Darum ist die Sanierung überfällig

Dieser Mann war Vorkämpfer für die neue «Tribschenbadi»

Hansruedi Haefliger kommt seit mehr als 50 Jahren in die Tribschenbadi. (Bild: Marjana Ensmenger)

Hansruedi Haefliger kommt seit mehr als 50 Jahren in die Tribschenbadi. Jetzt sind seine Beanstandungen bei der Stadt nach Jahren endlich auf Gehör gestossen. Das freut auch die Betreiber der Hallenbad AG, Reto Mattmann und Dominik Berchtold.

Wir schreiben das Jahr 1972: Hansruedi Haefliger ist damals gerade 27 Jahre jung. An den Händen hält er seine beiden Töchter, als er das erste Mal das Strandbad Tribschen – die «Tribschenbadi» – betritt. Wenn es heiss war in Luzern, war die Badi schon damals ein idealer Rückzugsort für Familien. Auch deshalb, weil gegen 100 Bäume auf dem 25’000 Quadratmeter grossen Gelände Schatten spenden.

Vergleicht man die Tribschenbadi von damals mit heute fällt vor allem eines auf: «Verändert hat sich seither praktisch nichts», erinnert sich der 80-jährige Haefliger. Eine Sanierung wäre schon vor Jahren mehr als angebracht gewesen. «Aufgrund der Sanierung der Zimmereggbadi in Littau hatte das Projekt aber nicht erste Priorität», vermutet Reto Mattmann, Geschäftsführer der Hallenbad AG (zentralplus berichtete). Die finanziellen Ressourcen für die Sanierung der Tribschenbadi fehlten.

«An extrem heissen Sommertagen – wie beispielsweise im Jahr 2003 – standen sich die Besucher oft die Beine in den Bauch», erinnert sich Haefliger zurück. Warteschlangen von bis zu 30 Minuten waren bereits damals keine Seltenheit. Und heute? «Die Wartezeit ist etwas kürzer geworden, weil wir auf Reklamationen reagiert und beispielsweise einen mobilen Verkaufsstand angeschafft haben», so Mattmann.

Die Betreiber der Tribschenbadi: Dominik Berchtold und Reto Mattmann von der Hallenbad AG. (Bild: Marjana Ensmenger)

Die Hallenbad AG fungiert jeweils während der warmen Sommermonate als Betreiberin der Tribschenbadi. In den kälteren acht Wintermonaten liegt sie in den Händen der Stadt Luzern und wird als öffentlicher Raum der Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Während des Badibetriebs ist die Tribschenbadi an Hitzetagen an ihre Grenzen gekommen. Vor allem aufgrund der fehlenden Räumlichkeiten. Das bestätigt auch der langjährige Badegast Haefliger.

Die Reklamationen der Besucher stossen auf politisches Gehör

Weil Haefliger mit seinen Töchtern zum Stammgast avancierte und ihm die Tribschenbadi am Herzen liegt, begann er vor Jahren, den Betreibern Mails zu schreiben. Darin fasste er verschiedene von den Badegästen gesammelte Mängel zusammen. Nachdem ein Leserbrief von Haefliger in den Medien aufgenommen wurde und weitere Reaktionen in der Bevölkerung ausgelöst hat, begann man auch auf politischer Ebene auf das Problem aufmerksam zu werden.

«Herr Haefliger war gewissermassen der Vorkämpfer und hat den Stein ins Rollen gebracht», bestätigt auch Mattmann. Nun kommt sie also, die Gesamtsanierung für 6,4 Millionen Franken (zentralplus berichtete). Bei diesem Grossprojekt wirkt die Hallenbad AG als wichtiger Berater mit, die zahlreiche Wünsche von Badegästen wie Haefliger aufgenommen und eingebracht hat.

«Wer arbeitet schon gerne bei 30 °C in einer nach Pommes frites riechenden Küche Rücken an Rücken?»

Hansruedi Haefliger, einer der ältesten Besucher der Tribschenbadi

Die Sanierung ist auch für Haefliger eine erfreuliche Nachricht. Von Oktober 2023 bis 2024 wird umgebaut. Besonders freut er sich auf das neue Betriebs- und das neue Garderobengebäude. Aber auch die Mitarbeiterräume wertet er als enorm bereichernd. «Mir taten die Mitarbeiter leid: Wer arbeitet schon gerne bei 30 Grad in einer nach Pommes frites riechenden Küche Rücken an Rücken?»

Aufgrund der mangelnden Infrastruktur sei es aber bis heute nur bedingt möglich, die Wartezeiten zu verkürzen. Der Platz fehlt. Die sanitäre Einrichtung ebenfalls. Und auch die Rekrutierung neuer Mitarbeiterinnen erweist sich als schwierig. Egal ob ein Koch oder eine Kassenmitarbeiterin gesucht wird.

«Wir entlöhnen die Mitarbeitenden gut, allerdings können wir nur vereinzelt Ganzjahresstellen anbieten, und wir müssen mit den Räumlichkeiten auskommen, die derzeit gegeben sind», bestätigt Dominik Berchtold, Mitglied der Geschäftsleitung der Hallenbad Luzern AG. Das führe dazu, dass ein Arbeit in der Badi weniger attraktiv sei als bei anderen Jobs. Mit einer neuen Fachperson in der Gastronomie und der bevorstehenden Sanierung wolle man bewusst das Personal vor Ort besser begleiten und unterstützen und so die Attraktivität des Arbeitsortes erhöhen.

Das Wohl der Mitarbeiterinnen, das war auch Haefligers Hauptmotivation dafür, immer wieder vorsprechig zu werden und die Missstände kundzutun. Was sich die Badegäste besonders gewünscht haben, wurde im Sommer 2020 mithilfe einer Kundenumfrage genaustens eruiert. Unter anderem soll der im Jahr 1990 aufgeschüttete Badestrand mit 150 bis 200 Quadratmeter neuem Sand bestückt werden.

Diese Neuheiten sind in der Tribschenbadi geplant

Und auch das heutige Kinderbecken soll eine Erneuerung erfahren. Geplant ist dort ein Absenkbecken. «Dadurch muss man das Planschbecken nicht mehr ständig mit Frischwasser auffüllen, sondern hat die Möglichkeit, das Wasser zu filtern und zu reinigen», erklärt Mattmann.

Von einer vollständig inexistenten Wartezeit auszugehen, das sei jedoch illusorisch, sagt Mattmann. «Auch wenn wir mit unserem digitalen Bestellangebot bereits heute versuchen, Wartezeiten auf ein Minimum zu reduzieren.» Mithilfe eines Handys kann der Gast das Essen online bestellen und es sich unter einem Baum auf seinem Badetuch gemütlich machen, bis das Essen abholbereit ist.

Haefliger erhofft sich, dass man nach der Sanierung für eine gute Tasse Kaffee nicht mehr 30 Minuten warten muss oder an einem warmen Sommerabend künftig wieder eine feine Grillade eines Kochs in der Tribschenbadi mit Freunden geniessen kann.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Hansruedi Haefliger
  • Persönliches Gespräch mit Dominik Berchtold und Reto Mattmann
  • Div. Mails zwischen Hansruedi Häfliger und Reto Scherrer, ehemaliger Geschäftsführer Hallenbad AG
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