Kostenloses Freizeit-Angebot

Hier gibt’s in Luzern den Fussball aus dem Automaten

Sport aus der Box. Adligenswil bietet seit einigen Tagen ein kostenloses Angebot für Freizeitbegeisterte – und ist damit nicht alleine. (Bild: Gemeinde Adligenswil)

Lust auf eine spontane Runde Badminton, Rugby oder Pétanque, aber die Ausrüstung nicht zur Hand? Luzerner Gemeinden setzen auf Sportboxen mit Ausrüstung zur kostenlosen Ausleihe – und verfolgen damit ein hehres Ziel.

Wer sich im Kanton Luzern sportlich betätigen möchte, kann das vielerorts tun. Seien es Vita Parcours, Bike Trails, Badis oder Pump-Tracks (zentralplus berichtete). Luzerner Gemeinden wollen aber auch den sportlichen Spieltrieb der Bevölkerung fördern. So hat beispielsweise die Gemeinde Adligenswil anfangs Februar etwas für die sportlich interessierte Bevölkerung unternommen.

Wer heute an der Dorfschule vorbeigeht, sieht eine auffällig blaue Box stehen, die an ein Schliessfach erinnert. Der Vergleich ist insofern treffend, weil hinter den vergitterten Türchen – sechs an der Zahl – verschiedene Sportgeräte eingeschlossen sind. Badminton-Ausrüstung, ein Jonglier-Set, Rugbybälle und anderes findet die geneigte Spiel- und Sportfraktion darin. Quasi ein Selecta-Automat für kleine Sportgeräte.

«Box Up ist ein Angebot im Rahmen der Gesundheitsförderung der Gemeinde. Die Gemeinde Adligenswil möchte damit die Bevölkerung dazu animieren, sich zu bewegen und auch einmal etwas Neues auszuprobieren», erklärt Stefan Ragaz, Mediensprecher von Adligenswil, auf Anfrage. Ein weiterer Anreiz, um die Bevölkerung zur Nutzung der Sportsachen und Spielgeräte zu bewegen: Das Angebot ist kostenlos.

Gemeinde Emmen ist Vorreiterin

Adligenswil ist allerdings nicht die einzige Gemeinde, die auf die blauen Sportkästen setzt. Auch in Emmen sind sie anzutreffen – hier an drei verschiedenen Standorten: im Emmenpark, im Freibad Mooshüsli und auf dem Schul- und Sportareal Gersag. Die Gemeinde Emmen ist bezüglich Sportboxen quasi eine Vorreiterin. Sie hat das Angebot im vergangenen Sommer eingeführt und war damit die erste in der Zentralschweiz, die auf das Angebot von Box Up gesetzt hat. In den Emmer Boxen gibt es denn auch andere Geräte wie beispielsweise Fussbälle, Tischtennis-Ausrüstung, Beach-Volleyball oder Pétanque-Kugeln.

Wie Philipp Bucher, Pressesprecher von Emmen, auf Anfrage schreibt, wurden die Boxen im Rahmen der Vision 2033 «Pionier Emmen – mein Lieblingsort. Erfrischend frech. Echt inspirierend» aufgestellt, um «zusätzliche Bewegung in die Freizeit» der Emmer Bevölkerung zu bringen.

Wer das Angebot nutzen will, kommt um eine App nicht herum. Als Nutzer loggt man sich ein und wählt das Freizeitgerät seiner Wahl, worauf sich das entsprechende Schliessfach öffnet. Bei der Rückgabe – nach maximal drei Stunden – werden die Sportgeräte in das Fach eingeschlossen und mit dem Mobiltelefon in der App fotografiert. Erst dann gilt die Transaktion als abgeschlossen. Bei der Erstellung des Profils muss auch ein offizielles Dokument wie beispielsweise eine ID hinterlegt werden – Massnahmen, die Diebstahl und Sachbeschädigungen vorbeugen sollen.

«Wenn festgestellt wird, dass ein Benutzer absichtlich einen Artikel entwendet hat, behalten wir uns das Recht vor, ihn von der Anmeldung auszuschliessen und ein Inkasso- und Entschädigungsverfahren einzuleiten», erklärt Philipp Bucher das Vorgehen gegen Regelbrecher. Solche Fälle sind aber die Ausnahme. Gemäss Stefan Ragaz würden die Erfahrungen von Box Up zeigen, dass sich über 99 Prozent aller Nutzer an die Regeln halten. Mittels App kann auch defektes oder fehlendes Material gemeldet werden, das dann ausgetauscht oder ersetzt wird.

16'800 Franken für vier Jahre Betrieb

Der Anschaffungspreis der Box hängt von der Anzahl der gewählten Fächer ab. Vorgefertigt gibt es welche mit zwei, vier oder sechs Schliessfächern. Wahlweise können Kundinnen die Anzahl auch benutzerdefiniert bestellen. «Ein Fach kostet 2'800 Franken für die Betriebsdauer von vier Jahren», schreibt Stefan Ragaz von Adligenswil. «Nach Ablauf der ersten vier Jahre ist ein Zahlungsmodell vorgesehen, das auf der Anzahl der Nutzer basiert», so Ragaz weiter.

Hinter den Boxen steht das Waadtländer Unternehmen Box Up mit Sitz in Renens. Rund sechzig Stationen hat das Unternehmen in der Schweiz, Liechtenstein und Frankreich seit der Gründung 2020 aufgestellt. Der Löwenanteil davon steht in der Westschweiz. Der Betrieb und Unterhalt der einzelnen Boxen läuft denn auch über das Unternehmen selbst. Die Box-Up-Anlagen haben gemäss der Gemeinde Emmen eine autonome Stromversorgung.

In Emmen rund 1'000 Stunden lang genutzt

Wie oft die Geräte genutzt werden, können die Gemeinden mittels anonymisierten Nutzungsdaten eruieren. «Dabei ist ersichtlich, welches Sportgerät wie häufig und wie lange ausgeliehen wird», schreibt Stefan Ragaz von der Gemeinde Adligenswil. Da die Box in Adligenswil erst vor wenigen Tagen in Betrieb ist, sei es hier aber noch zu früh, Angaben zur Frequentierung zu machen.

In Emmen, wo die drei Standorte schon seit bald einem Jahr in Betrieb sind, gibt es hingegen schon konkrete Nutzungszahlen. Am begehrtesten ist der Standort beim Freibad Mooshüsli. Hier haben 104 registrierte Nutzer die Angebote rund 428 Stunden lang genutzt. Beim Standort Gersag waren es bisher 112 Nutzerinnen mit 256 Stunden und im Emmenpark 41 Nutzer mit 254 Stunden.

Über alle 60 Stationen betrachtet, nutzen gemäss der Website von Box Up rund 15'000 Leute das kostenlose Angebot mit über 50'000 Nutzungen. Richtig begehrt dürften die Spiel- und Sportgeräte vor allem im Frühling oder Sommer werden, wenn das Wetter dazu verleitet, sich nicht in Winterjacke und Mütze eingehüllt, draussen aufzuhalten.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Stefan Ragaz, Mediensprecher Adligenswil
  • Website Gemeinde Emmen
  • Schriftlicher Austausch mit Philipp Bucher, Mediensprecher Emmen
  • Website Gemeinde Adligenswil
  • Box Up Website
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