schwob fordert darum: «Die bürokratischen Hürden für solche Projekte müssen unbedingt abgebaut werden. Wenn jemand eine gute Idee hat, sollten die komplizierten Strukturen der Behörden dieser nicht im Weg stehen.» Es brauche zudem eine klar definierte Anlaufstelle, die sich solcher Projekte annehme und unkomplizierte Lösungen ermöglichen könne.

«Jeder und jede darf spontan vorbeischauen und mitschwitzen.»

Laurin Schwob, Präsident des Vereins Saunawagen

Am Ende konnte mit verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung eine Lösung gefunden werden. Jedoch lediglich im Rahmen einer bis am 5. März bewilligten Pilotphase. Schwob habe ein Verlängerungsgesuch bis Anfang April eingereicht. Danach sei die Saison durch. Wenn nötig, werde er tatsächlich noch ein Baugesuch einreichen, um ab Herbst 2023 wieder auf der Wiese der Tribschen-Badi sein zu dürfen. Ein grosser Aufwand für eine mobile Sauna.

«Sauna bringt Leute aus dem ganzen Quartier zusammen»

Laurin Schwob schaut ohne Groll auf die Zeit im Luzerner Bürokratiedschungel zurück. Zu gut laufe es im Verein Saunawagen. Rund 20 Mitglieder träfen sich regelmässig zum Saunieren, würden aber auch mithelfen beim Unterhalt des Wagens. Doch die Sauna werde längst nicht nur von Mitgliedern genutzt. «Jeder und jede darf spontan vorbeischauen und mitschwitzen», sagt Schwob.

Auf der Webseite des Vereins Saunawagen finden sich die Saunatermine im Kalender. Jeden Montag und an weiteren Tagen kommen Saunaliebhaber für einen Fünfliber pro Runde ins Schwitzen. «Unsere Sauna bringt Leute aus dem ganzen Quartier zusammen», schwärmt Schwob. Und wer sich nicht unter fremde Leute mischen möge, könne die Sauna für einen Abend lang exklusiv reservieren.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Treffen mit Laurin Schwob, Präsident des Vereins Saunawagen
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.
Zeichenanzahl: 0 / 1500.


3 Kommentare
  • Profilfoto von joe nyffenegger
    joe nyffenegger, 27.02.2023, 09:09 Uhr

    Der Bewilligungsprozess muss wohl so aufwändig und kompliziert sein, damit man das stetige Stellenwachstum in der Verwaltung rechtfertigen kann…. 😉

    👍0Gefällt mir👏1Applaus🤔0Nachdenklich👎0Daumen runter
    • Profilfoto von Hanswurst
      Hanswurst, 27.02.2023, 12:31 Uhr

      Diesen Eindruck habe ich auch. Leider habe ich bei der Stadtverwaltung, die das Öffentlichkeitsprinzip immer noch nicht wahrnimmt, keine Angaben zur Entwicklung der Stellen pro Bereich für das vergangene Jahrzehnt gefunden. Wäre mal einen Artikel bei zentralplus wert, oder?

      👍1Gefällt mir👏0Applaus🤔0Nachdenklich👎0Daumen runter
      • Profilfoto von Redaktion zentralplus
        Redaktion zentralplus, 27.02.2023, 15:44 Uhr

        Danke für den Input. Möglichmacherinnen von zentralplus können gerne konkrete Vorschläge machen, welche Themen wir umsetzen sollen. Nutzt dazu einfach das Formular am Ende der Artikel. Noch kein Möglichmacher? Mehr dazu gibt es hier und auch, warum es diese Unterstützung braucht.

        👍2Gefällt mir👏0Applaus🤔0Nachdenklich👎0Daumen runter
Apple Store IconGoogle Play Store Icon