Freizeit

Wie ich scheiterte: Ein Drama in mehreren Akten
Einen schnellen Jass am Sonntag in Luzern? Fehlanzeige!

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Bei Jung und Alt beliebt, im Bahnhof Luzern jedoch ein rares Gut: Jasskarten. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Für lange Zugreisen ist oft Unterhaltung gefragt. Doch was tun, wenn du sonntags unterwegs bist und beispielsweise die vergessen hast? Die Lösung: ein Abstecher in die zahlreichen Geschäfte am . Doch wer hier den Schweizer Klassiker sucht, guckt in die Röhre.

Für viele geht es während der Ferien irgendwo weg. Stau-Experten warnen bereits vor langen Kolonnen (zentralplus berichtete). Wer wie die Autorin viel Zug fährt, wird wohl stattdessen den einen oder anderen Ausflug per ÖV planen. Je nach Ausflugsziel kann die Reise auch mal länger dauern. Was also tun, um die Zeit zu vertreiben? In einer Gruppe zu viert bietet sich hier der Klassiker an: ein Jass.

Die Karten brauchen nur wenig Platz und mit einem Notizblock oder einer Schiefertafel purzeln die Stunden nur so dahin. Was aber, wenn just dieser Kollege, der die Karten mitnehmen sollte, diese in der anderen Tasche gelassen hat? An einem Sonntag ist so schnell nicht an Ersatz zu denken. Kein Problem, dachte ich mir. Schliesslich bietet der Hauptbahnhof Luzern allerlei Läden und ist für Spontane und Vergessliche auch sonntags geöffnet. Genau für einen solchen Grundbedarf für Reisende ist ja auch die Ausnahmeklausel bei den sonntäglichen Ladenöffnungen vorgesehen.

Grosse Detailhändler? Fehlanzeige

Zuerst versuche ich mich an den orangen Detailhandelsriesen. Zumal man im Coop ja auch das eine oder andere Getränk für die Reise besorgen kann. Frohen Mutes betrete ich die Filiale. Ich suche – vergebens. Zwar gebe es mit diversen Schreibblöcken und Stiften einen Ersatz für die schwarze Schiefertafel. Von Karten jedoch keine Spur.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Migros. Bei der Abteilung für «Gegenstände des täglichen Gebrauchs» finde ich Schwämme, Blöcke, Becher – aber keine Karten. Nun gut. Ist halt eher auf Lebensmittel ausgelegt. Es hat ja auch noch jede Menge Läden übrig.

Französische Jasskarten mit Schweizerkreuz

Als Nächstes verschlägt mich die Suche in den Interdiscount. Vor allem als Elektronik-Fachgeschäft bekannt, verkauft der Laden inzwischen auch kleinere Spielsachen wie Beach-Tennisschläger.

Heureka! In einem kleinen Regal liegen doch tatsächlich Karten mit einem Schweizerkreuz-Muster auf dem Rücken. Doch als ich die Karten umdrehe, die Ernüchterung: Statt Eicheln und Schellen zieren Pik und Herzen die Karten. Von den Schweizer Spielkarten fehlt jegliche Spur.

Auch die Touristenabteilung beim Kiosk enttäuscht

Weiter geht die Suche zum Büro von Luzern Tourismus, in der Hoffnung zwischen den aufgehängten «Chueli»-Hüten irgendwo auch ein Jass-Reiseset zu entdecken. Vielleicht sogar mit Wasserturm drauf. Aber nichts da.

Hatte der Kiosk nicht auch eine kleine Touristenecke? Das wohl berühmteste Schweizer Kartenspiel wird dort doch wohl vertreten sein, so der Gedanke. Falsch gedacht: Neben Trauffer-Holzkühen winken jede Menge Schoggi. Und Mini-Sackmesser. Bezüglich nach wie vor Fehlanzeige.

Auch bei den «Notfall»-Gegenständen werde ich nicht fündig. Dort gibt’s Deos, Zahnpasta und sogar Gleitmittel. Zwar auch ein Mittel zur Unterhaltung, aber zu viert wohl eher nicht geeignet.

Letzte Hoffnung: Reisezentrum der SBB

Einen vermeintlichen Trumpf im Ärmel gibt es noch. Vage erinnere ich mich, beim letzten Passepartout-Kauf beim SBB-Schalter ausgelegte Spiele im Wartebereich gesehen zu haben. Noch während die Rolltreppen die Autorin nach oben befördern, keimt die Hoffnung wieder auf.

Und siehe da, im SBB-Reisezentrum werden nebst aufblasbaren Kopfkissen und Handykabeln auch Spiele angeboten. Nebst Klassikern wie Brändi Dog und einem Quartett mit SBB-Motiven gibt es sogar neuere Spiele wie Stadt, Land, Vollpfosten. Wie SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg schreibt, bietet die SBB vor allem Spiele an, die gut im Zug spielbar sind und eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen. Doch auch hier fehlt von Jasskarten jede Spur. Auch die letzte Idee, wo es die gewünschten Karten geben könnte, bleibt ein Fehlschlag.

Alternativen für Pechvögel

Im Nachhinein stellt sich heraus, dass ich an besagtem Sonntag einfach etwas Pech hatte. Wie Schellenberg versichert, bieten die SBB sehr wohl Jasskarten-Sets an. «Es kann jedoch kurzfristig sein, dass einzelne Produkte ausverkauft sind.»

So oder so: Ganz leer ging ich nicht aus. Fündig wurde ich in einem Volg in Stansstad in Nidwalden. Und wie ein Kollege später noch erzählte, hätte wohl auch das Gameorama-Spielemuseum sonntags geöffnet.

Verwendete Quellen
  • Reportage
  • Schriftlicher Austausch mit Sabrina Schellenberg, SBB-Mediensprecherin
Weitere Quellen
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3 Kommentare
  1. Melony, 16.04.2022, 21:18 Uhr

    Ich sehe das Problem nicht. Wer jassen kann, kann meiner Meinung nach mit französischen Karten genau so gut spielen, wie mit den deutschen. Und sonst gibts in den Läden ja auch noch andere unterhaltsame Kartenspiele…

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    1. Sandra Klein, 16.04.2022, 22:45 Uhr

      Ich jasse gelegentlich, habe aber keine Ahnung von französischen Karten. Muss ich mir das nun aufdrängen lassen, nur weil die Geschäfte am Luzerner Bahnhof nicht mal so was triviales wie Jasskarten vorrätig haben?

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  2. Hans Dampf, 15.04.2022, 21:30 Uhr

    Noch ein kleiner Tipp: Bei der Schifffahrtsgesellschaft wärst Du fündig geworden!

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