Isai Oswald hat Trash-Kinofilm geschnitten

Luzerner lässt «Mad Heidi» auf der Leinwand wüten

Der Editor Isai Oswald hat sich in seinem Luzerner Atelier wochenlang mit «Mad Heidi» beschäftigt. (Bild: kap)

Ende November kommt die Horror-Action-Komödie «Mad Heidi» in die Schweizer Kinos. Der Luzerner Isai Oswald hat den ersten Schweizer Exploitation-Film geschnitten. zentralplus hat mit ihm über den Film gesprochen, der die Schweizer Postkartenidylle rabiat auf den Kopf stellt.

So ziemlich jeder kennt die Kindererzählungen über Heidi. Die Autorin Johanna Spyri erschuf damit eine der berühmtesten Kinderzählungen der Welt überhaupt und porträtiert mit den Werken ein idealtypisches Bild der Schweiz.

Auch das Historische Lexikon der Schweiz würdigt den Einfluss der Werke Spyris: «Die in den Erzählungen dargestellte Welt, das Dörfli und die Alp des Alp-Öhi, wurde zum Inbegriff der Schweiz und trug so zum Mythos einer Schweiz bei, in der die Menschen in Unschuld in der gesunden Luft der Alpen leben.»

«Mad Heidi» rechnet mit romantisiertem Bild der Schweiz ab

Dieses idealisierte Bild wird im kommenden Schweizer Kinofilm «Mad Heidi» ziemlich auf den Kopf gestellt. Mit Absicht: «Die Produzenten wollten einen Genrefilm in der Schweiz drehen, welcher auch bewusst schweizerisch ist», sagt der Luzerner Isai Oswald (29) gegenüber zentralplus.

Oswald war zuständig für den Schnitt des Filmes und des Trailers, der am Mittwochmorgen online ging. Das idyllische Bild der Schweiz wird in den ersten 15 Sekunden des Trailers auch noch einmal hervorgerufen. Wir sehen das Matterhorn, kurvige Passstrassen, Schweizer Käse und eine fröhliche Heidi (verkörpert von der englischen Schauspielerin Alice Lucy), die über eine saftig-grüne Bergwiese läuft. Mit der Idylle ist es aber schnell vorbei, wenige Sekunden später wird «Geissenpeter» auf brutalste Weise abgeknallt. Schluss mit Romantik also.

Nichts für Zartbesaitete – der Trailer zu «Mad Heidi»:

«Die Filmemacher wollten dem Film aber einen anderen Twist geben», erklärt uns Oswald, als wir ihn zwei Tage vor Release des Trailers in seinem Atelier in Luzern besuchen, das sich im obersten Stock eines Schulhauses befindet. Der Film spielt in einer dystopischen Schweiz, welche unter die Herrschaft eines Käsetyrannen – gespielt vom Hollywood-Schauspieler Caspar van Dien – gefallen ist. Die erwachsene Heidi ist im Film nicht mehr das unschuldige Mädchen aus den Schweizer Bergen, sondern sie mutiert zu einer tapferen Kämpferin, welche an vorderster Front gegen die Tyrannei kämpft.

Mit blutigen Kopfschüssen und Foltermethoden wie «Fondueboarding» hat der Film definitiv Trash-Potenzial. Hört sich alles gruselig und schräg an? Ist es auch, denn bei «Mad Heidi» handelt sich um einen sogenannten Exploitation-Film, also einen «B-Movie», der bewusst auf Action und Blut hart an der Grenze des guten Geschmacks setzt. Ein Genre, das vor allem in den 60er- und 70er-Jahren in den USA seine Blütezeit erlebte und bis heute durch Kultregisseure wie Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez am Leben erhalten wird. «Die Leute sollen beim Film lachen, denn es ist ja auch eine Komödie», antwortet Isai Oswald auf die Frage, was man von diesem Film erwarten dürfte.

Filmschnitt ist «learning by doing»

Wie aber kam Isai Oswald zum Film? Über Umwege. Nach zwei angefangenen Studiengängen in Physik und Wirtschaftsinformatik hat sich Oswald an der Hochschule Luzern dem Film verschrieben. Im Sommer 2021 hat er die Ausbildung mit einem Bachelor abgeschlossen.

«Ich habe viele Schneid-Skills über Youtube gelernt.»

Isai Oswald, Editor

«Mad Heidi» ist der erste grosse Spielfilm, den er geschnitten hat. «Ich hatte Glück, dass ich schon ganz kurz nach meinem Studiumsende einen so grossen Auftrag annehmen konnte.» Davor hat er vor allem Kurz- und Dokumentarfilme geschnitten. Darunter der Dokfilm «Durch Schnitt» des Luzerner Regisseurs Pablo Callisaya (zentralplus berichtete).

Vom Exploitation-Genre hatte Oswald vor dem Auftrag kaum eine Ahnung, denn einerseits war die Ausbildung in seinem Studium auf Dokumentarfilme ausgelegt und andererseits hatte Oswald bis dahin kaum Filme Genres gesehen. «Die schlimmsten Filme, die ich gesehen habe, waren solche von Tarantino», sagt er lachend.

An der Hochschule hatte er zum Thema Filmschnitt zwar nur einen einwöchigen Kurs. Dennoch habe er schnell gelernt, wie man einen Kinofilm schneidet. «Ich habe viele Schneid-Skills auch über Youtube gelernt», gibt Oswald zu. Für den Goldenen Schnitt arbeitet Oswald vier Programmen, welche auf drei Bildschirmen in seinem Luzerner Atelier laufen. Am Schnitt des knapp 100 Sekunden langen Trailers hat er rund zwei Wochen gearbeitet. Der gesamte Filmschnitt zog sich über rund acht Monate hin und beschäftigte neben Oswald noch zwei weitere Cutter.

Für wenige Sekunden Film arbeitet Isai Oswald teils mehrere Stunden.

Viel Verantwortung als Filmschneider

Die Arbeit des Editors, wie die offizielle Berufsbezeichnung lautet, ist eine wichtige: Nach der Regie und dem Drehbuch sei es wohl der wichtigste Job, ist Oswald überzeugt. «Der Schnitt ist, was den Film spannend macht.».

Isai zeigt uns die Originalaufnahmen einer Kampfszene und dann die fertig geschnittene Sequenz. Aus fast zwei Stunden langsamen Kampfaufnahmen ist ein 20 Sekunden langer, actiongeladener Fight entstanden.

Projekt bekommt ein Happy End

Die turbulenten Arbeiten am Film haben schon 2017 begonnen, damals noch mit einem anderen Titel und einer anderen Hauptdarstellerin. Nach rund fünf Jahren ist es so weit und «Mad Heidi» kommt in die Schweizer Kinos. Finanziert wurde er grösstenteils durch «Crowdinvesting». Interessierte Filmfans konnten sich sogenannte «Heidi Bonds» kaufen, um den Film finanziell zu unterstützen.

Rund zwei Millionen Franken sind so zusammengekommen. Ist der Film erfolgreich, erhalten die Investoren eine Gewinnbeteiligung. Seine Schweizer Premiere feierte der Film am diesjährigen Zürich Film Festival, wo beide Vorstellungen restlos ausverkauft waren. Wer den trachtentragenden Racheengel in Action erleben will, kann das bald tun.

«Mad Heidi» wütet ab dem 24. November auf den Schweizer Leinwänden.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Isai Oswald, Editor «Mad Heidi»
  • Historisches Lexikon der Schweiz
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