Werden ältere Luzerner ausgeschlossen?

Nur Twint und Karten am Stadtfest: OK erntet Kritik

Das neue Stadtfest soll Musik und Unterhaltung für alle bieten – doch das bargeldlose Bezahlkonzept läuft dem Vorhaben zuwider. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Diesen Juni findet erstmals das Luzerner Stadtfest statt. Dass am ganzen Fest nicht mit Bargeld bezahlt werden kann, beschert den Veranstaltern nun viel Kritik.

Die Leuchtenstadt ist um ein Festival reicher. Nach mehreren Jahren Pause findet am 24. und 25. Juni der Nachfolger des Luzerner Fests statt, das Luzerner Stadtfest. Das neue Fest hebt sich mit einigen Neuerungen vom Vorgänger ab. So finden auf unterschiedlichen Plätzen verschiedene Musik- und Unterhaltungsprogramme statt.

Zudem gibt es eine Tombola, bei der viele regionale Unternehmen Gewinne beisteuern (zentralplus berichtete). Für eine Neuerung erntet das Organisationskomitee jedoch viel Kritik: Am Stadtfest kann nur noch bargeldlos bezahlt werden.

Kettenbriefe und erboste Kommentare

«Ein Stadtfest ohne Bargeld? Das passt überhaupt nicht», schreibt beispielsweise zentralplus-Leserin Nathi B. Auch Leserin Daniela Helfenstein findet den Entscheid nicht gut: «Es gibt Leute ab 50 Jahren, die weder Twint noch eine Kreditkarte haben.» Mit ihrer Meinung stehen sie nicht allein da. Auf Telegram kursiert ein Kettenbrief, mit dem dazu aufgerufen wird, sich bei den Verantwortlichen über den Entscheid zu beschweren.

Was wo und wann stattfindet, siehst du auf der Übersichtskarte:

Wie die Präsidentin des Organisationskomitees (OK) des Stadtfests Nicole Reisinger bestätigt, haben sie einiges an Kritik zur bargeldlosen Bezahlung erhalten. «Dies war zu erwarten.» Der Entscheid für die «Cashless»-Bezahlmöglichkeiten sei bewusst gefallen: «Wir haben diese Bezahlmethode aus Gründen der Sicherheit, der Hygiene und digitalen Entwicklung der Zeit gewählt.»

Zur Erinnerung: Beim Luzerner Fest 2018 gingen 50’000 Franken verloren (zentralplus berichtete). Bis heute ist nicht klar, wie das Geld wegkam (zentralplus berichtete). Aber: Digitale Bezahlsysteme verkleinern das Risiko solcher Vorfälle.

Bargeldloses Bezahlen schliesst ältere Personen aus

Bereits beim Medientermin ist die Frage aufgekommen, ob man damit nicht ältere Luzernerinnen ausschliesse. Laut Ansicht von Nicole Reisinger sei das jedoch kein Problem: «Gerade die Corona-Pandemie hat dieser Bezahlmethode einen enormen Schub verliehen. Ich sehe inzwischen auch in meinem persönlichen Umfeld, wie 70-Jährige immer häufiger mit der Kreditkarte zahlen.»

«Sie wollen ein Fest für Luzerner veranstalten und schliessen gleichzeitig eine Gruppe Luzerner aus? Das finde ich stossend.»

Angelica Ferroni, Präsidentin Forum Luzern60plus

Ähnlich sieht es auch Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen bei der Stadt Luzern. Die Pandemie habe dem Einsatz bargeldloser Bezahlmethoden einen Schub verliehen. So sei beispielsweise auch der Weihnachtsmarkt «Rudolfs Weihnacht 2021» bargeldlos durchgeführt worden. Allerdings zieht dieser erfahrungsgemäss ein eher jüngeres Publikum an.

Dort sei die «grosse Akzeptanz des Publikums» ersichtlich geworden. Grundsätzlich sei es jedoch die Entscheidung der einzelnen Veranstalter, für welche Bezahlmethode sie sich entscheiden. Die Stadt Luzern habe darauf keinen Einfluss.

Cashless-Konzept sei «nicht fair»

Anders als das Stadtfest-OK sieht es der Verein «Luzern60plus». Dieser setzt sich gezielt für die Anliegen und Bedürfnisse der älteren Luzernerinnen ein. Die Akzeptanz von digitalen Bezahlmöglichkeiten sei mit der Corona-Pandemie zwar gestiegen, bestätigt Präsidentin Angelica Ferroni. «Aber der Wandel ist noch lange nicht flächendeckend.»

Es gebe immer noch eine grosse Menge an Menschen – und zwar nicht nur ältere – die analog unterwegs seien und nur mit Bargeld bezahlen. Am Stadtfest nur bargeldlose Bezahlmöglichkeiten anzubieten, sei ihnen gegenüber deshalb «nicht fair», so ihre Kritik.

Vielen von ihnen würden den digitalen Wandel vermutlich auch nicht mehr mitmachen. «Aber solange es diese Gruppe gibt, soll sie auch bedient werden», findet Ferroni. Deshalb kritisiert sie den Entscheid des Organisationskomitees: «Sie wollen ein Fest für Luzerner veranstalten und schliessen gleichzeitig eine Gruppe Luzerner aus? Das finde ich stossend.»

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Nicole Reisinger, OK-Präsidentin Stadtfest Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen Luzern
  • Telefonat mit Angelica Ferroni, Präsidentin Forum Luzern60plus
  • Teilnahme an der Medienkonferenz vom 21. April
  • Teilnahmebedingungen Rudolfs Weihnacht
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